Ein Kind legt seinen Kopf auf Arme und Knie | Bildquelle: picture alliance / Bildagentur-o

Sexueller Kindesmissbrauch Kommission will Dunkelziffer senken

Stand: 03.09.2018 11:53 Uhr

Bei sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen ist die Dunkelziffer hoch. Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs will dies durch eine Reihe von Maßnahmen ändern.

Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs will Missbrauchsopfern den Gang zur Justiz erleichtern. Bislang scheuten die meisten Opfer die Einschaltung von Polizei und Gerichten, heißt es in einem in Berlin vorgelegten Papier des Gremiums. Die Betroffenen fürchteten, ihnen werde unsensibel begegnet und nicht geglaubt. Sie würden auf eine Anzeige verzichten, weil sie mit einer Einstellung des Verfahrens, einer milden Strafe oder Freispruch rechneten.

Laut der Kommission wurde 2017 in rund 13.000 Fällen Anzeige erstattet; das seien nach Schätzungen nur rund 20 Prozent der tatsächlichen Straftaten. Die Experten sprechen sich unter anderem für eine systematische Professionalisierung von Richtern und Staatsanwälten aus, die mit Jugendschutzverfahren befasst sind.

Forderung nach mehr Personal und Spezialisten

Sie empfehlen deshalb die Einrichtung von regionalen Kompetenzzentren, Schwerpunktstaatsanwaltschaften und -gerichten, wie es etwa bei Wirtschaftsstrafsachen üblich sei. Die gerichtlichen Verfahren müssten dann "vorrangig und ohne Verzögerung bearbeitet werden", weil langwierige Gerichtsprozesse bei den Betroffenen zu "hoher psychischer Belastung" führten. 

Zudem forderte die Kommission eine bessere Aus- und Fortbildung des Personals. "Um eine wirklich kindgerechte und betroffenensensible Ausgestaltung der Verfahren zu erreichen, ist eine systematische Professionalisierung der Staatsanwältinnen und Staatsanwälte, Richterinnen und Richter, die mit Jugendschutzverfahren befasst sind, durch verbesserte Aus- und Fortbildung unumgänglich", erklärte Kommissionsmitglied Brigitte Tilmann.

Sabine Andresen, Vorsitzende der Kindesmissbrauchs-Kommission
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Die Kommissionsvorsitzende Andresen ermutigt die Opfer zu Anzeigen.

Opfer sollen zur Anzeige ermutigt werden

Die Kommissionsvorsitzende Sabine Andresen forderte, mehr Opfer zu Strafanzeigen zu ermutigen. "Der Wert einer Strafanzeige liegt nicht nur in einer Verurteilung der Täter oder Täterinnen", erklärte sie. "Durch sie wird auch das Schweigen durchbrochen."

Die Kommission hatte im Mai 2016 ihre Arbeit aufgenommen. Sie untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR.

Über dieses Thema berichtete Bayern2 in der Sendung "radioWelt" am 27. Juni 2018 um 06:05 Uhr und NDR 1 "Niedersachen Aktuell" am 21. August 2018 um 08:00 Uhr. Bereits am 14. Juni 2017 wurde im ARD-Morgenmagazin um 07:40 Uhr und in der tagesschau u.a. um 12:00 Uhr und 16:00 Uhr berichtet.

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