Teleskop eRosita | Bildquelle: Peter Friedrich/MPE/dpa

Weltraumteleskop "eRosita" Inventur im Weltall

Stand: 13.07.2019 15:10 Uhr

Das Weltraumteleskop eRosita ist ins All gestartet. Es soll Galaxien und die "Dunkle Energie" erforschen. Die Mission gilt als wichtigstes deutsch-russisches Raumfahrtprojekt.

Von Lea Struckmeier für tagesschau.de

Das in Deutschland entwickelte Röntgenteleskop "eRosita" ist ins All gestartet. Mehrfach wurde der Starttermin verschoben, nun hob die Trägerrakete vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur ab. Das Ziel der Mission: der Lagrange-Punkt L2, 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Drei Monate wird die Reise dauern, bis sie dort gemeinsam mit der Erde die Sonne umkreisen wird.

"eRosita" soll im Weltall Galaxien erforschen, Schwarze Löcher untersuchen und die "Dunkle Energie" nachweisen. Es ist das bisher größte deutsch-russische Raumfahrtprojekt und wurde unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching entwickelt.

Deutsches Röntgen-Teleskop eRosita ins All gestartet
tagesthemen 23:35 Uhr, 13.07.2019

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Auf der Suche nach "Dunkler Energie"

Seit dem Urknall dehnt sich das Universum aus - zuletzt offenbar immer schneller als gedacht. "Hinter dieser Ausdehnung muss etwas stecken und das nennen wir Dunkle Energie", erklärt Projektleiter Peter Predehl. Die "Dunkle Energie" ist ein physikalisches Phänomen das weitgehend unerforscht ist. "eRosita" soll dafür sorgen, dass darüber bald etwas mehr bekannt ist.

Geklärt werden soll, ob die "Dunkle Energie" mit der Zeit möglicherweise stärker wird. Noch bis in die 1990er-Jahre hatten Wissenschaftler vermutet, dass die Expansion des Weltalls irgendwann zum Stillstand kommt. Das Gegenteil konnte inzwischen bewiesen werden, und "eRosita" soll nun klären, ob die "Dunkle Energie" der "Kraftstoff" des Universums ist.

Simulation der durch "eRosita" sichtbaren Bereiche
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"eRositas" Himmelskarte könnte am Ende so aussehen.

100 Millionen Grad heiße Gase

Dafür soll das Teleskop Galaxiehaufen untersuchen. In diesen Galaxiehaufen befindet sich ein Gas, das so heiß ist, dass es Röntgenstrahlung aussendet. Diese Röntgenstrahlung wird für "eRosita" sichtbar. Etwa 100.000 Galaxiehaufen soll das Teleskop identifizieren und kartieren. Ihre Verteilung im All soll zeigen, wie sich das Universum seit dem Urknall ausgedehnt hat. So erhoffen sich die Wissenschaftler Rückschlüsse auf die Stärke der "Dunklen Energie", die trotz des Röntgenteleskops unsichtbar bleiben wird. Auch weitere Objekte wie Schwarze Löcher, Neutronensterne und Supernova-Überreste sollen erforscht werden.

Dafür durchsucht "eRosita" alle sechs Monate den gesamten Himmel und soll in vier Jahren eine erste Karte des Universums im Röntgenbereich erstellt haben.

Sieben Jahre soll die Mission dauern, danach könne die Vergangenheit und Zukunft des Universums besser verstanden werden, so das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Etwa 90 Millionen Euro wird das gesamte Projekt kosten, von denen das DLR und das MPE ungefähr jeweils die Hälfte tragen.

Das Kamerasystem des "eRosita" Weltraumteleskops
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Das Kamerasystem des "eRosita" Weltraumteleskops soll intergalaktisches Gas sichtbar machen.

Der Nutzen des Projekts ist ungewiss

"eRosita" ist etwa drei Meter lang und bringt mehr als 800 Kilogramm Gewicht auf die Waage. Das Teleskop besteht aus sieben Spiegelsystemen in denen speziell entwickelte Kameras eingebaut sind. Das Auflösungsvermögen sei bisher unerreicht, so das DLR.

"eRositas" Mission wird jedoch nicht die erste "Inventur des Weltalls" sein. Vorgängerin "Rosat" kreiste von 1990 bis 2011 durchs Weltall. "Rosat" war der erste Versuch, den gesamten Himmel auf Röntgenquellen wie Galaxiehaufen zu durchsuchen.

Das neue Teleskop wird, wie schon Vorgängerin "Rosat", keinen praktischen Nutzen erfüllen, sondern der physikalischen Grundlagenforschung dienen. "Ich kann noch nicht sagen, welchen Nutzen die Mission haben wird", erklärt Predehl. "Hätte man damals Einstein gefragt, was man sich von seiner Relativitätstheorie kaufen kann, er hätte auch keine Antwort gehabt." Der Nutzen des Projekts werde sich wohl erst in Jahrzehnten zeigen.

Das größte Risiko ist der Start

"Das größte Risiko der Mission ist der Start der Rakete", so Predehl. Dabei könne viel schiefgehen, wie zum Beispiel Fehlzündungen der Trägerrakete oder ein Kommunikationsverlust. Ursprünglich sollte das Weltraumteleskop bereits im Juni ins All starten. Doch kurz vor dem Start der Trägerrakete sei bemerkt worden, dass eine Batterie, die zur Zündung nötig ist, nicht vollständig geladen war.

Peter Predehl, "eRosita" Projektleister beim Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik, bei der Präsentation eine russischen Trägerrakete. | Bildquelle: SERGEI CHIRIKOV/EPA-EFE/REX
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Projektleiter Peter Predehl hofft auf einen erfolgreichen Start der Rakete.

Wenn "eRosita" es nun ins All geschafft hat, wird sie jedoch nicht allein sein, sondern zusammen mit einem russischen Teleskop die Sonne umkreisen. Bis 2026 wird das sieben Mal passieren - danach wird "eRosita" voraussichtlich beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre in Trümmerteile zerbrechen und durch die Hitze verglühen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 13. Juli 2019 um 15:00 Uhr.

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