Der Angeklagte im "Fall Lisa", Ismet S., vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin. | Bildquelle: dpa

Urteil wegen Missbrauchs Bewährungsstrafe im "Fall Lisa"

Stand: 20.06.2017 17:31 Uhr

Urteil im Fall des russlanddeutschen Mädchens Lisa: Ein Berliner Gericht hat ihren 24-jährigen Bekannten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Dabei ging es aber nicht um die erfundene Geschichte, mit der die damals 13-Jährige für Schlagzeilen gesorgt hatte.

Vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten hat der Angeklagte Ismet S. ein umfassendes Geständnis abgelegt. Der 24-jährige gab zu, einvernehmlichen Sex mit der damals 13-jährigen Lisa gehabt zu haben. Handyaufnahmen des Geschlechtsakts sollen ihn überführt haben.

Das öffentliche Interesse an dem Verfahren war groß, zumal das russlanddeutsche Mädchen aus Berlin als 13-Jährige eine Vergewaltigung erfunden hatte. Die Geschichte hatte international Wellen geschlagen. Auch Vertreter russischer Medien gehörten zu den Prozessbeobachtern.

Der Angeklagte im "Fall Lisa", Ismet S., an der Hand seines Anwalts vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin. | Bildquelle: dpa
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Der Angeklagte im "Fall Lisa", Ismet S., an der Hand seines Anwalts vor dem Amtsgericht Tiergarten in Berlin.

Das Urteil: Wegen schweren sexuellen Missbrauchs eines Kindes und Herstellung von Kinderpornografie zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung. Außerdem soll S. als Auflage 3000 Euro zahlen.

Ermittlungen als Folge des "Falls Lisa"

Dabei hatte der Angeklagte mit dem eigentlichen "Fall Lisa" nichts zu tun. Doch als Bekannter des Mädchens war der 24-jährige Lehrling im Zuge der intensiven Ermittlungen in den Fokus geraten.

Bereits mehrere Wochen vor dem Verschwinden der 13-Jährigen war es laut Anklage zu Sex in seiner Wohnung gekommen. Weil das Mädchen jünger als 14 Jahre alt war, ist auch freiwilliger Sex strafbar. Auch Staatsanwalt und Verteidiger hätten für den geständigen Angeklagten ohne Vorstrafen auf eine Bewährungsstrafe plädiert, so die Sprecherin des Gerichts.

Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Der Prozess fand hinter verschlossenen Türen statt, Presse und Öffentlichkeit wurden noch vor der Anklageverlesung ausgeschlossen. Sergej Dankwart, Anwalt des als Nebenklägerin auftretenden Mädchens, hatte dies zum Schutz der Intimsphäre der heute 15-Jährigen beantragt.

Die Schülerin war im Gericht, aber nicht persönlich im Saal. Wegen des umfassenden Geständnisses von Ismet S. konnte auf ihre Aussage als Zeugin verzichtet werden.

Die Folgen einer erfundenen Geschichte

Was war passiert? Das Mädchen, das als Lisa bekannt wurde, war am 11. Januar 2016 auf dem Schulweg verschwunden. Mehr als 30 Stunden wurde die 13-Jährige vermisst. Als sie äußerlich unverletzt wieder auftauchte, schilderte sie ein ungeheuerliches Verbrechen: Drei ihr unbekannte  Männer hätten sie im Auto verschleppt und in einer Wohnung vergewaltigt.

Der Fall nahm aber eine überraschende Wende: Tatsächlich hatte sich das Mädchen bei einem Bekannten versteckt, weil es Probleme in der Schule hatte. In den Befragungen durch die Polizei verwickelte sich Lisa wiederholt in Widersprüche. Schließlich räumte sie ein, die Entführung vorgetäuscht zu haben.

Lawrow warf deutschen Behörden Vertuschung vor

Was als Ausrede dienen sollte, kursierte aber schon in sozialen Medien. Das Gerücht erreichte die internationale Politik. Der russische Außenminister Sergej Lawrow schaltete sich ein und warf deutschen Behörden vor, den Fall zu vertuschen.

Hunderte Russlanddeutsche demonstrierten in Berlin. Rechte Gruppierungen waren mit dabei und nutzten den Fall für Hetze gegen Flüchtlinge.

Bewährungsstrafe im "Fall Lisa"
Ulf Morling, RBB
20.06.2017 19:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Juni 2017 um 13:23 und 14:09 Uhr.

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