Das Logo der Ludwig-Erhard-Stiftung | dpa

Ludwig-Erhard-Stiftung Roland Koch ist neuer Vorsitzender

Stand: 27.11.2020 21:11 Uhr

Ein sexistischer Text und mehrere gekündigte Mitgliedschaften - die Ludwig-Erhard-Stiftung kam lange nicht aus den Schlagzeilen. Jetzt soll mit Roland Koch als neuem Vorsitzenden wieder Ruhe einkehren.

Der frühere hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) ist zum neuen Vorsitzenden der Ludwig-Erhard-Stiftung (LES) gewählt worden. Das teile die Stiftung in Bonn mit. Koch tritt die Nachfolge des umstrittenen Journalisten Roland Tichy an. Koch betonte nach seiner Wahl, die LES müsse "wieder in ruhiges Fahrwasser kommen". Der neue Vorstand sei jünger und weiblicher als je zuvor. Anspruch der Stiftung bleibe es, eine beachtete Stimme der Befürworter der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland und darüber hinaus zu sein - auch und gerade in der Corona-Krise.

Roland Koch | dpa

Der CDU-Politiker Roland Koch war von 1999 bis 2010 Ministerpräsident von Hessen. Von 2011 bis 2014 stand er als Vorstandsvorsitzender an der Spitze des Baukonzerns Bilfinger. Seit 2017 ist er Professor an der Frankfurt School of Finance and Management. Bild: dpa

Eklat wegen sexistischem Artikel

Tichy hatte den Vorsitz Ende September nach einem Eklat abgegeben und sich nicht mehr für das Amt des Vorsitzenden aufstellen lassen. Er war zuvor wegen eines frauenfeindlichen Artikels in seiner rechtskonservativen Publikation "Tichys Einblick" in die Kritik geraten. Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) hatte den Stein ins Rollen gebracht, als sie ihre Mitgliedschaft in der Stiftung wegen des Artikels kündigte.

In der gedruckten Ausgabe von "Tichys Einblick" äußerte sich der Journalist Stefan Paetow sexistisch über die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli: "Was spricht für Sawsan? Befreundete Journalistinnen haben bislang nur den G-Punkt als Pluspunkt feststellen können in der Spezialdemokratischen Partei der alten Männer."

"Rücktritt Tichys war längst überfällig"

Chebli veröffentlichte daraufhin ein Foto des Artikels auf Twitter und nannte es ein erbärmliches Beispiel von Sexismus gegen Frauen in der Politik. Nach dem Rücktritt Tichys schrieb sie auf ebenfalls Twitter, dieser Schritt sei "längst überfällig" gewesen. "Aber er löst natürlich nicht das Riesenproblem, das wir mit Sexismus haben."

Neben Dorothee Bär hatten auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Vorsitzende der Mittelstandsunion Carsten Linnemann ihre Mitgliedschaft bei der Ludwig-Ehrhard-Stiftung ruhen lassen.

Korrektur: In einer ersten Version hieß es, Roland Tichy selbst habe sich in "Tichys Einblick" sexistisch über die Berliner SPD-Politikerin Sawsan Chebli geäußert. Tatsächlich war es aber der Autor Stefan Paetow. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. November 2020 um 21:00 Uhr.