Robert Habeck, Volker Wissing und Anja Hajduk | dpa

Energiekrise Maßnahmen zum Energiesparen beschlossen

Stand: 24.08.2022 13:48 Uhr

Das Kabinett hat den Weg für eine umfangreiche Energiesparverordnung freigemacht. So sollen öffentliche Gebäude ab September in der Regel nur noch bis maximal 19 Grad beheizt werden. Auch auf Privatleute kommen Einschränkungen zu.

Ab September soll in Deutschland mit verschiedenen Maßnahmen verstärkt Energie gespart werden. Dafür hat das Bundeskabinett in Berlin eine entsprechende Verordnung beschlossen. Die Maßnahmen sollen für sechs Monate gelten.

Öffentliche Gebäude dürfen ab Ende kommender Woche in der Regel nur noch bis maximal 19 Grad beheizt werden. Bisher lag die empfohlene Mindesttemperatur für Büros bei 20 Grad. Durchgangsbereiche wie Flure, Foyers oder Technikräume sollen möglichst gar nicht mehr geheizt werden. Außerdem ist vorgesehen, die Beleuchtung von Gebäuden und Denkmälern auszuschalten, wenn dies aus rein ästhetischen oder repräsentativen Gründen geschieht.

"Tür zu" bei Geschäften und dunkle Schaufenster

Spürbar verändern wird sich auch das Bild der Einkaufspassagen. Nach der neuen Verordnung dürfen Ladentüren nicht mehr dauerhaft offen stehen, um keine Heizenergie zu verschwenden. Schaufenster müssen zwischen 22 und 6 Uhr dunkel bleiben. Auch Werbeanlagen sollen in dieser Zeit abgeschaltet werden, allerdings nicht an Haltestellen und in Bahnhofsunterführungen.

Der Einzelhandel hat sich bereits auf die Verbote eingestellt. Der Branchenverband HDE startete eine Plakataktion - zu lesen ist "Türen zu, Geschäft offen". So wollen die Einzelhändler verhindern, dass wegen geschlossener Ladentüren weniger Kundinnen und Kunden ins Geschäft kommen. 

Einschränkungen auch für Privatleute

Auch auf Privatleute kommen Einschränkungen zu: Sie dürfen ihre Pools nicht mehr mit Gas und Strom heizen. Regelungen in Mietverträgen über eine bestimmte Mindesttemperatur werden vorübergehend ausgesetzt.

Spätestens zum Beginn der Heizsaison müssen Gasversorger und Besitzer größerer Wohngebäude Kunden beziehungsweise Mieter über den zu erwartenden Energieverbrauch, damit verbundene Kosten und Einsparmöglichkeiten informieren.

"Unabhängig von russischen Energielieferungen"

"Die Bundesregierung verfolgt konsequent ihre Politik, um von russischen Energielieferungen unabhängig zu werden", erklärte Wirtschaftsminister Robert Habeck. Es komme ganz wesentlich darauf an, deutlich mehr Gas einzusparen - in der öffentlichen Verwaltung, in Unternehmen und in möglichst vielen Privathaushalten.

"Wir stehen vor einer nationalen Kraftanstrengung, und es braucht ein starkes Zusammenspiel von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft, von Bund, Ländern, Kommunen, Sozialpartnern, Gewerkschaften, Handwerk und Verbänden sowie der Zivilgesellschaft. Jeder Beitrag zählt", betonte er.

Eine weitere Verordnung, die das Kabinett ebenfalls beschlossen hat, braucht noch die Zustimmung des Bundesrats und soll ab Oktober für zwei Jahre gelten. Sie sieht unter anderem verpflichtende jährliche Heizungsprüfungen für Gebäude mit Gasheizungen vor.

Einsparungen von rund 20 Prozent notwendig

Insgesamt gelten Einsparungen von rund 20 Prozent gegenüber der Vorkrisenzeit beim Verbrauch als eine Bedingung dafür, dass Deutschland ohne Gasrationierung durch den Winter kommt. Die Industrie und der Bereich Wohnen und Gebäude sollen noch fünf bis zehn Prozent beitragen - etwa durch freiwilliges Senken der privaten Raumtemperatur um zwei Grad.

Drei bis fünf Prozent Einsparung sind durch den Ersatz von Gaskraftwerken durch Kohle oder Öl vorgesehen. Bis zu acht Prozent sind bereits in Folge der hohen Preise eingespart worden.

Gewerkschaft lehnt niedrigere Mindesttemperaturen ab

Die IG Metall sprach sich erneut gegen die beschlossenen niedrigeren Mindesttemperaturen in Arbeitsräumen aus. Die Raumtemperatur unter das gesundheitsverträgliche Maß abzusenken, könne im Herbst nicht nur zur Gefährdung für die Beschäftigten werden, warnte Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban.

"Hohe Krankenstände könnten sich auch als Bumerang für die Wirtschaft erweisen. Und es braucht nicht viel Phantasie, um sich die produktivitätsbremsende Wirkung von Schal und Handschuhen im Büroalltag vorzustellen", fügte er hinzu.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. August 2022 um 14:00 Uhr.