Kalb im Stall | dpa

Stellungnahme des Ethikrats Mehr Tierwohl, höhere Fleischpreise

Stand: 16.06.2020 14:13 Uhr

Eingepferchte Schweine, getötete Küken, damit es am Ende Fleisch, Eier und Milchprodukte zum Schnäppchenpreis gibt: Der deutsche Ethikrat hat das Wohl von Nutztieren unter die Lupe genommen und gibt eindeutige Empfehlungen.

Der Deutsche Ethikrat verlangt ein grundsätzliches Umsteuern in der Nutztierhaltung. Das Tierwohl setze den Nutzungsinteressen des Menschen Grenzen, erklärte das Gremium bei der Vorstellung seiner Stellungnahme "Tierwohlachtung - Zum verantwortlichen Umgang mit Nutztieren". Diese Grenzen würden aber ständig überschritten, hieß es.

"Ich kenne kein einziges Rechtsgebiet, in dem so heuchlerisch vorgegangen wird wie im Tierschutzrecht", sagte der Sprecher der Arbeitsgruppe "Tierwohl" im Deutschen Ethikrat, Steffen Augsberg. Nach seinen Angaben ist es eher die Ausnahme, dass das, "was oben drinsteht, unten auch so ankommt".

Schluss mit Übergangsphasen

Als Beispiel für eine mangelhafte Umsetzung gesetzlicher Vorgaben nannte die Ethikratsvorsitzende Alena Buyx das sogenannte Kükenschreddern. In Deutschland ist das Kükentöten in der Legehennenzucht nur noch für eine Übergangszeit zulässig, wie das Bundesverwaltungsgericht 2019 entschieden hatte. Die Praxis darf aber vorerst weitergehen, bis den Brutbetrieben praxisreife Verfahren zur Geschlechtsbestimmung schon im Ei zur Verfügung stehen. Solche langen Übergangsphasen seien abzulehnen, sagte Buyx.

Auch die Kastenhaltung von Sauen, in der sich die Tiere nicht bewegen können, widerspreche nicht nur dem Tierschutz, sondern auch geltendem Recht, kritisierte das Gremium.

Plädoyer für "achtsamen und sparsamen" Umgang

Der Ethikrat stellte klar, dass er sich nicht gegen die Nutztierhaltung und auch nicht explizit gegen die Massentierhaltung ausspricht. Mit dem Leben der Tiere müsse aber "achtsam und sparsam" umgegangen werden. Deshalb würde die Achtung des Tierwohls automatisch dazu führen, dass insgesamt weniger Tiere für den deutschen Markt gehalten würden und Fleisch teurer werden müsse, erklärte das Gremium.

Strukturwandel statt Appelle

Für Veränderungen allein an die Konsumenten zu appellieren, reiche nicht, erklärte der Ethikrat. Die Politik müsse einen Strukturwandel hin zu einer ethisch vertretbaren Nutztierhaltung in Gang setzen und alle Betroffenen einbinden.

Es gehe nicht um eine Konfrontation zwischen Verbrauchern und Bauern, sondern um Regeln, die es Landwirten ermöglichten, unter für sie wirtschaftlichen Bedingungen das Tierwohl zu berücksichtigen. Dazu zähle auch, dass es für eine Umstellung von Betrieben Unterstützung geben müsse.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Juni 2020 um 14:00 Uhr.