Ein Raum mit Beatmungsgeräten im Klinikum Nürnberg Süd | Bildquelle: dpa

Steigende Corona-Zahlen Ärzte warnen vor Engpass in Kliniken

Stand: 08.10.2020 11:10 Uhr

Angesichts steigender Corona-Zahlen warnen Mediziner, die Kapazitäten zur Behandlung von schwer erkrankten Covid-19-Patienten könnten an Grenzen stoßen - besonders in Großstädten. Gesundheitsminister Spahn sieht Deutschland gut vorbereitet.

In Deutschlands Krankenhäusern steigt angesichts der hohen Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus aus Expertensicht die Gefahr von Engpässen. Man bereite sich auf eine neue Welle schwer erkrankter Patienten vor, sagte die Leiterin der Abteilung Infektiologie des Uniklinikums Gießen, Susanne Herold, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Derzeit würden 470 Covid-19-Patienten in Deutschland auf Intensivstationen behandelt. Die Ärzte erwarteten aber einen deutlichen Anstieg dieser Zahl, so Herold. Es sei zu befürchten, dass die Infektionszahlen insgesamt auch in der nächsten Zeit noch einmal deutlich anstiegen. Allein bis Donnerstag hatte sich die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland sprunghaft auf mehr als 4000 binnen eines Tages gesteigert.

Leichte Verläufe überwögen zwar, so Infektiologin Herold, aber für die Kliniken gelte trotzdem: Räume für neue Patienten müssten geschaffen werden. Vielleicht müssten elektive Operationen, also Eingriffe, die nicht dringend sind, auch wieder abgesagt werden. Herold hofft, dass die Menschen die Corona-Gefahr ernst nehmen, "so dass wir nicht in diese Situation kommen".

Großstädten drohen eher Probleme

Die Gefahr von Versorgungsproblemen ist regional unterschiedlich. Der Mediziner Christian Karagiannidis von der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DIIN) warnte in der "Rheinischen Post" vor Engpässen bei den Intensivbetten besonders in großen Städten. Momentan sei die Situation auf den deutschen Intensivstationen zwar noch entspannt, "allerdings zeigen sich regional, insbesondere in den Großstädten, doch schon deutliche Einschränkungen in den Kapazitäten. Besonders in Berlin."

In den vergangenen Tagen habe es bundesweit eine Zunahme der intensivstationären Aufnahmen von Covid-Patienten gegeben. "Das ist noch gut händelbar, allerdings zeigt sich von Tag zu Tag ein stetiger Zuwachs", erklärte der künftige DIIN-Präsident. Vor dem Hintergrund müssten sich Betroffene darauf einstellen, dass es möglicherweise zu Verlegungen in ortsfremde Kliniken kommen könne.

8500 freie Betten, 12.000 in Reserve

Die Kassenärztliche Vereinigung (KBV) ist etwas zuversichtlicher: Nach Ansicht von Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV, hat das deutsche Gesundheitssystem ausreichend Betten zur Behandlung von Corona-Patienten. Derzeit seien 8500 Betten für Intensivpatienten frei, das seien mehr als die Gesamtkapazität von Italien und Spanien. Zudem gebe es eine Notfallreserve von etwa 12.000 Betten, die eingesetzt werden könnten.

Gesundheitsminister Spahn verwies darauf, dass es mit Hilfe des neuen Onlineregisters für Betten in Kliniken möglich sei, die Intensivkapazitäten deutlich besser zu steuern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. Oktober 2020 um 10:15 Uhr.

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