Senioren in der Altstadt in Görlitz.  | Bildquelle: imago stock&people

Untersuchung zu Einwohnerzahl So wenige Ostdeutsche wie 1905

Stand: 12.06.2019 11:32 Uhr

In Ostdeutschland leben heute so wenige Einwohner wie zuletzt im deutschen Kaiserreich. Das zeigt eine ifo-Studie. Die Forscher nennen drei Gründe für den Schwund.

Die Bevölkerungszahl in Ostdeutschland liegt heute so niedrig wie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Das geht aus einer Studie des ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung hervor. Zugleich lebten heute so viele Menschen auf dem Gebiet der Bundesrepublik wie nie zuvor.

"Ungebremstes Auseinanderdriften"

Die Ungleichentwicklung in Ost und West setzte demnach mit der deutschen Teilung infolge des Zweiten Weltkriegs ein. Zuvor hätten sich die beiden Landesteile nahezu parallel entwickelt, erklärten die Forscher. Die Einwohnerzahlen in Ost- und Westdeutschland drifteten dann jedoch nahezu ungebremst auseinander, sagte Studienautor Felix Rösel.

Insbesondere die anhaltende Wucht der deutschen Teilung werde bis heute in der Öffentlichkeit völlig unterschätzt, erklärte der Forscher, und bedürfe besonderer politischer Berücksichtigung. Demnach hätten die zwei größten Städte in Sachsen, Dresden und Leipzig, heute doppelt so viele Einwohner und wären Millionenstädte, wenn sie genauso gewachsen wären wie westdeutsche Kommunen.

Blick auf ein leerstehendes Haus im Zentrum von Loitz. | Bildquelle: dpa
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Gerade auf dem Land stehen zahlreiche Immobilien leer.

Massenflucht nach 2. Weltkrieg

Die Studie benennt drei Hauptursachen für den Bevölkerungsschwund im Osten. Dazu zählen erstens die Massenflucht ab 1949 bis zum Beginn des Mauerbaus 1961. Außerdem erfolgte anders als im Westen keine Zuwanderung von Gastarbeitern in den 1960er- und 70er-Jahren. Und drittens sei eine starke Abwanderung nach dem Ende der DDR als Folge von Arbeits- und Perspektivlosigkeit zu beobachten.

Insbesondere der ländliche Raum im Osten sei infolge der deutschen Teilung "regelrecht ausgeblutet", betonte Rösel. Es sei daher falsch, öffentliche Fördermittel vor allem an die Großstädte zu überweisen. Ein Ende der Förderung des ländlichen Raumes in Ostdeutschland wäre eine doppelte und deshalb besonders ungerechte Bestrafung. "Wir brauchen genau das Gegenteil und müssen den sozialen Zusammenhalt sowohl in den Städten als auch in der Fläche fördern", erklärte der Forscher.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Juni 2019 um 11:00 Uhr.

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