Erdogan jubelt den Menschen in der Kölner Lanxess-Arena zu.

Türkischer Premier redet in Köln Erdogan von Anhängern gefeiert

Stand: 24.05.2014 18:12 Uhr

Bei seiner Ankunft in der Kölner Lanxess-Arena ist der türkische Ministerpräsident von seinen Anhängern jubelnd begrüßt worden. Vertreter der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD) kündigten ihn als "Mann des Volkes" an und versicherten, das ganze Volk der Türkei stehe hinter ihm. Anschließend wurde aus dem Koran rezitiert.

Zuvor hatten die Veranstalter die Zuhörer in der Arena auf den Gast eingeschworen: Egal welche Propaganda gegen Erdogan gemacht werde, "wir stehen hinter dir", versicherte ein Redner. Ein anderer warf den Deutschen vor, nichts für die Türken getan zu haben. Besucher jubelten und schwenkten Tausende türkische Fahnen. Viele skandierten "Märtyrer Erdogan" und "Gott ist groß". Für die Opfer des Bergwerkunglücks von Soma wurde eine Schweigeminute abgehalten. 15.000 Anhänger können Erdogan in der Arena im rechtsrheinischen Stadtteil Deutz zuhören. Doch voraussichtlich werden weit mehr Anhänger anreisen. Laut Polizei gab es keine größeren Zwischenfälle.

Tausende Teilnehmer bei Demonstrationszug

Kurz vor dem umstrittenen Auftritt versammelten sich Zehntausende Gegner Erdogans zu einem Demonstrationszug. Unter dem Motto "Wir sagen Nein zu Erdogan" trugen Demonstranten Transparente mit Aufschriften wie "Tayyip Erdogan - Der Wolf im Schafspelz" oder "Mörder Erdogan". Die Polizei sprach von 30.000 Demonstranten, die Organisatoren von der Alevitischen Gemeinde in Deutschland gingen von 50.000 Teilnehmern an den Protesten aus.

Auftritt vor der Wahl

Offizieller Anlass für Erdogans Rede ist das zehnjährige Gründungsjubiläum der Union Europäisch-Türkischer Demokraten (UETD), die Erdogans Regierungspartei AKP unterstützt. Sein Auftritt wird jedoch als Wahlkampagne gewertet, denn im August steht die türkische Präsidentschaftswahl und in Deutschland leben rund 1,5 Millionen türkische Wähler. 2008 hatte Erdogan in der Kölner Arena seine Zuhörer aufgerufen, zwar Deutsch zu lernen, sich aber nicht zu stark anzupassen.

Recep Tayyip Erdogan

Das Amt des Staatspräsidenten wäre die Krönung für Erdogans politische Karriere. Im August wird in der Türkei gewählt.

Deutsche Politiker hatten unter anderem den Zeitpunkt der Rede Erdogans nur einen Tag vor der Europawahl in Deutschland kritisiert. Auch wegen des schweren Grubenunglücks im westtürkischen Soma hatten mehrere Politiker dem islamisch-konservativen Ministerpräsidenten einen Verzicht auf die Reise nach Deutschland nahe gelegt.

Oberbürgermeister befürchtet Zusammenstöße

Kölns Oberbürgermeister Jürgen Roters sagte dem Radiosender WDR 5, angesichts der Spannungen in der Türkei fürchte er auch in Köln Zusammenstöße zwischen Erdogans Gegnern und Anhängern. "Bislang haben wir ein sehr friedliches Miteinander gehabt, auch wenn unterschiedliche Positionen da waren", sagte er. "Sie werden jetzt emotionalisiert."

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KOMMENTARE

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Cem 24.05.2014 • 21:33 Uhr

Meinungsfreiheit, Rechte von Minderheiten etc.

haben nichts mit Demokratie zu tun. Sie sprechen von einem Rechtsstaat. Ob die Türkei ein Rechtsstaat ist? Nein ganz sicher nicht. Aber sie ist es mehr, als sie es je zuvor war und das ist auch nur Erdogan zu verdanken. Die Kurden z.B. haben mehr Rechte als jemals zuvor, weswegen auch 60% der kurdischen Bevölkerung ihre Stimme für Erdogan gegeben haben. Erdogan würde ich nur dann als Diktator bezeichnen, wenn er die demokratischen Mechanismen in der Türkei aushebeln würde, was er de facto nicht tut. Stattdessen baut er sie aus. Wahlen gibt es immer noch und durch Reformen, wie etwa die Direktwahl des Präsidenten durch das Volk, wird das Land sogar noch weiter demokratisiert. Dazu hat Erdogan in seiner AKP weiterhin interne Satzungen festgelegt, dass z.B. ein Anwärter max. nur 3 Amtszeiten im Amt des Premierministers bleiben darf, weswegen er selbst sein Amt als Premier auch abtreten muss. Anmerken sollte man, dass es solche internen Regelungen in anderen türk. Parteien nicht gibt.