Der türkische Präsident am Flughafen Köln | Bildquelle: dpa

Türkisches Sicherheitspersonal Erdogans Männer aus Hamburg

Stand: 09.10.2018 20:57 Uhr

Bei Deutschlandbesuchen des türkischen Präsidenten Erdogan spielt sich ein Hamburger Türke als Sicherheitsmann auf. Wer ihn und seine Männer engagiert, ist unklar. Er ist vorbestraft und zeigt rechte Tendenzen.

Von Philipp Eckstein, Philipp Hennig und Jan Lukas Strozyk, NDR

Ein 41-jähriger Türke aus Hamburg ist der Kopf einer Gruppe mit dem Namen "Team Yörükoglu Europa", die in Deutschland unter anderem als Sicherheitspersonal bei Besuchen der türkischen Regierung auftritt. Das ergab eine Recherche des NDR. Nuri Harmankaya und seine Männer waren zuletzt bei der Eröffnung der DITIB-Moschee in Köln und hatten eine Straße abgesperrt. Zuvor waren die Männer auch im Zusammenhang mit dem Besuch von Präsident Recep Tayyip Erdogan zum G20-Gipfel in Hamburg im Einsatz.

Harmankaya ist nicht offiziell im Sicherheitsgewerbe tätig. Er betreibt eigentlich einen Handyladen in Hamburg. Dennoch, so erzählt es der Mann im Gespräch mit dem NDR, seien er und seine Truppe immer wieder vom türkischen Generalkonsulat in Hamburg oder von Vertretern der türkischen Regierungspartei AKP damit beauftragt worden, als Ordner für Veranstaltungen oder als Sicherheitspersonal zur Verfügung zu stehen. Konsulat und Partei widersprechen dieser Darstellung.

Vorbestrafter Türke aus Hamburg spielt sich als Erdogan-Schützer auf
tagesthemen 22:15 Uhr, 09.10.2018, S. Peters, P. Hennig, P. Eckstein, J. Strozyk, NDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Gegenseitiges Verständnis und Freundschaft

Fakt ist, dass Harmankaya und die "Yörükoglu"-Gruppe immer wieder im Zusammenhang mit Besuchen des türkischen Präsidenten Erdogan aufgetreten sind. Dabei hatten die Männer offenbar auch Zugang zu besonders geschützten Bereichen. Im Rahmen des G20-Treffens posierten Harmankaya und die Gruppe "Yörükoglu" auf dem Rollfeld vor der türkischen Regierungsmaschine. Das Bundeskriminalamt sagte auf Anfrage, eine Akkreditierung lag nicht vor. Wie die Männer auf das Rollfeld gelangen konnten, ist unklar. Nachfragen beantwortete das BKA nicht.

Bei der Eröffnung der DITIB-Moschee in Köln vor einer Woche sperrte das "Team Yörükoglu" die Straße mit Polizei-Absperrband ab, das sie nach eigener Aussage von Polizisten bekommen hatten. Die Aktion hatte für großes Aufsehen gesorgt. Der Einsatzleiter der Polizei ließ sich in Boulevard-Medien damit zitieren, dass hoheitliche Aufgaben nur von der Polizei zu übernehmen seien.

Harmankaya versteht die Aufregung nicht. Im Interview mit dem NDR sagte er, er und seine Leute haben lediglich helfen wollen - ihm gehe es um gegenseitiges Verständnis und Freundschaft. Auf Nachfrage erklärte die Polizei Köln, es sei unklar, ob es zu einer informellen Zusammenarbeit kam. Inzwischen bestätigte die Polizei, dass sie wegen Amtsanmaßung gegen Unbekannt ermittelt.

Gläubige stehen vor der Zentralmoschee der DITIB. | Bildquelle: dpa
galerie

Die Zentralmoschee der DITIB in Köln. Bei ihrer Eröffnung hatten Harmankaya und seine Leute unter anderem eine Straße mit Polizei-Absperrband abgesperrt.

Drohungen gegen Erdogan-Kritiker

In sozialen Netzen treten Harmankaya und seine Männer indes martialisch auf, posten Bilder von Soldaten und Waffen und stoßen Drohungen gegen Erdogan-Kritiker aus. Harmankaya nennt sich selbst auf Facebook einen "Soldaten Erdogans" und schreibt über ein Konterfei Erdogans: "Wer unseren Anführer unglücklich macht, den machen wir unglücklich." Auf zahlreichen Bildern sind Harmankaya und seine Männer beim Zeigen des Grußes der islamistischen Muslim-Brüder oder der "Grauen Wölfe" zu sehen. Die "Grauen Wölfe" werden vom Hamburger Verfassungsschutz beobachtet und gelten als türkische Rechtsradikale.

Harmankaya ist zudem seit Juni 2017 wegen unerlaubten Waffenbesitzes vorbestraft. Die Polizei fand bei ihm eine halbautomatische Kurzwaffe und Munition. Eine Erlaubnis konnte er nicht vorweisen. Das belegen Recherchen des NDR. Laut Hamburger Polizei ist Harmankaya bereits mehrfach "kriminalpolizeilich in Erscheinung" getreten.

Im Gespräch versucht er den Vorgang herunterzuspielen. Die Waffe sei sehr alt gewesen, ein vergessenes Erbstück. Auf Facebook hingegen veröffentlichte er Bilder von einer Pistole und geladenen Magazinen mit dem Hinweis: "Die Nächte bieten für jedes Problem eine Abhilfe." Auf seinem Profil veröffentlichte er zudem Drohungen gegen einen Erdogan-kritischen Comedian.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan beim G20-Gipfel in Hamburg | Bildquelle: AFP
galerie

Merkel und Erdogan beim G20-Gipfel in Hamburg. Harmankaya und seine Gruppe posierten auf dem Rollfeld des Flughafens vor der türkischen Regierungsmaschine.

Warum Harmankaya trotz der Verurteilung und seiner Nähe zu rechtsradikalen türkischen Nationalisten offenbar Zugang zu besonders geschützten Bereichen bekam, wie im Rahmen des G20-Treffens, oder als Sicherheitsmann andienen konnte, wie bei der Moschee-Eröffnung in Köln, ist unklar. Deutsche Sicherheitsbehörden wollten sich auf Anfrage zu dem Mann und seiner Truppe nicht äußern. Auch das Bundesinnenministerium schweigt auf Anfrage, ebenso der islamische Verband DITIB, der die Zentralmoschee in Köln betreibt. Der Hamburger Verfassungsschutz teilte inzwischen mit, dass die Gruppe kein Beobachtungsobjekt sei.

Erdogans Sicherheitsmänner in Deutschland
Philipp Eckstein, NDR
09.10.2018 10:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichteten am 09. Oktober 2018 Deutschlandfunk um 07:44 Uhr, MDR aktuell um 08:21 Uhr und NDR Info im "Echo des Tages" ab 18:30 Uhr. Zudem befasst sich die Sendung "Panorama3" um 21:15 Uhr im NDR-Fernsehen mit dem Thema.

Darstellung: