Ein Corona-Test wird in einem Testzentrum in Dresden gemacht. | dpa

Ende kostenloser Corona-Tests Ärzte warnen vor weiteren Infektionen

Stand: 10.10.2021 10:38 Uhr

Ab Montag sind die Bürgertests nicht mehr kostenlos. Der Marburger Bund warnt nun als Folge vor weiteren Ansteckungen, der Sozialverband VdK befürchtet überteuerte Preise. Gesundheitsminister Spahn verteidigt die Maßnahme.

Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund hat wegen des Endes der kostenlosen Corona-Tests am Montag vor weiteren Infektionen gewarnt. "Kostenpflichtige Corona-Tests führen dazu, dass sich künftig weniger Menschen mit Symptomen testen lassen werden", sagte die Gewerkschaftsvorsitzende Susanne Johna den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). "Das ist ein Einfallstor für eine weitere Übertragung des Virus." 

Ab Montag sind die Bürgertests nicht mehr kostenlos. So will die Politik den Druck auf Ungeimpfte erhöhen, sich impfen zu lassen. Ausnahmen gelten unter anderem für alle Gruppen, die sich aus medizinischen Gründen nicht impfen lassen und dies nachweisen können oder für die noch kein Impfstoff zur Verfügung steht.

Unklarheit über Impfquote

Erschwerend zur Abschaffung der kostenfreien Tests kommt Johna zufolge die Unklarheit über die Impfquote der Bevölkerung hinzu. Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte am Donnerstag gemeldet, dass anhand von Umfragen zur Impfbereitschaft und Meldedaten doch von einer Impfquote von 80 Prozent doppelt geimpfter Erwachsenen ausgegangen werden könne und von bis zu 84 Prozent mindestens einmal Geimpften. Das wären fünf Prozentpunkte mehr als im Digitalen Impfquoten-Monitoring erfasst.

In der Diskrepanz sieht Johna ein systematisches Problem: "Es fehlen aktuelle Feldstudien, aus denen wir hochrechnen können, wie hoch etwa die Infektionsrate in der Bevölkerung ist." Verlässliche Zahlen zu Impfquoten seien wichtig, um über Lockerungen der Schutzmaßnahmen entscheiden zu können.

Patientenschützer fürchten Besuchshindernisse in Heimen

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz befürchtet mit dem Ende der kostenfreien Tests eine neue Isolierung und Vereinsamung von Heimbewohnern. Sie fordert daher Sonderregelungen für Alten- und Pflegeheime. Bund und Länder müssten Besuchern dort gebührenfreie Testmöglichkeiten bieten, sagte Vorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur dpa. Denn viele der bundesweit rund 12.000 stationären Einrichtungen verlangten auch von vollständig geimpften Besuchern einen aktuellen und zertifizierten negativen Schnelltest.

Wenn viele Testzentren ihre Arbeit einstellten, sei ein anerkannter Negativ-Nachweis besonders in ländlichen Gebieten schwer zu bekommen, sagte Brysch. "Manchmal 20 Kilometer Anfahrtsweg sind für Angehörige unzumutbar." Die Einrichtungen müssten per Verordnung verpflichtet werden, Schnelltests vor Ort anzubieten, forderte Brysch. Die Kosten sollten ihnen von den Krankenkassen oder dem Gesetzgeber zeitnah erstattet werden. Es müsse sichergestellt sein, dass die bundesweit rund 900.000 Pflegeheimbewohner ungehindert besucht werden könnten.

VdK für Deckelung der Kosten

Mit Blick auf das Ende der kostenlosen Tests plädiert der Sozialverband VdK unterdessen für eine Begrenzung der Kosten. "Wir befürchten, dass es wieder zu völlig überteuerten Angeboten kommt", sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele am Samstag dem RND. Bislang sei keine Deckelung der Kosten für die Tests vorgesehen. "Menschen mit wenig Geld sollten außerdem nur eine geringe Eigenbeteiligung zahlen müssen", forderte sie. "Eine Regelung vom Ministerium für Arbeit und Soziales dazu fehlt allerdings auch immer noch."

Auch der Paritätische Gesamtverband äußerte sich kritisch. Die Abschaffung der kostenfreien Tests sei problematisch, "da damit wohlhabende Impfskeptiker, die sich auch kostenpflichtige Tests leisten können, privilegiert werden", sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider dem RND.

Spahn verteidigt Maßnahme

Gesundheitsminister Jens Spahn verteidigte die Maßnahme hingegen. "Kostenlose Bürgertests abzuschaffen, gebietet die Fairness vor dem Steuerzahler", sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Jeder, für den es empfohlen sei und der wolle, habe sich mittlerweile impfen lassen können.  Tests in Pflegeheimen, Krankenhäusern, Schulen oder auf der Arbeit werde es aber weiterhin kostenlos geben, so der Minister. "Das ist wichtig, um gut durch Herbst und Winter zu kommen." Jeder und jede könne sich weiterhin kostenlos impfen lassen, um sich und andere zu schützen.

Inzidenz leicht gestiegen

Die Sieben-Tage-Inzidenz in Deutschland stieg im Vergleich zum Vortag erneut leicht. Das Robert Koch-Institut (RKI) gab den Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche am Morgen mit 66,1 an. Am Vortag hatte der Wert bei 64,4 gelegen, vor einer Woche ebenfalls bei 64,2 (Vormonat: 83,8). Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem RKI binnen eines Tages 7612 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche hatte der Wert bei 6164 Ansteckungen gelegen. Deutschlandweit wurden nach den neuen Angaben binnen 24 Stunden 24 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es neun Todesfälle.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. Oktober 2021 um 12:00 Uhr.