Polizisten bringen den mutmaßlich entführten Vietnamesen Thanh zum Gericht in Hanoi. | Bildquelle: dpa

Entführter Vietnamese Schwerer Verdacht gegen die Slowakei

Stand: 30.07.2018 20:27 Uhr

Der in Berlin entführte vietnamesische Geschäftsmann Trinh ist offenbar mit einem slowakischen Regierungsflugzeug in seine Heimat gebracht worden. Einem Bericht der "FAZ" zufolge führt die Spur zu einem Ex-Regierungsberater der Slowakei.

Im Fall der Verschleppung eines vietnamesischen Geschäfsmanns aus Berlin richten deutsche Ermittler einen schweren Verdacht gegen die Slowakei: Das Berliner Landeskriminalamt geht laut einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" davon aus, dass Trinh Xuan Thanh nach der Entführung durch Vietnams Geheimdienst mit einem slowakischen Regierungsflugzeug in seine Heimat gebracht wurde.

Am Einsatz des slowakischen Regierungsflugzeugs in dem Entführungsfall gebe es "nahezu keine Zweifel" mehr, zitierte die "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" aus einem Sachstandsbericht der Berliner Ermittler. Sie verweisen darin auf ein Treffen zwischen dem vietnamesischen Innenminister To Lam und dem damaligen slowakischen Ressortchef Robert Kalinak: Dieses habe "den einzigen Zweck" gehabt, "Herrn Trinh relativ problemlos aus dem Schengen-Raum heraus nach Vietnam zu verbringen". 

Vietnamese Trinh vor Gericht in Hanoi | Bildquelle: dpa
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Der entführte Geschäftsmann, Trinh, wurde in Hanoi vor Gericht gebracht.

"Insider" in der slowakischen Regierung in den Fall verwickelt?

Trinh, früherer Chef eines Staatskonzerns, dem die Regierung in Hanoi Korruption zur Last legte, war im Juli 2017 in Berlin auf offener Straße in ein Auto gezerrt worden. Später tauchte er in seinem Heimatland Vietnam wieder auf, wo er inzwischen wegen Korruptionsdelikten zu zwei lebenslangen Haftstrafen verurteilt wurde.

Die Bundesregierung hatte scharf gegen die Entführung duch den vietnamesischen Geheimdienst protestiert, der Fall belastete die Beziehungen erheblich. Laut "FAZ" äußern die Berliner Ermittler in ihrem Bericht den Verdacht, ein "Insider" in der slowakischen Regierung könnte in den Fall verwickelt sein. Namentlich genannt werde in diesem Zusammenhang der vietnamesischstämmige frühere slowakische Regierungsberater Quang Le Hong.

"Eklatante Verletzung der Souveränität" Deutschlands

Erst in der vergangenen Woche hatte das Berliner Kammergericht einen Mittäter des Entführungskommandos zu drei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. Zur Begründung hieß es, der Mann habe die Entführungspläne gekannt, diese mitgetragen und dafür zwei Autos angemietet. Das Kammergericht bezeichnete die Tat als "eklatante Verletzung der Souveränität" Deutschlands. Der Vorgang sei in der jüngeren Geschichte beispiellos.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. Juli 2018 um 06:00 Uhr.

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