Zwei Feuerwehrmänner ziehen einen Schlauch über die verschlammte Bundesstraße 265. | dpa

Bundesstraße bei Erftstadt Keine neuen Opfer bei Räumung der B265

Stand: 19.07.2021 17:13 Uhr

Mehr als 100 Fahrzeuge waren auf der Bundesstraße 265 bei Erftstadt von der Flut überrascht worden. Jetzt ist sie komplett geräumt - ohne dass weitere Todesopfer gefunden wurden. Im Ort gibt es Sorge vor weiteren Erdrutschen.

Auf der überfluteten Bundesstraße 265 bei Erftstadt in Nordrhein-Westfalen sind alle vom Hochwasser eingeschlossenen Fahrzeuge geborgen worden. Tote seien glücklicherweise dabei bislang nicht entdeckt worden, erklärte ein Sprecher des Rhein-Erft-Kreises. Allerdings gebe es noch ein Regenrückhaltebecken in der Nähe der Straße, das noch ausgepumpt werde.

Wie die Stadt Erftstadt auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, sollten aus dem Becken im Laufe des Tages noch fünf weitere Fahrzeuge geborgen werden. Die Stadt erklärte zugleich: "Glücklicherweise wurden dort keine Personen in den Fahrzeugen aufgefunden."

Auf der B265 waren mehr als 100 Fahrzeuge vom Hochwasser eingeschlossen worden. Der Rhein-Erft-Kreis hatte erklärt, es sei unklar, ob es alle Insassen rechtzeitig aus ihren Wagen geschafft hätten, als sie von den Wassermassen überrascht wurden.

Sperrung der A1 und A61

Auch andere Teile der Verkehrsinfrastruktur in der unmittelbaren Umgebung von Erftstadt wurden durch die Flut beschädigt. Nach Angaben der Autobahn GmbH besteht weiter eine Vollsperrung der A1 in Fahrtrichtung Koblenz zwischen dem Autobahnkreuz Köln-West und dem Autobahndreieck Erfttal sowie ebenfalls eine Vollsperrung der A1 in Fahrtrichtung Dortmund zwischen dem Autobahndreieck Erfttal und der Anschlussstelle Hürth. Ein Engpass besteht zudem weiterhin auf der A1 in Fahrtrichtung Koblenz zwischen den Anschlussstellen Köln-Lövenich und Köln-Bocklemünd. Die A61, die sich bei Erftstadt mit der A1 verbindet, ist in beiden Fahrtrichtungen zwischen den Autobahnkreuzen Kerpen und Meckenheim voll gesperrt.

Zu der voraussichtlichen Dauer der Reparaturen konnte ein Sprecher der Autobahn GmbH keine genauen Angaben machen. Vermutlich geht es aber um mehrere Monate.

Weitere Erdrutsche am Krater möglich

In Erftstadt gehen die Bergungsarbeiten weiter. Nach Angaben des Rhein-Erft-Kreises wurden im besonders stark getroffenen Erftstädter Stadtteil Blessem bislang keine Todesopfer der Hochwasserkatastrophe gefunden. 29 Menschen gelten aber noch als vermisst, sagte der Sprecher des Kreises.

In Blessem hatte ein gewaltiger Erdrutsch infolge der Unwetter Straßen und Häuser mitgerissen. Der Stadtteil gilt nach Angaben der Stadt mittlerweile als geräumt. Am Sonntagabend seien Einsatzkräfte die Häuser abgegangen. Dabei seien Haustiere gefunden und gerettet worden - Menschen habe man nicht angetroffen.

Die Abbruchkante am Rand des Kraters gilt weiterhin als Risikozone, es droht akute Lebensgefahr. Zwar sei die Kiesgrube hinter Blessem weiträumig abgesperrt, sagte Bürgermeisterin Carolin Weitzel dem WDR. Ein weiteres Nachrutschen von Erdmassen sei jedoch jederzeit möglich. Die betroffenen Stadtteile würden permanent mit Drohnen überwacht. Gleichzeitig liefen geologische Untersuchungen. "Sobald der Ort als begehbar eingestuft wird, beginnen Prüfungen der Statik", sagte Weitzel.

Soforthilfe der Gemeinde für Flutopfer

Den vom Hochwasser betroffenen Einwohnern zahlte die Gemeinde Erftstadt bereits 600.000 Euro Soforthilfe aus - pro Kopf 200 Euro. Das teilte die Stadt dem WDR mit. Aktuell sind nur noch die Bürger von Blessem anspruchsberechtigt. Die 200 Euro seien nur eine erste Nothilfe, so die Gemeinde. Über finanzielle Hilfen für den Wiederaufbau habe man bereits mit dem Land und dem Bundespräsidenten gesprochen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juli 2021 um 18:25 Uhr.