Die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Paus wird neue Familienministerin. | dpa

Neue Familienministerin Paus Finanzexpertin mit Blick für soziale Gerechtigkeit

Stand: 25.04.2022 16:22 Uhr

Lisa Paus hat von Bundespräsident Steinmeier ihre Ernennungsurkunde als Familienministerin erhalten. Die Spiegel-Nachfolgerin ist Finanzexpertin. Ihr Hauptziel: Armutsbekämpfung. Ein Schwerpunkt sollen dabei Alleinerziehende sein.

Von Nina Amin, ARD-Hauptstadtstudio

Der Ruf ins Ministerium kam überraschend - sogar für Lisa Paus. Von jetzt auf gleich brauchten die Grünen eine neue Familienministerin. Die Wahl fiel auf die Finanzexpertin Paus.

Nina Amin ARD-Hauptstadtstudio

Bei ihrer kurzen Vorstellungsrede vor knapp zwei Wochen sagte sie: "Ich habe natürlich einen Riesenrespekt vor dieser Aufgabe. Da liegt einiges vor mir." Aber, meint die bisherige Grünen-Fraktionsvizechefin, sie sei bereit.

Kinderarmut bekämpfen

Sie brenne für soziale Gerechtigkeit, sagt die 53-jährige von sich selbst. Kinderarmut bekämpfen habe für sie Priorität. Jedes fünfte Kind in Deutschland ist von Armut bedroht. Dass Kinder von Alleinerziehenden besonders armutsgefährdet sind, weiß Paus.

Auch Paus zieht ihren Sohn allein groß. "Aber ich bin langjährige Abgeordnete, wirklich privilegiert. Das hat nichts mit der Situation der allermeisten Alleinerziehenden in diesem Land zu tun. Und um sie geht es mir." 

Beim Verband für alleinerziehende Mütter und Väter kommt das gut an. Deren Bundesvorstandsvorsitzende Daniela Jaspers spricht von struktureller Benachteiligung. Laut Verband sind 86 Prozent der Alleinerziehenden Frauen. Viele arbeiten Teilzeit, haben große Mühe Job und Kinder unter einen Hut zu bringen. Betreuungsangebote frühmorgens oder spätnachmittags gibt es längst nicht überall.

Wichtiges Projekt: Kindergrundsicherung

Auch die geplante Kindergrundsicherung sei, sagt Jaspers, dringend nötig für Alleinerziehende. Vor allem, dass das Geld da ankomme, wo das Kind lebe und seinen Lebensmittelpunkt habe und "nicht beim anderen Elternteil landet, obwohl das Kind sich dort kaum aufhält".

Kindergrundsicherung - das große Vorhaben der Ampel-Koalition. Es soll aufwändige Einzelanträge zum Beispiel für Kindergeld oder Schülertickets überflüssig machen, damit kommt das Geld einfacher zu Kindern aus armen Familien.

Im diesjährigen Haushalt ist dafür noch kein Geld eingeplant. Allerdings gibt es ab Mitte des Jahres zur Überbrückung einen monatlichen Zuschlag von 20 Euro. Ein Tropfen auf dem heißen Stein, sagen Kritiker. Daniela Jaspers vom Verband der Alleinerziehenden hofft, dass Paus als Finanzexpertin die Kindergrundsicherung schneller verwirklicht. Daran wird die Grünen-Politikerin sicher gemessen werden.

"Mit ganzem Herzen für Senioren und Seniorinnen"

Paus ist als Ministerin auch für Seniorenpolitik zuständig. Ministerin aller Menschen in Deutschland zu sein, empfinde sie als ein großes Privileg, sagt die Grünen-Politikerin. "Aber eben auch und gerade und mit ganzem Herzen für die Senioren und Seniorinnen."

Einsamkeit, Altersarmut - für viele ältere Menschen sei das ein großes Thema. So klare Worte zur Seniorenpolitik hat Clemens Tesch-Römer, Leiter vom Deutschen Zentrum für Altersfragen, lange vermisst. Zwar gehe es den meisten älteren Menschen in Deutschland gut, aber "soziale Ungleichheit, die ein Leben lang besteht, besteht auch im Alter weiter. Im Alter gibt es keine Chance mehr aus der Altersarmut oder einer Isolation rauszukommen." 

Hier müsse die Politik ansetzen, meint Tesch-Römer, ältere Menschen und ihre Erfahrungen stärker einbeziehen, sei es bei der Kinderbetreuung oder anderen ehrenamtlichen Aufgaben. Paus nahm am Nachmittag ihre Ernennungsurkunde vom Bundespräsidenten entgegen. Als Ministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt es viel zu tun.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell im Hörfunk am 25. April 2022 um 12:23 Uhr.