Counterstrike-Turnier "ESL One" in Köln | Bildquelle: dpa

"Counterstrike"-Turnier in Köln Milliardengeschäft Bildschirmsport

Stand: 07.07.2018 10:17 Uhr

Leistungssport am Bildschirm: In Köln beginnt die "Counterstrike"-Meisterschaft ESL One. Tausende Fans fiebern mit. Videospiel-Wettbewerbe sind zum Milliardengeschäft geworden.

Von Philipp Wundersee, WDR

Finn Andersen lebt seinen Traum. Der 28-Jährige sitzt mit seinem Kopfhörer auf der riesigen Bühne in der Kölner Lanxess-Arena. Gerade jagt er fünf Terroristen durch eine digitale Landschaft. Seine Augen sind weit geöffnet, er fokussiert den überdimensionalen Monitor vor ihm.

Gemeinsam mit vier weiteren Kollegen spielt er professionell "Counterstrike" im Team "FaZe Clan". Sie trainierten sieben Stunden am Tag, sagt er. Am Samstag hätten sie manchmal frei. "Aber beim 'Counterstrike' denkst du eigentlich jeden Tag an das Spiel: Welche Taktik sollte ich wie verbessern?"

Stundenlang studieren sie Spielzüge ein und versuchen, das Zielen an der Maus zu verbessern. "Die Imageprobleme der sogenannten Ballerspiele gehören zum Glück der Vergangenheit an", sagt Andersen. Im Spiel heißen sie Karrigan, Olofmeister oder Guardian - für die 15.000 Gäste in der Kölner Lanxess-Arena sind es Stars und Idole. Es geht um viel für Finn Andersen und seine Mannschaft: Bei dem Wettkampf winken dem Siegerteam 300.000 Dollar. 

Kein Nischenphänomen

E-Sport ist kein Nischenphänomen mehr, sondern ein erfolgreiches Geschäftsmodell, das Großunternehmen als Sponsoren und Partner anlockt. Immer mehr Firmen sehen die wachsende Branche als Möglichkeit, hier Marketing geschickt unterzubringen. Kein Wunder, wenn regelmäßig Arenen mit Zehntausenden Fans gefüllt werden, Millionen vor dem Livestream im Internet sitzen und sogar Fernsehsender dazu übergehen, E-Sport live zu zeigen.

Dennis Piotrowski ist aus Wermelskirchen nach Köln gekommen und hat sich in die lange Ticket-Schlange gestellt. Für ihn und seine Freunde sind die Spieler Vorbilder und solche Meisterschaften Höhepunkte im Jahr. "Mein großes Ziel ist es, selbst als Spieler die Bühne zu erreichen. Als ich gesehen habe, wie die großen Spieler damit ihr Geld verdienen und um die Welt reisen, wusste ich, ich will das und nichts anderes."

Sascha Schmidt von der Düsseldorfer Privatuniversität WHU
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E-Sport könne Sozialverhalten und Motorik verbessern, sagt der Düsseldorfer Wirtschaftswissenschaftler Schmidt.

Schlecht für Herz und Hirn?

In skandinavischen Ländern wird E-Sport mittlerweile an der Schule gelehrt, auch in Deutschland gibt es seit fast zehn Jahren Schulmeisterschaften. Gute Spieler bräuchten Disziplin, Reaktion und Teamfähigkeit, sagt Wirtschaftswissenschaftler Sascha Schmidt von der Düsseldorfer Privatuniversität WHU. Er forscht zur Zukunft von Sport. Der Wissenschaftler spricht davon, dass E-Sport Sozialverhalten und die motorischen Fähigkeiten von Spielern verbessern könne.

In Vergleichstests schnitten professionelle Spieler teilweise besser ab als Top-Piloten der US Air Force, sagt Schmidt. Denn E-Sportler benötigten - neben der Beherrschung des Spiels an sich - besondere motorische Fertigkeiten in den Bereichen Auge-Hand-Koordination, Reaktionsgeschwindigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Bei den Mannschaftsspielen müssen Strategien entwickelt, schnell kommuniziert und in Sekunden richtige Entscheidungen getroffen werden. Dies schweiße zusammen und helfe gerade jungen Leuten, ihre sozialen Kompetenzen zu verbessern, unterstreicht der Wissenschaftler. 

Team "Fnatic" beim Counterstrike-Turnier "ESL One" in Köln | Bildquelle: dpa
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Die Spieler - wie hier vom Team "Fnatic" - werden in Köln von 15.000 Fans beobachtet.

Explodierender Markt

Die Profispieler haben einen strukturierten Tagesablauf, Pläne für ihre Ernährung. Sie sollen sich körperlich fit halten. Auch wenn E-Sport in Deutschland bislang nicht als Sport anerkannt ist, nähere er sich in seiner Professionalität dem klassischen Sport sehr an, sagt Schmidt. E-Sport ist ein explodierender Markt.

Sogar Fußballvereine setzen auf das Geschäft mit dem Pixelsport. Sie gründen eigene E-Sport-Abteilungen und schließen Kooperationen. Viele Bundesligisten wie RB Leipzig, VfL Wolfsburg oder Schalke unterhalten eigene E-Sports-Abteilungen und versuchen mit ihren Spielern bei Wettkämpfen um Ruhm und Aufmerksamkeit zu kämpfen.

Denn der Markt ist riesig. Das niederländische Marktforschungsunternehmen Newzoo spricht von 900 Millionen Dollar, die der E-Sport in diesem Jahr weltweit umsetzen wird - dank Übertragungsrechten, Tickets und Werbung. Fast 200 Millionen Menschen haben sich 2017 weltweit Computerspielwettkämpfe angesehen. 

Kampf um den Titel

In Köln sind es 15.000 Fans, die fasziniert im Halbrund der Arena sitzen. Auf zwei riesigen Leinwänden wird der Bildschirm der Spieler übertragen. Gerade liegt das Team "Fnactic" zurück. Die Fans fiebern mit. "Fnatic" kann in dieser Runde eine Bombe entschärfen, es brandet lauter Jubel in der Halle los. Eine ganze Arena tobt - weil zehn junge Männer auf der Bühne ein Computerspiel spielen. Und das Phänomen Pixelsport steht gerade erst am Anfang. 

Über dieses Thema berichtete das Erste am 06. Juli 2018 um 17:15 Uhr in der Sendung Brisant.

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