Farid Bang und Kollegah | Bildquelle: dpa

Nach Echo-Eklat Plattenfirma zieht Konsequenzen

Stand: 19.04.2018 21:29 Uhr

Die Plattenfirma BMG setzt nach dem Echo-Eklat die Zusammenarbeit mit den Rappern Kollegah und Farid Bang aus. Zugleich verteidigt sie jedoch deren als antisemitisch kritisierten Texte.

Hartwig Masuch | Bildquelle: picture alliance / dpa
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"Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen", sagte BMG-Chef Hartwig Masuch

Nach dem Eklat um die Echo-Auszeichnung für ein als judenfeindlich kritisiertes Album hat die Plattenfirma Bertelsmann Music Group (BMG) die Zusammenarbeit mit den Rappern Kollegah und Farid Bang zunächst ausgesetzt.

Vorerst kein neues Album

"Wir hatten den Vertrag über ein Album. Jetzt lassen wir die Aktivitäten ruhen, um die Haltung beider Parteien zu besprechen", sagte BMG-Chef Hartwig Masuch der Online-Ausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".  Zudem kündigte die Plattenfirma an, mit 100.000 Euro eine Kampagne gegen Antisemitismus zu fördern.

BMG verteidigt umstrittene Zeilen

Zuvor hatte BMG die kritisierten Texte noch verteidigt: "Wir sagen unseren Künstlern nicht, was ihre Texte enthalten sollten und was nicht", hieß es in einer Stellungnahme. Zudem versuchte der Konzern, die Kritik mit dem kommerziellen Erfolg des umstrittenen Albums zu relativieren:

"Zweifellos haben einige Songtexte auf JBG3 viele Menschen zutiefst verletzt. Andererseits waren viele Menschen ganz klar nicht so sehr verletzt, insofern, dass es zu einem der meistverkauften Alben des vergangenen Jahres in Deutschland wurde."

Auschwitz-Komittee kritisiert Zynismus

Christoph Heubner | Bildquelle: picture alliance / ZB
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Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee warf den Verantwortlichen der Plattenfirma in einer Mitteilung "Zynismus" vor.

Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee warf den Verantwortlichen der Plattenfirma in einer Mitteilung "Zynismus" vor. Dieser beschreibe "genau das Dilemma unserer Gesellschaft, in der ein rohes Wegrutschen junger Menschen aufgrund einer sinn- und werteentleerten Unternehmenspolitik und einer ausschließlich am Gewinnstreben orientierten Publikationsstrategie immer möglicher erscheint." Dies alles mit dem Anspruch zu verknüpfen, die künstlerische Freiheit zu verteidigen, sei "pure Heuchelei".

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 19. April 2018 um 20:23 Uhr.

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