Eine Reisepass, ein gelber Impfpass und eine digitaler Impfpass in der Corona-App | picture alliance / Goldmann
FAQ

EU-weiter Start So geht Urlaub mit digitalem Impfpass

Stand: 01.07.2021 19:30 Uhr

Das EU-Impfzertifikat ist offiziell gestartet. Damit soll vieles im Urlaub einfacher werden. Doch der digitale Impfpass funktioniert noch nicht in allen EU-Ländern.

Von Dominik Lauck, tagesschau.de

In welchen Ländern gilt das digitale Impfzertifikat?

Das digitale COVID-Zertifikat der EU gilt bundesweit und in allen anderen EU-Ländern. Außerdem wird es in sechs weiteren Staaten akzeptiert: Island, Liechtenstein, Norwegen, San Marino, Schweiz und Vatikan. Die grundsätzlichen technischen Voraussetzungen sind in all diesen Ländern geschaffen worden - sie können auf das EU-Gateway zugreifen, über das die Signaturschlüssel der einzelnen Länder überprüft werden können. Allerdings hakt es noch in einigen Staaten bei der praktischen Umsetzung, etwa was die Ausstellung der Impfzertifikate angeht.

Dominik Lauck

Welche Länder erfüllen alle technischen Voraussetzungen?

Nach Angaben der EU-Kommission erfüllen mittlerweile alle EU-Staaten die technischen Voraussetzungen. Irland, Malta, die Niederlande, Rumänien, Schweden und Ungarn sind im Laufe des Tages noch hinzugekommen. Außerdem sind auch die Nicht-EU-Länder Island, Liechtenstein und Norwegen in der Lage, das Impfzertifikat zu überprüfen.

Probleme gibt es noch in San Marino, der Schweiz und dem Vatikan.

Muss ich mein gelbes Impfheft noch mitnehmen?

Eigentlich ist es nicht mehr notwendig, in der EU das gelbe Impfheft aus Papier mit sich zu führen. Dieses ist allerdings weiterhin gültig. Das Bundesgesundheitsministerium rät Urlaubern, bei Reisen in die EU sicherheitshalber das Impfheft mitzunehmen, um auf der sicheren Seite zu sein, falls es vor Ort doch noch zu Problemen mit dem Digitalzertifikat kommen sollte. Wer außerhalb Europas Urlaub plant, ist ohnehin auf das von der Weltgesundheitsorganisation ausgestellte gelbe Impfbuch angewiesen.

Welche Vorteile habe ich mit dem digitalen Impfpass?

Die EU-Mitgliedstaaten haben zugesichert, bei Inhabern des digitalen Impfzertifikats grundsätzlich auf Quarantäne- und Testpflichten bei der Einreise zu verzichten. An welchen sonstigen Stellen die Zertifikate Urlaube, Shoppingausflüge oder Wochenendtrips erleichtern, legt jedes Land selbst fest.

In Italien beispielsweise kann man mit Impfzertifikat öffentliche Veranstaltungen besuchen und in Regionen mit höherem Infektionsrisiko reisen, welche als Corona-Zone ausgewiesen werden. In Österreich erleichtert der QR-Code den Zugang zu Lokalen, Hotels, Freizeiteinrichtungen und zu Veranstaltungen. Denn überall dort müssen Gäste genesen, geimpft oder getestet sein. Wer nach Bulgarien oder Polen einreist, erspart sich mit dem Impfzertifikat zehn Tage Quarantäne.

Wann habe ich keine Vorteile?

Je nach Infektionslage können selbst für vollständig Geimpfte auch wieder Beschränkungen eingeführt werden. Deshalb sollten sich Reisende immer kurzzeitig vorher über die Corona-Lage im jeweiligen Land informieren. So hat Deutschland aktuell für Einreisende aus sogenannten Virusvariantengebieten wie Portugal, Großbritannien oder Russland, in denen die Delta-Variante stark verbreitet ist, strenge Regeln erlassen. Wer aus solchen Ländern zurück in die Bundesrepublik kommt, muss - auch als Genesener oder mit vollem Impfschutz - 14 Tage in Quarantäne und kann sich nicht freitesten lassen.

Was genau ist das digitale Impfzertifikat?

Das Digitalzertifikat ist ein digitaler Nachweis dafür, dass man entweder gegen COVID-19 geimpft wurde oder von Corona genesen ist. Es ist eine freiwillige Ergänzung des weiterhin gültigen gelben Impfheftes aus Papier. Außerdem können auch Schnell- oder PCR-Tests als digitales Zertifikat dokumentiert werden. Der Nachweis wird in der Regel per QR-Code in einer App auf dem Smartphone hinterlegt. Wer kein Mobiltelefon hat, kann das Zertifikat auch ausdrucken und so nutzen. Eine digitale Signatur soll den Code fälschungssicher machen.

Wo erhalte ich das digitale Impfzertifikat?

