Zentralmoschee in Köln | Bildquelle: dpa

Vorwürfe gegen Ditib Der lange Arm in die Moscheen

Stand: 29.09.2018 12:49 Uhr

Präsident Erdogan eröffnet in Köln eine Ditib-Moschee. Das nährt Vorwürfe über die Nähe des Moscheeverbandes zur türkischen Regierung. Wie groß ist der Einfluss Erdogans auf Ditib?

Von Ulrich Pick, SWR

Wie weit der Einfluss des türkischen Staatschefs Recep Tayyip Erdogan reicht, zeigt sich in den Moscheen in Deutschland. Denn dort wird vielfach türkische Politik betrieben. So ist die größte islamische Organisation hierzulande, der Moscheenverband Ditib, in den vergangenen Jahren immer öfter zum Sprachrohr des türkischen Präsidenten in Deutschland geworden, beklagt Susanne Schröter, die Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam an der Universität Frankfurt.

"Die Ditib hat sich unter Erdogan ganz stark zu einem Instrument, einem politischen Instrument der türkischen Regierung entwickelt", sagt Schröter. "Diese Qualität hat sie eigentlich schon immer gehabt, aber man hat das nicht in dieser Weise genutzt, in der Erdogan es jetzt nutzt."

Imam und Gläubige in einer Stuttgarter Ditib-Moschee | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Gläubige in einer Ditib-Moschee in Stuttgart. Der Moscheenverband ist der deutsche Arm des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten.

Imame als türkische Staatsbeamte

Die Ditib ist der deutsche Arm des türkischen Amtes für religiöse Angelegenheiten - kurz Diyanet -, das dem Bereich des Staatspräsidenten angegliedert ist. Somit untersteht sie also direkt Erdogan. Die Ditib verfügt über etwa 950 der insgesamt 2600 Moscheen in Deutschland. Ihre Imame sind türkische Staatsbeamte, die von Ankara bezahlt und in der Regel für fünf Jahre nach Deutschland entsandt werden.

Auch wenn die Ditib nach deutschen Vereinsrecht autonom ist, haben dort die Repräsentanten aus der Türkei das Sagen, sagt Schröter. "Wenn Sie in die Satzung schauen, dann sehen Sie, dass Diyanet-Funktionäre in allen wichtigen Gremien eine erschlagende Präsenz haben, so dass keinerlei Entscheidung getroffen werden kann, die Diyanet nicht gefällt." Dazu komme die bekannte finanzielle Abhängigkeit sowie eine ideologische Nähe. "Wichtige Themen, die der türkischen Regierung jetzt am Herzen liegen - Erdogan am Herzen liegen, um das konkret zu sagen -, die finden Sie auch immer wieder als Themen der Freitagspredigten", sagt Schröter.

Propaganda für Einmarsch ins Kurdengebiet Syriens

So wurde in Ditib-Moscheen für den Einmarsch der türkischen Armee in das kurdische Grenzgebiet Syriens offensiv Propaganda gemacht und zum Gebet aufgerufen. Zudem ließ man Kinder Krieg spielen und den Märtyrertod preisen. Da es hierbei zu verfassungsfeindlichen nationalistisch-religiösen Äußerungen und Aktivitäten gekommen sein soll, ist Ditib inzwischen ins Visier des Bundesverfassungsschutzes geraten.

Bereits im vergangenen Jahr war gegen Mitarbeiter von Ditib wegen Spionage ermittelt worden. So sollen 19 türkische Geistliche im Auftrag der Diyanet Anhänger der Bewegung des Predigers Fethullah Gülen ausgespäht haben. Eine Schlüsselrolle spielten dabei einige der 18 Religionsattachés in den türkischen Konsulaten. Ihnen gegenüber sind die Ditib-Imame nämlich rechenschaftspflichtig. Denn der Religionsattaché - so sagte der ehemalige Ditib-Generalsekretär Bekir Alboga nach dem Putschversuch in der Türkei dem SWR - ist ein wichtiges Bindeglied zwischen Diyanet und Ditib in Deutschland.

DITIB-Gedenkveranstaltung in Baden-Baden/Steinach (Facebook-Screenshot) | Bildquelle: Screenshot Facebook-Profil DITIB
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Bei einer Ditib-Gedenkveranstaltung in Baden-Baden im April dieses Jahres traten Kinder als Kriegsmärtyrer auf. (Facebook-Screenshot)

Mögliche Loslösung von der Türkei

Laut Alboga ist der Religionsattaché beim Diyanet angestellt. Er sei Theologe. "Auch mit dem Bundesvorstandsvorsitzenden muss er sich beraten, aber seine Meinung, seine Entscheidung spielt eine große Rolle. Er hat die Aufsicht. Das ist seine Aufgabe", so Alboga.

Mittlerweile sind innerhalb von Ditib auch Stimmen zu hören, die eine Loslösung von der Türkei fordern. Für diesen Fall könnte die "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs" (IGMG) - eine der größten sunnitisch-muslimischen Gemeinschaften in Deutschland - ihre Rolle übernehmen. Immerhin sollen dort bereits jetzt nach Angaben des Bundesinnenministeriums 43 Diyanet-Imame arbeiten. Zudem hat Erdogan seine politischen Wurzeln in der Milli-Görüs-Bewegung, und der langjährige Generalsekretär der IGMG, Mustafa Yeneroglu, ist Abgeordneter von Erdogans islamisch-konservativen AKP im Parlament in Ankara.

Erdogans langer Arm in die deutschen Moscheen
Ulrich Pick, SWR
29.09.2018 10:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. September 2018 um 13:00 Uhr.

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