Ulli Köppe im Bundestag | Bildquelle: dpa

Ehe-für-alle-Fragesteller Plötzlich berühmt

Stand: 30.06.2017 18:48 Uhr

Vor fünf Tagen stellte er Angela Merkel eine Frage zur Ehe für alle, dann wurde Ulli Köppe zum Gesicht der Schwulen- und Lesbenbewegung. Auch wenn er nun seinen Freund heiraten dürfte und am Ziel ist, hadert Köppe mit der Kanzlerin, die er eigentlich mag.

Die Geschichte der Ehe für alle ist eine Geschichte des Zufalls. Eine Freundin schenkt Ulli Köppe eine Karte für den Talk mit der Kanzlerin. Das Gespräch im Berliner Maxim-Gorki Theater Anfang der Woche plätschert dahin, bis der 28-Jährige die Kanzlerin fragt: "Wann darf ich meinen Freund Ehemann nennen?" Die Kanzlerin gerät ins Stottern. Und sagt dann den Satz, der alles ändert: "Deshalb möchte ich gerne die Diskussion mehr in die Situation führen, dass es eher eine Gewissensentscheidung ist."

Den Sprengstoff dieser Aussage begreift Köppe zunächst nicht. Er lebt offen schwul und ist ein großer Merkel-Fan. Dass er die Kanzlerin in Zugzwang gebracht hat, überrascht ihn bis heute: "Ich habe danach noch zu meinem Freund gesagt, 'was glaubst Du was von dem Abend hängen bleibt?' Und da habe ich gesagt, es wird der Moment des 'Schwamm drüber' zu Herrn Schulz sein."

Irrtum. Es dauerte keine fünf Tage, bis aus der verschwurbelten Merkel-Antwort eine Bundestagsdebatte mit historischem Ausgang wurde. Köppe verfolgte die Abstimmung gemeinsam mit seinem Chef von der Besuchertribüne des Bundestags aus.

Ulli Köppe | Bildquelle: dpa
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Ulli Köppe. Seine Frage bei der "Brigitte"-Runde löste eine historische Entscheidung des Bundestags aus.

"Das kommt alles viel zu spät"

Für ihn wurde es höchste Zeit, dass die Ehe für alle erlaubt wird: "So sehr ich Frau Merkel auch mag, das kommt alles viel zu spät", sagte er nach der Abstimmung. Dennoch freue er sich über den Beschluss und übe seine aktuelle Rolle für die Schwulen- und Lesbenbewegung auch gern aus. "Wenn ich der Kampagne ein Gesicht geben kann, nutze ich die Chance", sagte der Mitarbeiter eines schwulen Verlagshauses.

Ihn erinnern die Ereignisse dieser Woche an die legendäre Pressekonferenz des damaligen SED-Funktionärs Günter Schabowski vom 9. November 1989. "Das war wie beim Mauerfall", sagte Köppe. Schabowski hatte mit der Antwort auf die Nachfrage eines Journalisten fast nebenbei die Öffnung der deutsch-deutschen Grenze ausgelöst.

"Wenn mich mein Freund fragt, dann sage ich ja"

Welche Konsequenz er aus der historischen Entscheidung zieht, ist für Köppe noch nicht klar. Seit zwölf Jahren sind er und sein Freund ein Paar. Auch das mag nicht ins Klischee passen, das mancher Gegner der Ehe für alle hat. Ob Köppe nun wirklich heiratet? Er lacht und sagt: "Wenn mich mein Freund fragt, dann sage ich ja."

Mit Informationen von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 30. Juni 2017 um 01:00 Uhr.

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