Blick auf das Stadion in Katar | dpa

Bundesinnenministerin Faeser kritisiert Fußball-WM in Katar

Stand: 27.10.2022 10:06 Uhr

Kurz vor Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar hat Innenministerin Faeser die Vergabe an das Emirat kritisiert. Faeser will sich in der kommenden Woche vor Ort über die Lage der Menschenrechte informieren.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser hat sich deutlich von der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar distanziert. Wenige Wochen vor Beginn der WM in Katar sagte die SPD-Politikerin mit Blick auf das Gastgeberland dem ARD-Magazin Monitor: "Für uns als Bundesregierung ist das eine total schwierige Vergabe."

Die Bundesregierung sei überzeugt, dass die Vergabe von sportlichen Großereignissen an Kriterien geknüpft gehöre, "nämlich an die Einhaltung der Menschenrechte, an Nachhaltigkeitsprinzipien". Von Monitor konkret angesprochen auf die Entscheidung, Katar die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichten zu lassen, sagte Faeser: "Es gibt Kriterien, an die sich gehalten werden muss und dann wäre es besser, dass das nicht in solche Staaten vergeben wird."

Seit der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft an das Emirat sind der Weltfußballverband FIFA und das Gastgeberland heftiger Kritik ausgesetzt: Tausende tote Arbeiter an den Baustellen der WM-Spielstätten, weiterhin fehlende Rechte für Homosexuelle und Frauen und die systematische Ausbeutung von Migranten stehen im Zentrum der Kritik.

Vor Ort über die Lage der Menschenrechte informieren

Das Interview fand im Vorfeld einer Reise statt, die die Bundesinnenministerin gemeinsam mit dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, Bernd Neuendorf, in der kommenden Woche nach Katar führt. Vom 31.10. bis 01.11. will sich Faeser vor der Fußball-Weltmeisterschaft vor Ort über die Lage der Menschenrechte informieren. Sie wolle die Meinung der Zivilgesellschaft hören, ob Fortschritte erzielt worden seien.

Von dieser Reise will Faser auch abhängig machen, ob sie sich WM-Spiele anschaut: "Ehrlich gesagt hat man natürlich mehr Lust auf Fußball-Weltmeisterschaft, wenn sie im Sommer stattfindet und zu Abendzeiten." Als Bundesinnenministerin ist Faeser in der Bundesregierung auch für die Sportförderung des Bundes zuständig.

DFB-Präsident Neuendorf hatte sich zuletzt gegen einen Boykott der bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft in Katar ausgesprochen. Stattdessen warb er für einen offenen Diskurs. "Wenn die WM beginnt, steht das Sportliche im Mittelpunkt. Aber wir müssen klar sein in der Positionierung, wenn es um gesellschaftliche und politische Verhältnisse in Katar geht", sagte Neuendorf am Mittwoch dem SWR. Der 61-Jährige freut sich auf das sportliche Großereignis, sieht aber gleichzeitig auch eine Verantwortung für den DFB und die deutsche Nationalmannschaft.

Den Fußball verändert

Unter anderem spricht sich Neuendorf für Entschädigungsleistungen für die Familien von auf den WM-Baustellen verstorbener Arbeiter aus. "Ich habe dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino meine Erwartungen deutlich formuliert. Die FIFA hat eine Verantwortung und der muss sie gerecht werden", sagt er. Die Vergabe der WM an Katar habe den Fußball verändert. "Ich glaube, dass es künftig nur noch sehr schwer möglich sein wird, eine WM zu vergeben, ohne im Vorfeld darüber zu diskutieren, was das bedeutet", erklärte Neuendorf. Bei zukünftigen Turniervergaben müsse man kritischer und aufmerksamer in Hinblick auf Menschenrechte und Nachhaltigkeit vorgehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Oktober 2022 um 07:54 Uhr.