Bundesbildungsministerin Anja Karliczek | Bildquelle: REUTERS

Kritik an Karliczek "Scheinargumente" gegen Ehe für alle?

Stand: 22.11.2018 09:48 Uhr

"Ärgerliche Realitätsverweigerung" und "hinterwäldlerische Haltung": Bundesbildungsministerin Karliczek ist mit ihren Äußerungen zur Ehe für alle bei der Opposition angeeckt. Auch eine Kabinettskollegin widersprach ihr.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ist nach ihren Interview-Äußerungen zur Ehe für alle parteiübergreifend kritisiert worden.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) machte in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschlands deutlich: "Schon heute belegen Studien, dass sich Kinder in homosexuellen Partnerschaften genauso gut entwickeln wie in Familien mit Mutter und Vater." Was zähle, sei ein ein liebevolles Familienklima für Kinder, sagte die SPD-Politikerin.

"Unsachgemäße Scheinargumente"

Auch Politiker von Grünen und Linkspartei äußerten sich kritisch. Die Linkspartei-Abgeordnete Doris Achelwilm sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, dass Karliczek die Lebensbedingungen von Kindern mit gleichgeschlechtlichen Eltern nicht ausreichend erforscht sehe, sei "ärgerliche Realitätsverweigerung".

Karliczek kleide "Vorurteile in unsachgemäße Scheinargumente". Ähnlich wie Giffey sagte Achelwilm, Gesellschaft und Wissenschaft würden ausreichend Belege liefern, dass es Kindern aus sogenannten Regenbogenfamilien nicht schlechter gehe als anderen.

Familienministerin Giffey und Bildungsministerin Karliczek | Bildquelle: AP
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Familienministerin Giffey - hier mit Karliczek - widersprach deren Position.

Die Aussage der Bildungsministerin, dass die Einführung der Ehe für alle nicht ausreichend gesellschaftlich debattiert worden sei, sei "diskriminierender Unsinn", sagte Achelwilm. "Die Ehe für alle konnte 2017 im Bundestag deswegen beschlossen werden, weil die Mehrheit der Bevölkerung längst dafür war."

Der Grünen-Abgeordnete Sven Lehmann warf der Ministerin eine "hinterwäldlerische Haltung" vor. Karliczek habe "offenbar die letzten Jahrzehnte geschlafen", sagte Lehmann den Funke-Zeitungen. Es gebe zahlreiche Studien über Kinder gleichgeschlechtlicher Elternpaare.

Karliczek stimmte gegen die Ehe für alle

Karliczek hatte sich in einem Interview mit dem Nachrichtensender n-tv für eine Langzeitstudie zur Frage ausgesprochen, welche Auswirkungen gleichgeschlechtliche Elternschaft auf Kinder hat. Es gehe um die Frage, "ändert es grundsätzlich etwas". Zugleich kritisierte sie, die Ehe für alle sei überstürzt eingeführt worden.

Im Juni vergangenen Jahres hatte der Bundestag die Einführung der Ehe für alle mit großer Mehrheit beschlossen. 623 der insgesamt 630 Parlamentarier waren - zum Teil vom Krankenbett - ins Parlament gekommen. Insgesamt votierten 393 Parlamentarier mit Ja - Karliczek stimmte damals mit Nein.

Karliczek erntet Kritik für Äußerungen zu Kindern in gleichgeschlechtlichen Ehen
Julia Barth, ARD Berlin
22.11.2018 11:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2018 um 08:00 Uhr.

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