Franziska Giffey | Bildquelle: dpa

Geld des Familienministeriums Giffey will Erzieherinnen früh fördern

Stand: 18.12.2018 17:25 Uhr

Viele angehende Erzieherinnen und Erzieher brechen ihre Ausbildung ab. Wohl auch, weil sie in der Ausbildung kein Gehalt bekommen. Genau da setzt Familienministerin Giffey an.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Hauptstadtstudio

Die Realität der meisten angehenden Erzieherinnen und Erzieher in Deutschland sieht aus wie die von Nicole Lorenz. Sie kann sich nicht ganz auf die Ausbildung konzentrieren, weil sie keine Ausbildungsvergütung erhält. Dies betrifft mehr als 80 Prozent der Fachschülerinnen und Fachschüler in diesem Bereich. "Ich muss nebenbei in der Woche 20 Stunden arbeiten, damit ich die Ausbildung weitermachen kann. Das heißt, ich habe eine Wochenarbeitszeit von 50 bis 60 Stunden."

Nicole Lorenz ist eine von rund zwei Dutzend angehenden Erzieherinnen und Erziehern, die mit Familienministerin Franziska Giffey heute in der Ruth-Cohn-Schule in Berlin über deren Pläne für mehr und besseres Personal in deutschen Kitas diskutiert haben.

Schulleiterin Andreja Orsag beklagt sich über die Notwendigkeit für viele, nebenbei arbeiten zu müssen. Dies sei für die Auszubildenden eine Belastung, sagte sie der Ministerin. "Deswegen ist die Abbrecherquote auch groß. Es gibt viele, die dann im zweiten oder dritten Jahr die Ausbildung abbrechen müssen, weil sie am Rande der Erschöpfung sind."

Familienministerin Giffey stellt Förderprogramm für Erzieher vor
tagesthemen 22:15 Uhr, 18.12.2018, Iris Marx, ARD Berlin

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Mehr bezahlte Ausbildungsplätze

Unter anderem an diesem Punkt will Giffey mit ihrem neuen Programm "Fachkräfteoffensive für Erzieherinnen und Erzieher" ansetzen. Sie führt aus: "Ich habe so viele Leute, die mir geschrieben haben, 'Ich würde gerne Erzieher werden, ich kann mir das nicht leisten'. Das ist das Problem, das wir haben. Dass wir in einem Mangelberuf Menschen haben, die es gerne machen würden aber sagen, sie können es sich nicht leisten. Und daran muss sich doch etwas ändern."

Giffeys Programm sieht unter anderem vor, dass ab 2019 vom Bund 5000 Auszubildende gefördert werden. Im ersten Ausbildungsjahr erhalten sie künftig 1140 Euro, im letzten 1303 Euro. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr müssen die Träger der Kitas einen Eigenanteil zahlen, von zunächst 30 Prozent, später von 70 Prozent. Als Ergebnis ihres Programms, verspricht Giffey, werde - statt derzeit knapp jeder fünfte - künftig jeder dritte Ausbildungsplatz für Erzieherinnen und Erzieher vergütet sein.

Weitere Punkte im Programm: Kindertagesstätten sollen finanzielle Unterstützung bekommen, wenn sie ihre Beschäftigten weiterbilden, um neue Erzieher anzuleiten. Außerdem soll Qualität belohnt werden: Höher qualifizierte Erzieher sollen mehr Geld bekommen.

Eine Erzieherin liest mit Zwillingen ein Buch in einer Kindertagesstätte | Bildquelle: dpa
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Erzieherinnen werden dringend gesucht - das Förderprogramm soll den Engpass schmälern.

Kritik von der Gewerkschaft

Grundsätzlich gehe Giffeys Initiative die richtige Richtung, sagen die Gewerkschaften. Björn Köhler von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft betont aber auch: "Die 'Fachkräfteoffensive' kommt unserer Meinung nach viel zu spät. Es war schon vor mehr als zehn Jahren absehbar, dass es einen Fachkräftemangel geben wird. 300 Millionen Euro sind ein guter Anfang. Es ist eine Motivation für die Länder, die dann sicherlich auch noch einmal Geld in das Ausbildungssystem stecken müssen."

Die Familienministerin wehrt sich gegen diese Kritik. Auch in der Pressekonferenz bei der Vorstellung ihrer "Fachkräfteoffensive" reagierte Giffey gereizt auf den Hinweis, in ihr neues Programm fließe mit 300 Millionen Euro nur ein Bruchteil des Geldes, das sie für das "Gute-Kita-Gesetz" ausgibt. Sie betonte:

"Mich regt das auf: Jeder sagt hier, wir haben kein Erkenntnisdefizit, wir haben ein Handlungsdefizit. Und wenn dann einer mal was macht und sagt, wir haben hier eine wirklich gute Sache, kommen die ersten und sagen 'Flickenteppicherei'. Es sei so wenig und seien sie mal schüchtern. Ganz ehrlich? Ich bin nicht schüchtern. Ich fange an. Das, was wir hier machen, ist ein Startpunkt."

Nicht von heute auf morgen zu machen

Das könne in der Tat nur ein Anfang sein, sagt auch die Schulleiterin. Andreja Orsag wünscht sich, dass neben dem Bund nun auch Länder und Kommunen aktiv werden. Denn Verbesserungen in den Kitas seien nicht von heute auf morgen zu machen: "Das ist eine langwierige Aufgabe und die Vorstellung, dass es schnell und kostenneutral gelingen kann, ist völlig falsch. Es wird sehr viel Geld kosten, wenn dabei etwas Vernünftiges herauskommen soll."

Giffey: Fachkräfteoffensive nicht riesig, aber wenigstens ein Anfang
J. Seisselberg, ARD Berlin
18.12.2018 13:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 18. Dezember 2018 NDR Info um 16:08 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

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