Igor Levit | Bildquelle: picture alliance / dpa

Protest gegen Musikpreis Weitere Künstler geben Echo zurück

Stand: 17.04.2018 12:09 Uhr

Nach der umstrittenen Musik-Auszeichnung für die Rapper Kollegah und Farid Band geben weitere Musiker ihre Echos zurück. Auch aus dem Beirat des Musikpreises gibt es einen ersten Rückzug.

Aus Protest gegen die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang haben nun auch der Dirigent Enoch zu Guttenberg und der Pianist Igor Levit den Preis zurück gegeben. Außerdem hat der Präsident des Deutschen Kulturrats, Christian Höppner, angekündigt, sich aus dem Beirat des Musikpreises zurückzuziehen.

"Unfassbarer Fehltritt der Echo-Jury"

Die Vergabe an die beiden Rapper ist für Igor Levit "ein vollkommen verantwortungsloser, unfassbarer Fehltritt der Echo-Jury und gleichzeitig auch Ausdruck für den derzeitigen Zustand unsere Gesellschaft", so der Pianist auf Twitter. "Antisemitischen Parolen eine solche Plattform und Auszeichnungen zu geben, ist unerträglich."

"Schmutziges Menetekel für die Entwicklung in unserem Land"

Der Dirigent Enoch zu Gutenberg und Andreas Reiner vom Orchester Klangverwaltung schrieben in einem offenen Brief: "Nachdem solch ein Preis nun im Jahr 2018 auch Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten verliehen und noch dazu vom "Ethikrat" Ihres Verbandes bedenkenlos freigegeben wurde, würden wir es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis in unseren Händen zu halten."

Guttenberg und das Orchester hatten 2008 einen Echo Klassik für ihre Einspielung der vierten Symphonie von Anton Bruckner bekommen. "Das einstige Symbol für gute künstlerische Arbeit hat sich in ein schmutziges Menetekel für eine Entwicklung in unserem Land verwandelt, die uns mit tiefster Sorge erfüllt", hieß es in dem offenen Brief an den Bundesverband Musikindustrie weiter.

Farid Bang und Kollegah | Bildquelle: dpa
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Die Verleihung des Echos an die beiden Rapper Farid Bang und Kollegah hat eine heftige Diskussion ausgelöst.

"Die Texte finde ich widerlich"

Doch nicht nur Echos werden zurückgegeben, es gab auch einen Rückzug aus dem Beirat des Musikpreises: Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrats, sagte: "Auch wenn Gangsta-Rap, der als Genre seit über 30 Jahren existiert, mit seinen spezifischen Ausdrucksformen und Stilmitteln auf Provokation und Grenzüberschreitung angelegt ist, sage ich klar: ihre Musik ist nicht meine und die Texte finde ich widerlich".

Dennoch habe sich der Beirat in Abwägung zwischen Kunstfreiheit und Nichtzulassung zu Gunsten der Kunstfreiheit durchgerungen. "Diese Entscheidung war ein Fehler. Unzweifelhaft stehen die Mitglieder des Beirats und die in ihr vertretenen Organisationen ohne wenn und aber gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt."

Künstlerische Freiheit nicht übertreten

Derzeit wird der Echo, der wichtigste deutsche Musikpreis, nach Verkaufszahlen und Juryempfehlung vergeben. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hieß es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text "nicht so wesentlich übertreten", dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre.

Am vergangenen Donnerstag waren die beiden Rapper Kollegah und Farid Band mit dem Musikpreis für ihr Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet worden, das als antisemitisch kritisiert wird. Es enthält Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

Echo-Konzept soll überarbeitet werden

Auch der Musiker und Grafiker Klaus Voormann hatte den erst vor wenigen Tagen überreichten Echo für sein Lebenswerk zurückgegeben. Das Notos Quartett aus Berlin hatte auch erklärt, seinen Echo Klassik vom vergangenen Herbst zurückzugeben. Der Sänger Peter Maffay forderte die Verantwortlichen zum Rücktritt auf.

Auch andere Musiker und Kulturschaffende machten ihrem Unmut Luft. Der Bundesverband Musikindustrie kündigte angesichts der Proteste an, das Konzept des Preises zu überarbeiten.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 17. April 2018 um 11:04 Uhr.

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