Löschzentrum von Facebook in Berlin | Bildquelle: dpa

Löschzentrum in Berlin Ein bisschen Transparenz bei Facebook

Stand: 10.07.2017 23:49 Uhr

Zum ersten Mal hat Facebook Journalisten Zugang zu seinem streng abgeschirmten Löschzentrum in Berlin gewährt. Die Einrichtung stand zuletzt wegen harter Arbeitsbedingungen in der Kritik. Bei dem Besuch blieben jedoch viele Fragen offen.

Von Dennis Horn, WDR

Ein unauffälliges Bürogebäude in einem Gewerbegebiet im Berliner Westen - rote Klinker, fünf Etagen hoch. Hier betreibt die Bertelsmann-Tochter Arvato im Auftrag von Facebook ihr Löschzentrum. Öffentlich wahrgenommen wurde es bisher als Festung: Das "Süddeutsche Zeitung Magazin" und das Onlineportal Mobilegeeks.de hatten von Stress und Überlastung bei Mitarbeitern berichtet, im Anschluss habe Arvato viel Aufwand betrieben, um die Öffentlichkeit draußen zu halten.

Gezielte Transparenz und typische Verschlossenheit

Nach Besuchen von Behörden und Bundespolitikern hat Facebook nun erstmals auch Journalisten den Zutritt ermöglicht. Der fast drei Stunden lange Termin bestand aus einer langen Präsentation von Facebook und Arvato sowie einem Gespräch mit drei Mitarbeitern, aus dem zwar zitiert werden darf, welches aber nicht aufgenommen werden durfte. 15 Minuten lang konnte die ARD anschließend die Arbeitsplätze im Löschzentrum filmen, ohne Gesichter der Mitarbeiter zu zeigen - zu deren Schutz.

Die Löschzentrale von facebook
tagesthemen 22:40 Uhr, 10.07.2017, Justus Kliss, RBB

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Die Transparenz, die das Unternehmen dabei hergestellt hat, war eine gezielte: Bei Fragen nach konkreten Zahlen, zum Beispiel zur Fehlerquote bei Löschentscheidungen oder zur Zahl der Mitarbeiter, die sich konkret um deutschsprachige Inhalte kümmern, gab es sich weiter verschlossen. Zu den Arbeitsbedingungen im Löschzentrum dagegen nahmen die Vertreter von Facebook und Arvato ausführlich Stellung.

Allen Mitarbeitern stünden im Löschzentrum selbst und auf Wunsch auch außerhalb Psychologen zur Verfügung. Wer sich an härtere Inhalte wie Gewaltdarstellungen, Mord oder Suizid wagen möchte, werde langsam herangeführt und schaue erst einmal Kollegen über die Schulter. Wer mit diesen Inhalten dagegen nicht mehr in Berührung kommen wolle, werde in anderen Bereichen wie der Überprüfung von Fakeprofilen eingesetzt.

Mitarbeiter sprechen über ihre Arbeit im Löschzentrum

Von den Medienberichten über schlechte Arbeitsbedingungen und psychische Probleme sei man überrascht gewesen, weil man den Vorwurf nicht verstanden habe, hieß es von Arvato. Das Unternehmen hat den Mitarbeitern nach eigenen Angaben von Beginn an psychologische Unterstützung bereitgestellt - diese sei aber möglicherweise nicht immer gut genug genutzt worden. Man befinde sich dabei in einem Lernprozess.

Die von Facebook ausgewählten Mitarbeiter zeigten im persönlichen Gespräch ebenfalls ihr Unverständnis: "Da wollte vielleicht jemand beim Weggehen böse sein", sagte eine Mitarbeiterin. "Alle, die ich hier kenne, sind stolz, diesen Job zu machen." Ein Mitarbeiter, der heute als Teamleiter im Löschzentrum tätig ist, sagte: "Ich kann schwer beurteilen, wer hier Hilfe braucht und wer nicht." Man sei auch darauf angewiesen, dass sich Mitarbeiter bei Problemen von sich aus melden.

Löschzentrum von Facebook in Berlin | Bildquelle: dpa
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Die Mitarbeiter des Löschzentrums sollen anonym bleiben.

Dabei berichteten die Mitarbeiter im Gespräch mit den Journalisten auch von schwierigeren Momenten: "Tierquälerei, Mord, Totschlag - ich war erstaunt, wie viel das ist", sagte einer der Mitarbeiter. Seine Kollegin berichtet: "Ich habe mein erstes Enthauptungsvideo gesehen. Da bin ich erst einmal rausgegangen und habe geheult. Das war aber nur ein einziges Mal so, und jetzt habe ich mich daran gewöhnt." Doch auch das merkte eine Mitarbeiterin an: "Ich halte es für richtig und wichtig, was wir machen. Was wir hier sehen, muss jemand anderes nicht mehr sehen."

Viele Fragen bleiben weiter offen

Was Facebook und Arvato im Löschzentrum nicht gezeigt haben: wie die von Nutzern gemeldeten Inhalte konkret kontrolliert werden. Die Mitarbeiter mussten ihre Arbeit während des Pressebesuchs ruhen lassen, um die Privatsphäre der betroffenen Facebook-Nutzer zu gewährleisten. Einen Blick auf die eingesetzte Software gab es nicht.

Auch das laut Medienberichten hochkomplexe und unübersichtliche Regelwerk für die Löschentscheidungen kam nicht zur Sprache. Es war eben eine nur sehr gezielte Transparenz, die Facebook mit seinem Termin im Löschzentrum hergestellt hat: Ein authentischer Einblick und ein erster Schritt in Richtung mehr Offenheit - ja, allzu konkrete Angaben und die große Offensive dagegen nach wie vor nicht.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 10. Juli 2017 um 22:40 Uhr.

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