Das Zertifikat erhält man seit Mitte Juni bei Impfungen im Impfzentrum oder in der Arztpraxis. Der QR-Code wird in der Regel auf Papier ausgedruckt und kann dann mit dem Smartphone eingelesen werden. Bislang wurden laut Bundesgesundheitsministerium in Deutschland bereits rund 40 Millionen Impfzertifikate ausgestellt, wobei es sowohl ein Zertifikat für eine erste wie auch eine zweite Impfung geben kann. Die Zahl der Zertifikate kann also die der Geimpften überschreiten.

Wer in den vergangenen Monaten vollständig geimpft wurde, kann den digitalen Nachweis nachträglich bekommen. Wer sich im Impfzentrum hat impfen lassen, sollte den Code mittlerweile zugeschickt bekommen haben. Wer in einer Arztpraxis geimpft wurde, kann sich dorthin wenden und um ein nachträglich erzeugtes digitales Zertifikat bitten. Auch viele Apotheken bieten dies an. Dazu müssen das gelbe Papier-Impfheft und der Personalausweis vorgelegt werden. Die digitalen Zertifikate sind mit der Überschrift "EU-COVID-19 Impfzertifkat" versehen.

Welche Daten werden im digitalen Zertifikat gespeichert?

In dem Zertifikat werden Name und Geburtsdatum gespeichert, außerdem Impfdatum, Name des Impfstoffs sowie die Chargennummer. Diese Daten werden nur lokal auf dem Smartphone abgelegt. Zur Erstellung des Impfzertifikats ist es notwendig, dass die Daten einmalig durch die Impfstelle erhoben und zur Signierung an das RKI übermittelt werden. Diese Daten werden dort sofort wieder gelöscht.

In welchen Fällen gibt es noch Probleme?

Probleme gibt es noch bei Genesenen. Diese brauchen zwei Zertifikate: ein Genesenen-Zertifikat und eins von der Impfung, welche sechs Monate nach überstandenen Corona-Infektion fällig ist. Das Genesenen-Zertifikat kann bisher noch nicht in der App eingelesen werden. Wie das Bundesgesundheitsministerium gegenüber tagesschau.de mitteilte, sollen in den kommenden Tagen die notwendigen technischen Voraussetzungen geschaffen werden - wann genau, ist jedoch noch unklar.

Welche Impfstoffe werden anerkannt?

Es werden nur Impfungen mit in der EU zugelassenen Impfstoffen anerkannt. In der Praxis wirft dies die Frage auf, was mit der Einreise von Ungarn oder Slowaken ist, die mit dem russischen Impfstoff Sputnik V geimpft sind. Zumindest in Deutschland werden solche Personen bei der Einreise nicht als Voll-Geimpfte angesehen und müssen Negativ-Tests nachweisen.

Wie wird das digitale Impfzertifikat überprüft?

Dazu gibt es die App "CovPass Check". Damit können beispielsweise Restaurant-Betreiber mit einem schnellen Scan überprüfen, ob die Gäste einen vollständigen Impfschutz oder gültigen Schnelltest haben. Sie bekommen dabei nur den Impfstatus und den Namen des Gastes angezeigt, den sie mit dem Personalausweis oder einem anderen Ausweis-Dokument abgleichen müssen.

Airlines und Flughafenbetreiber warnen, dass es bei der Passagierabfertigung wegen der Überprüfung des Impfzertifikats zu deutlichen Verzögerungen kommen kann. Es gebe "große Betriebsrisiken aufgrund der uneinheitlichen Vorgehensweise der Mitgliedstaaten", erklärten die Verbände europäischer Fluggesellschaften und Airport-Betreiber.

Auf welchen Smartphones ist der Impfpass erhältlich?

Das digitale Impfzertifikat kann entweder in der dazu eigens entwickelten CovPass-App oder in der Corona-Warn-App (ab Version 2.3) lokal gespeichert und angezeigt werden - beide werden vom Robert Koch-Institut herausgegeben. Außerdem kann es auch in der Luca-App abgelegt werden.

Die CovPass-App kann für iPhones gratis im App Store von Apple runtergeladen werden, für Android-Handys ist sie im Google Play Store erhältlich und für Huawei-Smartphones in der Huawei AppGallery. Auf Apple-Geräten ist das Betriebssystem iOS 12 (oder neuer) Voraussetzung, bei Android-Geräten muss mindestens das Betriebssystem Android 6 installiert sein.

Wer kein Smartphone besitzt oder nutzen möchte, kann das Impfzertifikat auch als ausgedruckten QR-Code auf Papier verwenden.

Kann ich auch mit Test statt Impfung verreisen?

Ja. Das digitale Impfzertifikat soll den freien Personenverkehr innerhalb der EU erleichtern. Es ist aber keine Voraussetzung für die Freizügigkeit, welche ein Grundrecht in der EU ist. Das digitale Zertifikat dient auch dem Nachweis von Testergebnissen, deren Vorlage von staatlicher Seite häufig verlangt wird. 

Was kostet der digitale Impfpass?

Der digitale Impfpass ist gratis. Allerdings erhalten Apotheken und Ärzte für das nachträgliche Erstellen der Digital-Nachweise aus Steuergeldern bis zu 18 Euro Vergütung. Laut dem Bund der Steuerzahler kostet das insgesamt rund 50 Millionen Euro.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Juli 2021 um 07:00 Uhr.