Saskia Esken | dpa
Analyse

SPD-Chefin Esken Als Parteivorsitzende ist sie angekommen

Stand: 04.11.2021 18:57 Uhr

Spekulieren aufs Ministeramt oder SPD-Chefin bleiben? Saskia Esken hat sich für den Parteivorsitz entschieden und will wieder kandidieren. Sollte Scholz Kanzler werden, würde sie zur wichtigen Vermittlerin.

Von Evi Seibert, ARD-Hauptstadtstudio

Es gibt unangenehmere Entscheidungen als die Frage: Will ich lieber Parteichefin oder lieber Ministerin werden? Aber ganz einfach hat es sich Saskia Esken sicher auch nicht gemacht. Ein Amt als Ministerin wäre eine neue Herausforderung gewesen, ein hohes Prestige - aber eben auch ein Wagnis.

Evi Seibert ARD-Hauptstadtstudio

In dem Moment, in dem Esken verkündet hätte, dass sie nicht mehr für den SPD-Vorsitz antritt, hätte sie voll und ganz auf Olaf Scholz vertrauen müssen. Der hätte dann dafür Sorge tragen müssen, dass sie am Ende tatsächlich ein Ministeramt abbekommt.

Niemand kann aber mit Sicherheit sagen, ob Scholz das tatsächlich will. Dazu kommt: Nicht Olaf Scholz allein kann letzten Endes frei über Ministerposten entscheiden. Da werden die beiden künftigen Koalitionspartner mitreden wollen. Wie die Ministerposten genau zugeschnitten und verteilt werden, ist noch lange nicht ausgemacht.

Esken als Vermittlerin zwischen Scholz und der Partei

Als Parteichefin ist Esken dagegen mittlerweile angekommen. Sie weiß, wie das Willy-Brandt-Haus funktioniert, sie hat in Koalitionsrunden mit Kanzlerin Merkel für die Positionen der SPD gekämpft - und hat sich dabei auch Respekt erworben. Nicht alle lieben und schätzen sie. Aber die, die sie in der SPD schätzen, müssen auch eingebunden werden - nämlich Jusos und Parteilinke.

Es sind also genau die, die nicht unbedingt Fans von Olaf Scholz waren und ihn damals auch nicht als Parteichef haben wollten. Wenn Scholz nun also Bundeskanzler werden sollte, wäre es für ihn eigentlich hilfreich, wenn Esken vermittelnd zwischen Regierung und Partei stünde. Fraglich ist, ob sie selbst ihre Rolle so sieht - oder ob sie eher die SPD-Fahne hochhalten und kritisieren wird, wenn der SPD-Kanzler sich nicht SPD-konform verhält.

Klingbeil bald im Führungsduo?

Esken und Scholz haben gelernt, miteinander klarzukommen. Genauso wie Lars Klingbeil, der jetzige Generalsekretär, der vielleicht der neue Mann an ihrer Seite an der SPD-Spitze sein könnte. Gemeinsam haben Esken und Klingbeil viele Stunden in der SPD-Parteizentrale im Willy-Brandt-Haus verbracht. Gemeinsam haben sie die Partei befriedet und den Wahlkampf gewonnen. Klingbeil weiter vorn - und Esken absichtlich im Hintergrund.

Das bisherige Führungsduo aus Esken und Norbert Walter Borjans wurde von vielen von Vornherein als Übergangsduo gesehen. Ein Teil dieses Duos geht jetzt tatsächlich. Esken will bleiben.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. November 2021 um 16:00 Uhr.