Grünen-Politikerin Emilia Fester, jüngste Abgeordnete im Bundestag | dpa

Grünen-Politikerin Fester Für die Jugend im Bundestag

Stand: 30.09.2021 14:24 Uhr

Seit den Wahlen ist klar: Der Bundestag ist künftig weiblicher, jünger und diverser. Die jüngste neue Abgeordnete ist die 23-jährige Emilia Fester von den Grünen. Ihr Ziel: die Rechte junger Menschen stärken.

Von Marcel Heberlein, ARD-Haupstadtstudio

Emilia Fester bekommt viele Anrufe dieser Tage. Mit 23 Jahren hat sie mehr erreicht, als manch anderer bis zur Rente. Sie war Regieassistentin am Theater, dazu bei der Grünen Jugend in Hamburg, hat dort den Koalitionsvertrag zwischen SPD und Grünen mitverhandelt. Jetzt ist sie jüngste Abgeordnete im Bundestag.

Marcel Heberlein ARD-Hauptstadtstudio

Dass sie wirklich drin ist, wusste sie erst am Morgen nach der Wahl. "Ich bin um 7.30 Uhr aufgewacht und hatte 1500 Mitteilungen auf meinem Handy von Leuten, die mir gratulieren, Anfragen von der Presse", sagt sie. "Mit diesem Gefühl bin ich dann auch in den Zug gestiegen, dass da total viele Leute gerade an mich denken, dass meine Familie komplett am Ausrasten ist, dass es geklappt hat."

Grüne mit meisten Abgeordneten unter 30

In Berlin hat sie gleich ordentlich zu tun. Einchecken im Parlament, Wege lernen, Leute finden fürs eigene Büro, Wohnung suchen. Emilia Fester will eine WG gründen, das weiß sie schon, mit zwei jungen Grünen aus Bayern. "Die Grünen sind eine Zukunftspartei, schreiben sich das auf die Fahnen und haben deshalb ja nicht nur mich, sondern viele junge Leute auf die Listen gebracht."

22 Grüne im neuen Bundestag sind jünger als 30 Jahre - so viele Junge gibts in keiner anderen Fraktion. Viele feiern das. Aber: jung, links, weiblich - in den sozialen Netzwerken muss Fester da auch viel aushalten. Mangelnde Berufserfahrung wird ihr zum Beispiel vorgeworfen. "Ein wunderschöner Kommentar war auch: 'sieht ja wenigstens gut aus. Was anderes muss man bei den Grünen wohl nicht können #Frauenquote'. "Diffamierende Kackscheiße" nennt das Fester.

Alle sollten im Bundestag vertreten sein, sagt sie, natürlich auch junge Menschen. Für deren Rechte will sie sich in den nächsten vier Jahren besonders einsetzen. Für mehr Klimaschutz und dafür, dass das Wahlalter gesenkt wird. "Die letzten Jahre haben bewiesen, wie politisch die Jugend ist", sagt Fester. "Dass sie nicht mitentscheiden kann über die eigene Zukunft, finde ich undemokratisch. Da müssen wir ran." 

Wählen schon mit 16 - durchaus realistisch, wenn Grüne und FDP am Ende mit den Sozialdemokraten regieren. Alle drei Parteien wollen das Wahlalter senken. Aber was, wenn es letztlich doch eine Jamaika-Koalition wird? Emilia Fester rollt mit den Augen. "Ich sehe nicht, wie wir als grüne Fraktion jetzt einen CDU-Menschen, der so verloren hat, zum Kanzler machen können." Außerdem wolle eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung Olaf Scholz als Kanzler. "Deswegen gehe ich davon aus, dass wir Laschet und die CDU in die Opposition schicken. Die hat das auch bitter nötig." Klare Ansagen von der jüngsten Abgeordneten im Bundestag - bald sicher auch im Plenum.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 30. September 2021 um 12:30 Uhr.