Mobiltelefon mit geöffneter Corona-Warn-App | dpa

Ein Jahr Corona-Warn-App "Die beste App der Welt" hat Luft nach oben

Stand: 16.06.2021 08:46 Uhr

Vor einem Jahr führte die Bundesregierung die Corona-Warn-App ein - nicht ohne sich selbst zu loben. Seitdem sind viele Funktionen hinzugekommen. Die Weiterentwicklung verlief aber nicht immer glatt.

Von Birthe Sönnichsen, ARD-Hauptstadtstudio

Die Erwartungen waren hoch, als die Corona-Warn-App nach einigen Umwegen in den App-Stores gelandet war. Zum Start war Kanzleramtschef Helge Braun sicher: "Es ist nicht die erste Corona-App weltweit, die vorgestellt wird, aber ich bin ziemlich überzeugt, es ist die beste."

Birthe Sönnichsen ARD-Hauptstadtstudio

Zu beweisen, dass sie wirklich die beste App ist, war von Beginn an nicht einfach. Ein Problem: Wegen der hohen Datenschutzstandards gab es kaum Zahlen darüber, wie viele Menschen gewarnt werden oder die App tatsächlich nutzen. Klar war nur, dass sie oft heruntergeladen wurde.

Erfolgreicher Start im App-Store

Das macht App-Entwickler Peter Lorenz von der Telekom stolz: "Wir waren der erfolgreichste Launch im deutschen App-Store, den es jemals gegeben hat." Mehr als 28 Millionen Mal wurde die App heruntergeladen. Auf wie vielen Smartphones sie nach einem Jahr immer noch genutzt wird, ist aber unklar. Seit einigen Monaten beteiligen sich Millionen Nutzerinnen und Nutzer freiwillig an einer Auswertung, damit untersucht werden kann, wie gut die App wirkt.

Laut Bundesregierung zeigen die Daten, dass täglich bis zu 2000 Menschen gewarnt wurden, die auch tatsächlich mit Corona infiziert waren. So konnten Tausende Infektionsketten unterbrochen werden. Ein Erfolg, findet Anke Domscheit-Berg, Digitalpolitische Sprecherin der Linken: "Für mich ist die Corona-Warn-App eine Art stille Heldin der Pandemie. Es wurden tatsächlich Tausende Infektionsketten unterbrochen, aber weil die sich so schlecht zählen lassen, heißt es halt immer wieder, die App bringe nichts und so wurde sie selbst von Prominenten und ahnungslosen Politikern schlecht geredet."

Gesundheitsämter nicht ausreichend digitalisiert

In den überlasteten Gesundheitsämtern kam die App eher schlecht an. Sie hätten sich Daten zur Kontaktnachverfolgung gewünscht. Die werden in der datensparsamen Corona-Warn-App (CWA) aber bewusst gar nicht erfasst. Gesundheitsminister Jens Spahn meint: "Deswegen kann die CWA - und das haben wir vom ersten Tag an gesagt - für die Arbeit der Gesundheitsämter direkt, im Sinne von: 'Ich bekomme die Daten rübergespielt', keinen Unterschied machen."

Einen Unterschied sollte die digitale Übermittlung von PCR-Testergebnisse machen. Inzwischen sind mehr als 15 Millionen PCR-Testergebnisse per QR-Code statt Brief oder Fax bei den Getesteten gelandet. Der Start war allerdings holprig. Formulare wurden nicht korrekt ausgefüllt und es dauerte, bis die Labore digitalisiert waren. Viel zu lang, kritisierte Linus Neumann vom Chaos Computer Club: "Der Ausbau hakt an der antiken IT-Landschaft in den Laboren und in den Gesundheitsämtern."

Die Labore sind inzwischen längst angeschlossen und auch bei der Technik der App ist im Hintergrund viel passiert. Für Userinnen und User hat sich lange Zeit spürbar aber kaum etwas verändert.

App zu spät weiterentwickelt?

Domscheit-Berg findet, dass die Bundesregierung hier Fehler gemacht hat. Sie habe versäumt, Funktionen frühzeitig weiterzuentwickeln. "Die Check-In-Funktion kam viel zu spät, die hätte ein halbes Jahr früher da sein können." Auch nützliche Zusatzfunktionen wie Kontakttagebuch oder Pandemie-Informationen seien zu spät gekommen, so die Linken-Politikerin.

Seit Ende letzten Jahres warnt die App auch über europäische Grenzen hinweg. Spätestens ab Juli soll sie dann auch europaweiter Impfpass sein. In Deutschland kann der digitale Impfpass schon seit vergangener Woche in der Corona-Warn-App gespeichert werden.

Auch wenn die App inzwischen mehr kann, soll sie erst mal weiter vor einer möglichen Ansteckung warnen. Denn noch ist die Pandemie nicht vorbei.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 16. Juni 2021 um 07:25 Uhr.

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Moderation 16.06.2021 • 15:49 Uhr

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