Facebook Symbolbild  | Bildquelle: REUTERS

Soziale Medien Facebook markiert Fake News

Stand: 15.01.2017 12:00 Uhr

Einen Monat nach einem ersten Test in den USA startet Facebook seine Maßnahmen gegen Fake News auch in Deutschland. Die Nutzer des sozialen Netzwerks sollen unter anderem deutliche Warnhinweise angezeigt bekommen, wenn sie auf Falschmeldungen stoßen.

Von Dennis Horn, WDR

Fake News, Hasskommentare und zuletzt auch Berichte über schlechte Arbeitsbedingungen beim Löschteam in Berlin, das von der Bertelsmann-Tochter Arvato beschäftigt wird - der öffentliche Druck auf Facebook ist hoch. Die Bundesregierung prüft sogar rechtliche Schritte und droht mit saftigen Bußgeldern, sollte das soziale Netzwerk nicht wirksam etwas gegen Hasskommentare und verleumderische Falschmeldungen tun.

Meldefunktion, Faktenprüfung, Warnhinweise

Facebook selbst geht nun verstärkt gegen Fake News vor: Nach ersten Versuchen in den USA will die Plattform konkrete Maßnahmen in Deutschland starten, um "die Herausforderung von Fake News auf Facebook anzugehen". Einen weiteren Test soll es dabei nicht geben: Die Neuerungen sollen in den kommenden Wochen für alle deutschen Nutzer freigeschaltet werden.

Eine der Maßnahmen ist eine verbesserte Meldefunktion. Dort, wo man sonst Spam, Beleidigungen oder andere Verstöße melden kann, wird es nun auch möglich sein, Facebook explizit Fake News zur Prüfung vorzulegen. Vielen Nutzern stand diese Funktion in den vergangenen Monaten auch schon zur Verfügung.

Screenshots von einem Smartphone
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So sollen die neuen Funktionen bei Facebook aussehen.

Correctiv als erster Factchecking-Partner in Deutschland

Melden besonders viele Nutzer einen einzelnen Beitrag, soll dieser an externe Faktenprüfer weitergeleitet werden. Dazu wird Facebook in Deutschland zunächst mit dem Recherchebüro Correctiv zusammenarbeiten. Man sei aber "zuversichtlich, dass noch weitere Partner aus der Verlagsbranche folgen werden".

Kommen die Faktenprüfer von Correctiv zum Ergebnis, dass es sich bei einem Facebook-Beitrag tatsächlich um eine Falschmeldung handelt, werde dieser Beitrag nicht nur seltener im Newsfeed ausgespielt. Facebook will zusätzlich direkt daneben einen deutlichen Warnhinweis anzeigen, zusammen mit einer Begründung für diese Entscheidung. Nutzer, die als falsch eingestufte Beiträge trotzdem teilen möchten, müssen noch einmal explizit bestätigen, dass sie sich sicher sind.

Was genau sind Fake News?

Die ersten Tests dieser Maßnahmen in den USA sind laut Facebook positiv verlaufen. Trotzdem gibt es noch offene Fragen: Wie wird das Netzwerk damit umgehen, wenn dieselben Fake News leicht verändert an anderer Stelle im Netz wieder auftauchen? Könnten "seriöse Beiträge" darunter leiden, dass Nutzer sie melden, nur weil sie nicht in ihr Weltbild passen? Wie viele Beiträge sind überhaupt klar als Fake News zu werten - oder fällt nicht wesentlich mehr ins große Feld der Halbwahrheiten, Tatsachenverdrehungen und falschen Kontexten?

"Wir arbeiten weiterhin an diesem Problem und werden diese Neuerungen in Kürze auch in anderen Ländern einführen", heißt es von Facebook selbst. Damit könnten zum Beispiel Frankreich oder die Niederlande gemeint sein. Wie auch in Deutschland finden dort in diesem Jahr wichtige Wahlen statt - entsprechend hoch ist auch dort der gesellschaftliche und politische Druck auf Facebook.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 15. Januar 2017 um 13:03 Uhr

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