Der Sänger Marius Müller-Westernhagen hält den Deutschen Musikpreises Echo in der Hand.  | Bildquelle: dpa

Protest gegen Musikpreis Westernhagen gibt alle Echos zurück

Stand: 17.04.2018 16:56 Uhr

Die Proteste gegen den Musikpreis Echo werden immer lauter: Nun will auch Marius Müller-Westernhagen alle seine Echos zurückgeben - wegen der umstrittenen Auszeichnung zweier Rapper.

Marius Müller-Westernhagen will nach den Antisemitismus-Schlagzeilen um den Musikpreis Echo alle seine Trophäen zurückgeben. "Die Verherrlichung von Erfolg und Popularität um jeden Preis demotiviert die Kreativen und nimmt dem künstlerischen Anspruch die Luft zum Atmen", erklärte der Musiker auf Facebook. "Eine neue Stufe der Verrohung ist erreicht."

"Ich bin nicht der Meinung, dass die mit dem ECHO ausgezeichneten Rapper Antisemiten sind. Sie sind einfach erschreckend ignorant", schrieb Müller-Westernhagen. Der 69-Jährige wurde insgesamt acht Mal mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet - zuletzt 2017 als Würdigung seines Lebenswerkes.

Am vergangenen Donnerstag waren die Rapper Kollegah und Farid Bang für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet worden. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow". Dass diese Musik beim Echo preiswürdig ist, hatte heftige Kritik und eine Debatte um Antisemitismus ausgelöst.

Kritik an Echo-Vergabe
tagesschau 20:00 Uhr , 17.04.2018, Andreas Hilmer, NDR

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Veranstalter entschuldigt sich

Der Veranstalter des Musikpreises räumte Fehler ein und entschuldigte sich. Florian Drücke, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes Musikindustrie, schrieb in einem Brief an die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch: "Wir entschuldigen uns ausdrücklich dafür - bei Ihnen und allen anderen Menschen, deren Gefühle wir verletzt haben." Knobloch hatte die Auszeichnung als "verheerendes Zeichen" bezeichnet.

"Wir als Vorstand haben das falsch bewertet und wollten uns an der falschen Stelle für die künstlerische Freiheit einsetzen", erklärte Drücke. Das Geschehene sei nicht mehr rückgängig zu machen. "Wir können allerdings vermeiden, dass solche Fehler in Zukunft wieder geschehen."

Igor Levit | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Auch der Pianist Igor Levit gibt seinen Echo zurück.

Immer mehr Musiker geben Echo zurück

In den vergangenen Tagen gaben schon zahlreiche Musiker ihre Echos zurück - zuletzt Dirigent Enoch zu Guttenberg und der Pianist Igor Levit. Außerdem kündigte der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, an, sich aus dem Beirat des Musikpreises zurückzuziehen. Er nannte die Auszeichnung der Rapper einen "vollkommen verantwortungslosen, unfassbaren Fehltritt der Echo-Jury und gleichzeitig auch Ausdruck für den derzeitigen Zustand unsere Gesellschaft".

Der Dirigent Enoch zu Gutenberg und Andreas Reiner vom Orchester Klangverwaltung schrieben in einem offenen Brief: "Nachdem solch ein Preis nun im Jahr 2018 auch Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten verliehen und noch dazu vom 'Ethikrat' Ihres Verbandes bedenkenlos freigegeben wurde, würden wir es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis in unseren Händen zu halten."

Farid Bang und Kollegah | Bildquelle: dpa
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Die Verleihung des Echos an die beiden Rapper Farid Bang und Kollegah hat eine heftige Diskussion ausgelöst.

Peter Maffay fordert Rücktritt

Höppner zeigte sich selbstkritisch, als er seinen Rückzug aus dem Beirat begründete: "Diese Entscheidung war ein Fehler. Unzweifelhaft stehen die Mitglieder des Beirats und die in ihr vertretenen Organisationen ohne Wenn und Aber gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt."

Zuvor hatte auch der Musiker und Grafiker Klaus Voormann den Echo für sein Lebenswerk zurückgegeben - ebenso wie das Notos Quartett aus Berlin, das seinen Echo Klassik nicht mehr behalten möchte. Der Sänger Peter Maffay forderte die Verantwortlichen zum Rücktritt auf.

Konzept soll überarbeitet werden

Derzeit wird der Echo, der wichtigste deutsche Musikpreis, nach Verkaufszahlen und Juryempfehlung vergeben. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre. Der Bundesverband Musikindustrie kündigte angesichts der Proteste an, das Konzept des Preises zu überarbeiten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. April 2018 um 17:00 Uhr.

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