Tausende Menschen nehmen an der Demonstration der Gewerkschaften zum Tag der Arbeit in Berlin teil. | dpa
FAQ

Maifeiertag Was den 1. Mai so besonders macht

Stand: 01.05.2022 01:14 Uhr

Nach zwei Jahren Pandemie bedeutet der 1. Mai dieses Jahr wieder etwas mehr Normalität. Doch was macht den Tag eigentlich zum "Tag der Arbeit"? Und wer feiert in der Walpurgisnacht?

Warum ist der 1. Mai der "Tag der Arbeit"?

Vor allem für Gewerkschaften ist der 1. Mai ein besonderes Datum - mit langer Tradition und Ursprung in den USA. 1886 hatte die Arbeiterbewegung für den 1. Mai dort zum Generalstreik aufgerufen. Es folgten mehrtägige Massendemonstrationen, die teils gewaltsam endeten. Zahlreiche Polizisten starben, mehrere Anführer des Protestes wurden wegen Beteiligung an einem Anschlag zum Tode verurteilt. In Erinnerung an den Aufstand wurde der 1. Mai erstmals 1890 international als "Protest- und Gedenktag" von Gewerkschaften und Arbeiterparteien begangen.

Der Grund für die Terminwahl war aber banal: Der 1. Mai galt in den USA traditionell als Stichtag für den Abschluss oder die Aufhebung von Verträgen. Der Achtstundentag, damals eine zentrale Forderung der Arbeiterbewegung, sollte in die neuen Verträge aufgenommen werden.

Seit wann ist er ein Feiertag in Deutschland?

1889 fasste die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (die spätere SPD) den Beschluss, den Tag auch im Deutschen Reich als Protesttag der Arbeiterbewegung zu begehen. Am 1. Mai 1890 legten etwa 100.000 Menschen in Deutschland aus Protest ihre Arbeit nieder. 1919 machte die Weimarer Nationalversammlung den 1. Mai dann zum gesetzlichen Feiertag - allerdings nur einmalig. Für einen dauerhaften Feiertag gab es keine Mehrheit.

Das änderten die Nationalsozialisten schon 1933: Um die Gewerkschaften zu entmachten und die Arbeiter für den neuen Staat zu gewinnen, machten sie den 1. Mai zum gesetzlichen Feiertag - der allerdings nicht die internationale Solidarität feierte, sondern zum "Tag der nationalen Arbeit" umgedeutet wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestätigte der Alliierte Kontrollrat 1946 den Tag als Feiertag: Sehr schnell dominierten in Ost- und Westdeutschland unterschiedliche Inhalte. Während der Tag im Osten staatlich organisiert und mit Paraden inszeniert wurde, nutzen im Westen vor allem die Gewerkschaften den 1. Mai für politische Kundgebungen.

Wegen der Corona-Pandemie fielen 2020 die Kundgebungen und Demonstrationen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) erstmals aus. Auch im vergangenen Jahr fanden viele Veranstaltungen nur online statt. Unter dem Motto "GeMAInsam Zukunft gestalten" gibt es nun wieder Aktionen vor Ort. In Berlin, Leipzig, Kassel, Frankfurt am Main und weiteren Städten sind Kundgebungen geplant.

Warum kommt es immer zu Ausschreitungen?

Seit 1987 gibt es in Berlin rund um das Datum teilweise gewaltsame Proteste und Demonstrationen der linksradikalen Szene, die sich gegen Kapitalismus, Rassismus und soziale Ausgrenzung richten, zuletzt vor allem gegen Gentrifizierung und für bezahlbaren Wohnraum.

Die besondere Aufmerksamkeit der Polizei gilt in diesem Jahr einer Demonstration am Abend im Stadtteil Neukölln. Erwartet wird, dass es dabei wie in den vergangenen Jahrzehnten zu Gewaltausbrüchen kommen kann. Auch in anderen Städten wie Hamburg kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Krawallen.

Tausende demonstrieren am Tag der Arbeit in Berlin. | dpa

Immer wieder kam es am Rande und nach Demonstrationen in Berlin zu Ausschreitungen. Bild: dpa

Was ist, wenn der Tag auf einen Sonntag fällt?

Dass der 1.Mai dieses Jahr ein Sonntag ist, ist für Arbeitnehmer eine schlechte Nachricht - sie haben einen Feiertag weniger. In vielen Ländern - darunter Belgien, Spanien und Großbritannien - werden Feiertage, die an einem Wochenende liegen, am darauffolgenden Werktag nachgeholt. In Deutschland ist das nicht der Fall.

Politiker von Linken und Grünen wollen das ändern. Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion im Bundestag, Jan Korte, sagte der "Rheinischen Post": Jeder verlorene Feiertag bedeute mehr Stress und weniger dringend benötigte Erholung. Die Linke werde parlamentarisch tätig werden, "damit künftig keine Feiertage mehr ausfallen". Auch Beate Müller-Gemmeke, Arbeitsmarktexpertin der Grünen, ist dafür, Feiertage, die auf einen Sonntag fallen, nachzuholen.

Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) würde dadurch allerdings die internationale Wettbewerbsfähigkeit leiden. Deutschland habe bereits die kürzeste Jahresarbeitszeit in der EU und zusammen mit Dänemark die meisten freien Tage.

Warum wird die Nacht vorher als Walpurgisnacht bezeichnet?

Benannt ist die Nacht nach einer in der katholischen Kirche als heilig verehrten Nonne namens Walburga, die im achten Jahrhundert lebte. Mit der "Hexen"-Tradition hat diese jedoch nichts zu tun. Seine Wurzel hat dieses Brauchtum in vorchristlichen Frühjahrsbräuchen, bei denen die Ankunft des Frühlings mit nächtlichen Freudenfeuern gefeiert wurde.

Populär wurde die Walpurgisnacht durch Goethes "Faust". Darin überredet Mephisto Faust, an einer Hexenfeier auf dem Brocken im Harz teilzunehmen. "Dort strömt die Menge zu dem Bösen; da muss sich manches Rätsel lösen", hofft der verzweifelte Forscher. Die erste organisierte Walpurgisfeier auf dem Brocken ist aus dem Jahr 1896 überliefert. Aber auch in Sachsen und anderen Regionen ist das Brauchtum lebendig. Hunderte Hexenfeuer lodern traditionell etwa in der sorbischen Oberlausitz.

Was hat es mit Maibäumen auf sich?

Im Rheinland und anderen Regionen Deutschlands stellen junge Männer - in Schaltjahren auch junge Frauen - am Haus ihrer Angebeteten bunt verzierte Birkenstämme auf. Damit verbunden werden mancherorts auch Streiche.

In vielen Regionen Deutschlands werden außerdem riesige Maibäume auf Markt- und Dorfplätzen errichtet. Die Bäume gelten als Symbole des Frühlings, des neu erwachten Lebens und der Fruchtbarkeit.

Viele Hände sind nötig, um in Aying bei München einen Maibaum aufzustellen. Dieser dekorierte Baumstamm wird traditionell am 1. Mai mit Hilfe von Stangen errichtet. | LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX

In Bayern gehört das Baumaufstellen zur Mai-Tradition. Bild: LUKAS BARTH-TUTTAS/EPA-EFE/REX