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Drosten zur Omikron-Variante "Wir brauchen jetzt schnelle Entscheidungen"

Stand: 09.12.2021 19:32 Uhr

Der Virologe Drosten hält die Omikron-Variante für besorgniserregend. Der Blick nach Südafrika habe gezeigt, wie rasant sie sich verbreitet und wie gefährlich sie auch für Kinder sein kann. Deutschland müsse schnell handeln und vor allem boostern, sagte er in den tagesthemen.

Der Virologe Christian Drosten hat sich in den tagesthemen besorgt über die neue Coronavirus-Variante Omikron geäußert. Daten aus mehreren Ländern wie Südafrika, Dänemark und England zeigten, dass sich das Infektionsgeschehen etwa alle drei Tage verdoppele. "Das ist deutlich schneller als das, was wir von der Delta-Variante gewohnt waren."

Zu den bisherigen Erfahrungen mit der Variante in Südafrika, wo Omikron erstmals entdeckt und untersucht wurde, sagte er: "Wir wissen, dass die Krankheitsschwere dort geringer ausgeprägt ist. Wir verstehen aber nicht ganz genau, wie das zu deuten ist. Dort geht ein Drittel der Fälle ins Krankenhaus, und wenn sie im Krankenhaus sind, dann haben sie nur so etwa ein Drittel der schweren Verläufe", so Drosten. Das wäre aber nur eine Faustregel und seien keine genauen Zahlen.

Man müsse sich die Frage stellen, wie die Infektion mit dem Omikron-Virus bei denjenigen verlaufe, die noch nicht infiziert gewesen und auch nicht geimpft seien. "Da machen mir die Informationen aus Südafrika verstärkt Sorgen", so Drosten. "Was man dort sieht, ist, dass gerade die jüngsten Kinder unter fünf Jahren verstärkt ins Krankenhaus müssen mit schweren Verläufen."

Schwere Verläufe bei Ungeimpften zu befürchten

Dabei müsse man berücksichtigen, dass in Südafrika praktisch die ganze Bevölkerung mit diesem Virus infiziert war oder geimpft war. "Das könnte man umlegen auf die deutsche Situation und befürchten, dass Ungeimpfte, Ungenesene doch schwere Verläufe bekommen mit dem Virus."

Es müssten jetzt schnell Entscheidungen getroffen werden, so Drosten, denn die Vermehrung des Virus sei schnell. Sie könnte in Deutschland etwas langsamer sein als in England, weil dort im Prinzip keine Kontrollmaßnahmen mehr in Kraft seien. "Das können wir uns noch zugute halten, aber das wird kein großer Unterschied sein."

"Jeder der kann, muss sich jetzt boostern lassen"

Zur Wirksamkeit der vorhanden Impfstoffe sagte Drosten: "Die Immunität ist deutlich abgeschwächt, aber nicht null. Wer geboostert ist, hat vielleicht ungefähr so ein Immunitätsniveau wie vorher jemand, der doppelt geimpft war und ein paar Monate hat vergehen lassen."

Er betonte erneut die Wichtigkeit der Impfung: "Jeder der kann, muss sich jetzt boostern lassen. Alle Ungeimpften müssen sich hinsetzen und ganz genau nachdenken, ob sie wirklich das aufrechterhalten wollen, angesichts auch dieser neuen Gefahr. Dieses Virus wird auch die Ungeimpften treffen." Noch immer gebe es bei den über 60-Jährigen eine viel zu große Impflücke in Deutschland, aber auch bei den Jüngeren.

Auch müsse der Impfstoff angepasst werden, so Drosten, der neue Impfstoff werde aber erst nach der jetzigen Winterwelle verfügbar sein. BioNTech habe einen speziellen Impfstoff gegen Omikron für Anfang März angekündigt. Realistisch werde man diesen aber erst Ende April/Mai verimpfen können.

Froh über STIKO-Empfehlung für Kinder

Über die STIKO-Empfehlung für die Kinderimpfungen sei er froh. Er könne nur raten, die Kinder impfen zu lassen, wegen des Schulbetriebs, der eigenen Erkrankung und auch in Hinblick auf Südafrika - sollte es sich bewahrheiten, dass die Verläufe mit Omikron schwerer sind bei den Kindern.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Nächstes, übernächstes Jahr oder auch in drei Jahren werde Corona ein normales Erkältungsvirus sein. Dann müsse die Impfung nur noch im Winter aufgefrischt werden, und vielleicht auch nicht mehr die ganze Bevölkerung. "Da laufen wir drauf zu", so Drosten.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. Dezember 2021 um 22:30 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sausevind 09.12.2021 • 23:50 Uhr

23:32 Uhr von Dany39

"Ist ja schön wenn jetzt alle… fordern das wir uns boostern lassen sollen. Nur leider sind dafür die Bürokratie und der Impfstoffmangel im Weg." ,.,., Ich bin vor einer knappen Woche geboostert worden. Die mobilen Impfstellen gibt es wie Sand am Meer. Man stellt sich an, und anschließend hat man die dritte Impfung. Keine Bürokratie, kein Impfstoffmangel. Wenn es um mein Leben geht, dann philosophiere ich nicht vorher, ob die Lügner Recht haben. Ich will nicht auf einer Intenstivstation ersticken.