Der türkisches Präsident Recep Tayyip Erdogan spricht im Präsidentenpalast | Bildquelle: dpa

Erdogan-Besuch Ein ganz spezieller Gast

Stand: 27.09.2018 04:41 Uhr

Der Deutschland-Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan hat schon im Vorfeld für Wirbel gesorgt. Denn das Verhältnis zwischen Berlin und Ankara ist angespannt. Dabei haben beide Seiten ähnliche Anliegen.

Von Volker Schwenck, ARD-Hauptstadtstudio

Deutschland und die Türkei haben viele gemeinsame Interessen, doch derzeit herrscht denkbar schlechte Stimmung zwischen den beiden Ländern. Dafür ist aus Sicht der Bundespolitik vor allem die türkische Seite verantwortlich. Seit dem Putschversuch 2016 hat sich die Lage der Menschenrechte in der Türkei dramatisch verschlechtert. Regierungskritiker - darunter viele Journalisten - werden unter Druck gesetzt oder sitzen im Gefängnis. Auch Deutsche.

Mesale Tolu nach ihrer Rückkehr aus der Türkei. | Bildquelle: dpa
galerie

Mesale Tolu konnte Ende August die Türkei verlassen.

Zwar kam zuletzt mit Mesale Tolu eine weitere deutsche Journalistin mit türkischen Wurzeln frei und durfte das Land verlassen, ihr Mann aber sitzt in der Türkei fest. Und immer noch müssen fünf deutsche oder deutsch-türkische Staatsbürger aus politischen Gründen in türkischer Haft ausharren.

Beim Besuch des türkischen Staatspräsidenten wollen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzlerin Angela Merkel auf ihre Freilassung dringen. Dabei müssten beide Länder eigentlich ein großes Interesse an gedeihlicher Zusammenarbeit haben.

Das Flüchtlingsabkommen mit der Türkei hat dafür gesorgt, dass immer weniger Flüchtlinge aus Syrien sich über das Mittelmeer auf den Weg nach Deutschland machen - aus Sicht des Bundesinnenministeriums ist das Abkommen damit ein Erfolg.

Oliver Mayer-Rüth, ARD Istanbul, zu den Defiziten zwischen Deutschland und Türkei
tagesschau24 11:00 Uhr , 27.09.2018

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Türkei mit besonderer Rolle in Syrien

Die deutsche Außenpolitik hat ein Interesse daran, dass die Türkei sich für eine politische Lösung für den grausamen Bürgerkrieg in Syrien einsetzt. Die Türkei hat zwar nur einen begrenzten Einfluss auf die Hauptakteure in dem Konflikt. Der Westen aber hat praktisch gar keinen.

Doch die Türkei tritt auch als Aggressor auf. Anfang des Jahres marschierten türkische Truppen mit verbündeten Aufständischen in der syrischen Kurdenregion Afrin ein. Die Türkei will ein starkes, autonomes Kurdengebiet jenseits ihrer Grenze mit Syrien verhindern. Für die türkische Regierung sind die Angehörigen der syrischen Kurdenmilizen YPG Terroristen.

Türkisches Militär in der Nähe der syrischen Stadt Afrin (Archivbild Ende Januar 2018) | Bildquelle: AP
galerie

Türkisches Militär im Februar in der Nähe von Afrin

Türkischstämmige - zwischen den Stühlen

Und dann gibt es noch die knapp 2,8 Millionen Menschen mit türkischem Migrationshintergrund, die nach Angaben des statistischen Bundesamtes 2017 in Deutschland lebten. Unter ihnen solche, die sich vor allem als Deutsche fühlen, solche, die sich eher für Türken halten und auch jene, die mal das eine und mal das andere sind - aber oft in der unbequemen Position irgendwo zwischen den Stühlen.

Türkischstämmige Abgeordnete im Bundestag kritisieren, die türkische Regierung nehme gezielt Einfluss auf Menschen mit türkischem Migrationshintergrund in Deutschland. Präsident Recep Tayyip Erdogan versuche, die Gemeinschaft der Türkischstämmigen zu spalten, so Cem Özdemir von den Grünen.

"Man darf nicht einen anderen Staat hier tatsächlich so viel Einfluss nehmen lassen, eine Minderheitenpolitik hier zu betreiben", ergänzt Sevim Dagdelen von der Linkspartei. Für sie ist schwer zu erklären, wie man in Deutschland leben und gleichzeitig die Politik des türkischen Staatspräsidenten gutheißen kann. "Ordnungsrahmen und auch Handlungsmaxime in Deutschland sollte das Grundgesetz sein, und das widerspricht dem, was der türkische Staatspräsident in der Türkei veranstaltet."

Vor Erdogan-Besuch in Deutschland
tagesschau 12:00 Uhr, 27.09.2018, Kerstin Breinig, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Integration oder Assimilation?

Kemal Capaci ist Mediendesigner und Fotograf in Köln. Er ist geboren in Deutschland, hat nur einen deutschen Pass, aber Erdogan, sagt er, das sei auch sein Präsident. Ein Erdogan-Fanboy sei er aber nicht, doch die Politik Erdogans findet Capaci gut, auch die autoritären Teile davon. Die Türkei sei in einer schwierigen Lage, da brauche es eben eine harte Hand.

Capaci kommt manchmal ganz automatisch in eine Art Verteidigungsmodus, sagt er. In Deutschland immer dann, wenn die Türkei oder der türkische Präsident kritisiert werden. Und in der Türkei jedes Mal, wenn seine Landsleute sich dort Deutschland vornehmen. Kritik und Abgrenzung zwingen oft zu einer Art Statement, und für Türkischstämmige in Deutschland bedeutet das: ein Statement für Erdogan und die Türkei. Weil auch Erdogan ein Bekenntnis fordert, wird es kompliziert. Der türkische Präsident verlangt ein Bekenntnis zu türkischen Wurzeln, türkischer Kultur und türkischem Staat, alles andere wäre Assimilation - ein Leugnen der eigenen kulturellen Identität.

Die Flaggen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei wehen vor dem Brandenburger Tor - am Tag vor dem Besuch von Präsident Erdogan. | Bildquelle: dpa
galerie

Berlin ist vorbereitet auf den Gast aus Ankara: Vor dem Brandenburger Tor weht die türkische Flagge.

Abgeordnete boykottieren Bankett

"Es wird gar nicht Assimilation verlangt", betont Cem Özdemir. Doch alle schwierigen Fragen des Miteinanders - wenn es um Diskriminierung am Arbeitsplatz, bei der Wohnungssuche oder andere Probleme geht - müssten in Deutschland gelöst werden. Die türkische Politik oder der türkische Präsident könnten da letztlich wenig Konstruktives beitragen.

Die Linke Sevim Dagdelen hat aus Protest gegen Erdogans Politik ihre Teilnahme am Staatsbankett für den türkischen Präsidenten abgesagt - sie wolle nicht mit einem Menschen dinieren, der deutsche Staatsbürger als Geiseln halte. Özdemir dagegen wird am Bankett teilnehmen: "Erdogan muss mich sehen und aushalten", sagt der Grünen-Abgeordnete, der zu den schärfsten Kritikern von Erdogan und seiner Politik gehört.

Erdogan will Neustart im deutsch-türkischen Verhältnis
V.Wolfskämpf, ARD Berlin
27.09.2018 13:02 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. September 2018 um 03:05 Uhr und 04:55 Uhr.

Korrespondent

Volker Schwenck  Logo SWR

Volker Schwenck, SWR

Darstellung: