Getreideähren stehen auf einem Feld.  | Bildquelle: dpa

Landwirtschaft Warum die Dürre das Brot nicht verteuert

Stand: 16.07.2018 17:34 Uhr

Bauern klagen über die anhaltende Dürre in weiten Teilen Deutschlands. Bei der Getreideernte gibt es deshalb massive Einbußen. Doch die Verbraucher bekommen das kaum zu spüren.

Von Frank Wörner, WDR

Aus der Ferne scheint alles normal zu sein: Goldene Ähren auf den Getreidefeldern, von Trockenheit ist nicht viel zu sehen. Bei näherem Blick fällt aber auf: Die Pflanzen sind viel kleiner als sonst. Und statt einer reichen Ausbeute von Weizen, Gerste und Roggen gibt es nur kleine verkümmerte Körner - eine Folge der Dürre.

Vor allem im Norden und Osten Deutschlands hat es wochenlang gar nicht oder nur wenig geregnet. Bei der Getreideernte zeigen sich jetzt die Auswirkungen: Der Ertrag dürfte in diesem Jahr um rund zehn Prozent unter dem von 2017 liegen, so die letzten Schätzungen. Der Deutsche Raiffeisen-Verband (DRV) etwa kalkuliert mit gut 41 Millionen Tonnen - das wäre der geringste Ertrag der vergangenen zehn Jahre.

Es könnte sogar noch schlimmer kommen, sagt DRV-Hauptgeschäftsführer Henning Ehlers: "Schwierig ist es für uns, das genauer zu beziffern, weil wir derzeit nicht erkennen können, wie viele Flächen tatsächlich geerntet werden." Denn teilweise lohne es sich für die Bauern schlichtweg nicht, mit dem Mähdrescher auf das Feld zu fahren, weil der Ertrag nicht einmal die Kosten dafür decke.

Mähdrescher bei der Getreideernte | Bildquelle: dpa
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Hier lohnt es sich: Mähdrescher bei der Weizenernte in Bayern.

Trockener Nord-Osten, Niederschlag im Süd-Westen

Schon 2017 war die Getreideernte in Deutschland mit 45,5 Millionen Tonnen geringer ausgefallen als im Schnitt der vergangenen Jahre. Bestätigt sich mit dem trockenen Sommer 2018 also möglicherweise ein längerfristiger Trend? Henning Ehlers glaubt das nicht: "Nein, das ist ein absoluter Ausreißer, weil es ja auch regional begrenzt ist."

Beim Wetter ist Deutschland in diesem Sommer zweigeteilt: in eine trockene Nord-Ost-Hälfte und einen verhältnismäßig niederschlagsreichen Südwesten. Denn während die Bauern im Norden und Osten über fehlenden Regen klagen, gab es im Süden und Westen teilweise sogar zu viel davon. Dort erwartet der Verband entsprechend eine eher durchschnittliche Ernte.

Verbraucher werden von den Ernteausfällen beim Getreide voraussichtlich nicht viel mitbekommen: Zum einen werden Ausfälle in Deutschland durch Importe aus anderen Ländern aufgefangen - etwa aus Frankreich, wo es in diesem Jahr laut Raiffeisen-Verband sehr gute Ernten gibt.

Brot-Preise bleiben stabil

Zum anderen wirken sich höhere Getreidepreise beim Bäcker kaum aus: "Der Wertanteil des Getreides bei Brötchen liegt bei wenigen Prozent", sagt DRV-Hauptgeschäftsführer Ehlers. Selbst wenn das Getreide teurer wird, dürfte sich das auf den Preis von Brot und Brötchen also kaum auswirken.

Anders sieht es bei Obst und Gemüse aus: Hier hat sich die Trockenheit teilweise schon auf die Preise durchgeschlagen. Am deutlichsten zeigt sich das beim Eisbergsalat: Der sei im Moment um gut 40 Prozent teurer als vor einem Jahr, sagt Michael Koch, Marktanalyst für Obst und Gemüse bei der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft in Bonn. Für Kopfsalat und Kohlrabi müssten Verbraucher etwa 20 Prozent mehr zahlen.

"Beim Gemüse würde ich im Moment sagen: Es ist überwiegend ein bisschen teurer als im Vorjahr, aber es gibt Ausnahmen", so Koch. Salatgurken, Zucchini und Brokkoli beispielsweise seien derzeit sogar etwas billiger. Und bei Spargel und Erdbeeren fiel die Ernte in diesem Jahr reich aus - mit entsprechend niedrigen Preisen.

Kirschen am Baum | Bildquelle: dpa
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Juli ist die Zeit für die Kirschen-Ernte. In diesem Jahr sind die Bäume prall gefüllt.

Gutes Jahr für Obst-Liebhaber

Auch für die weitere Obsternte stehen die Chancen deutlich besser als im vergangenen Jahr mit späten Frösten im Frühjahr, bei denen viele Blüten erfroren waren. "Obstbäume neigen dazu, schlechte Ertragsjahre durch besonders hohe Ertragsjahre auszugleichen", sagt Marktanalyst Koch. Gerade beim Obst dürfte 2018 also ein deutlich besseres Jahr werden.

Dazu kommt, dass viele Obstbauern in Deutschland ihre Bäume bewässern und da sei ein trockener Sommer immer besser als ein verregneter, meint Koch: "Ich kann einfacher Wasser dazugeben als irgendwo Wasser wegnehmen. Wenn wir jetzt Dauerregen hätten, wäre das die denkbar schlechtere Variante."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Juli 2018 um 06:50 Uhr.

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