Die Spurensicherung der italienischen Polizei hat in Mailand Beweismittel markiert | Bildquelle: dpa

Anschlag in Berlin Eine Pistole, zwei Tatorte

Stand: 04.01.2017 11:46 Uhr

Mit derselben Waffe, mit der bei dem Weihnachtsmarkt-Anschlag in Berlin ein polnischer Lkw-Fahrer erschossen worden ist, wurde auch auf Polizisten in Italien gefeuert. Die Ermittlungen konzentrieren sich nun auf Kontaktmänner des mutmaßlichen Täters.

Die Waffe, mit der der mutmaßliche Attentäter Anis Amri auf Polizisten bei Mailand geschossen hat, ist dieselbe, mit der ein Lkw-Fahrer aus Polen beim Anschlag in Berlin getötet wurde. Das habe eine ballistische Untersuchung ergeben, teilte die italienische Polizei auf Twitter mit. Für den Abgleich hatte Deutschland einen Projektil-Abguss nach Italien geschickt.

Amri wurde wenige Tage nach dem Anschlag von Polizisten in Sesto San Giovanni bei Mailand bei einer Routinekontrolle getötet. Zuvor hatte er auf die Beamten geschossen.

Fokus auf Kontaktpersonen

Mittlerweile fokussieren sich die Ermittler auf Kontaktmänner des mutmaßlichen Täters Anis Amri. Durchsucht wurde zum einen die Wohnung eines Mannes, der früher mit Amri zusammengewohnt haben soll. Nun lebt der Mann in einer anderen Wohnung in Berlin und die Ermittler wollen prüfen, ob Anis Amri dort kurz vor oder nach der Tat aufgetaucht ist. Der Mann gilt für die Ermittler derzeit als Zeuge.

Für die Ermittler wesentlich interessanter scheint die Durchsuchung in einem Berliner Flüchtlingswohnheim zu sein. Diese Durchsuchung wurde nach SWR-Informationen von der Spezialeinheit GSG9 der Bundespolizei durchgeführt und der betroffene 26-jährige Tunesier gilt für die Bundesanwaltschaft als Beschuldigter.

Das heißt, der Generalbundesanwalt sieht hinreichende Anhaltspunkte, dass der Mann am Anschlag auf den Breitscheidplatz beteiligt gewesen sein könnte. Einen Haftbefehl beantragten die Ermittler in Karlsruhe allerdings zunächst nicht. Trotzdem wurde der 26-Jährige vorläufig festgenommen, die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelt in einem anderen Verfahren gegen ihn.

Laut dem ARD-Terrorismusexperten Holger Schmidt hatte der Tunesier vor der Tat mit Amri "so intensiven Kontakt, dass sich die Ermittler fragen, ob er als Helfer beteiligt gewesen sein kann. Für die Bundesanwaltschaft ist das so konkret, dass man den Mann jetzt auch namentlich als Beschuldigten in dem Ermittlungsverfahren führt", sagte Schmidt in den tagesthemen. Welche Rolle er bei der Tat gespielt haben könnte, sei aber unklar.

Konkreter Verdacht?

Die Bundesanwaltschaft teilte mit, sie werde im Laufe des Mittwochs über den Stand der Ermittlungen informieren. Erst am Donnerstag vergangener Woche war ein als Kontaktmann Amris verdächtigter Tunesier wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Mehr zum Thema

Bei dem Anschlag mit einem Lastwagen auf einem Berliner Weihnachtsmarkt waren am 19. Dezember zwölf Menschen getötet und mehr als 50 verletzt worden. Der Täter soll der 24-jährige Tunesier Anis Amri gewesen sein. Er wurde in Italien von der Polizei erschossen.

Mit Informationen von Holger Schmidt, ARD-Terrorismusexperte

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 03. Januar 2017 um 22:40 Uhr und tagesschau24 am 04. Januar 2017 um 15:30 Uhr.

Darstellung: