Ein rettungshubschrauber steigt zwischen weiteren Einsatzfahrzeugen von Polizei und Feuerwehr auf, die nach einer Explosion im Chempark in Leverkusen vor Ort sind. | dpa

Leverkusen Zwei Tote durch Explosion in Chemiepark

Stand: 27.07.2021 20:47 Uhr

Nach der schweren Explosion im Chempark in Leverkusen ist ein zweites Todesopfer gefunden worden. 31 Menschen wurden verletzt. Die Suche nach den fünf Vermissten wird heute fortgesetzt - ebenso die Ermittlungen nach der Ursache.

Nach der schweren Explosion im Chempark Leverkusen werden noch immer fünf Menschen vermisst. Zwei Menschen kamen bei der Detonation ums Leben. Die Ursache ist weiterhin unklar.

Nach Angaben der Kölner Polizei wurden mindestens 31 Menschen verletzt. Fünf von ihnen müssten auf der Intensivstation behandelt werden. Zuvor hatten die Stadtbehörden von 16 verletzten Personen gesprochen, von denen eine in Lebensgefahr schwebe.

In einer Mitteilung des Betreibers des Chemparks, Currenta, heißt es, die Suche nach den fünf vermissten Personen laufe unter Hochdruck. "Leider schwindet die Hoffnung, sie lebend zu finden, zusehends", sagte der Chempark-Leiter Lars Friedrich. Zuvor hatten die Betreiber von vier Vermissten gesprochen.

Tanklager in Brand geraten

Die Explosion ereignete sich nach Angaben des Unternehmens gegen 09:40 Uhr im Tanklager des Entsorgungszentrums im Stadtteil Bürrig. Im Anschluss kam es zu einem Brand in dem Tanklager, der erst nach Stunden gelöscht werden konnte.

Von dem Feuer waren nach Angaben von Chempark-Leiter Friedrich drei Tanks mit einer Füllmenge von je bis zu 300 Kubikmeter betroffen, in denen sich Lösungsmittel befanden. Wie viel davon verbrannt sei, werde noch ermittelt. Das Löschwasser sei aufgefangen worden. Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul zufolge bestand zwischenzeitlich auch bei einem zweiten Tank mit hochentzündlichen, giftigen Abfallstoffen Explosionsgefahr. Das habe die Feuerwehr aber verhindern können.

Die Ursache für die Explosion ist bisher unklar. Der Polizei zufolge haben Brandspezialisten die Arbeit aufgenommen, um zu klären, wie es zu der Detonation kommen konnte.

Laschet spricht Angehörigen Mitgefühl aus

Am Nachmittag sprach der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet den betroffenen Familien und Mitarbeitern sein Mitgefühl aus. Er dankte zugleich den Rettungskräften, die durch ihren Einsatz "Schlimmeres verhindert" hätten.

Auch Friedrich sprach von "schweren Stunden", viele Menschen hätten Angst. Seine Gedanken seien bei den Angehörigen der Angestellten, die durch die Explosion ums Leben gekommen sind. Der Oberbürgermeister von Leverkusen, Uwe Richrath, sprach von einem "tragischen Tag für Leverkusen".

Warnungen an Anwohner, Spielplätze geschlossen

Nach der Explosion hatten die Stadt und Behörden Vorsichtsmaßnahmen für die Bevölkerung ergriffen. Anwohner wurden aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Im Laufe des Tages wurden die Warnungen nahezu komplett aufgehoben, in den umliegenden Stadtteilen des Chemparks galten sie jedoch bis zum späten Nachmittag.

Die Stadt Leverkusen schloss zudem vorübergehend Spielplätze in den Stadtteilen Bürrig und Opladen. Des Weiteren rieten die Stadtbehörden dazu, aus dem Garten geerntete Lebensmittel abzuwaschen. Für Anwohner, die Rückstände und Ruß-Niederschlag auf den Grundstücken und Straßen finden, wurde eine Telefon-Hotline eingerichtet.

Messwerte "im grünen Bereich"

Erste Luftmessungen der Umweltschutzeinheiten im Kölner Norden hatten am Mittag ergeben, dass derzeit keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe. Alle Werte lägen "im grünen Bereich". Doch nach wie vor sei nicht auszuschließen, dass in eventuellem Niederschlag Schadstoffe enthalten sein könnten, teilte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz mit.

Autobahnen inzwischen wieder frei

Nach Angaben des WDR hatte die Explosion das ganze Stadtgebiet erschüttert und war auch im weiter entfernten Bergisch Gladbach zu hören. Auch in Dortmund - rund 60 Kilometer Luftlinie von Leverkusen entfernt - warnte die Feuerwehr vor einer möglichen Geruchsbelästigung in einigen Stadtteilen und möglichen "gesundheitlichen Beeinträchtigungen".

Die Polizei sperrte zwischenzeitlich mehrere Autobahnen in der Nähe des Chemieparks. Inzwischen sind die Autobahnen wieder freigegeben.

Currenta ist Betreiber des Chemparks mit drei Standorten in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen - eines der größten Chemie-Areale in Europa. Mehr als 70 Unternehmen sind dort angesiedelt, darunter auch die Dax-Konzerne Covestro und Bayer oder auch Lanxess und Air Liquide. 2019 hatten Bayer und Lanxess ihre Anteile an Currenta mit rund 3300 Mitarbeitern an eine Infrastruktur-Investmentgesellschaft der australischen Bank Macquarie verkauft.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Juli 2021 um 22:15 Uhr.