Anwältin von Sami A.  | Bildquelle: dpa

Schreiben von "NSU 2.0" Neue Drohungen gegen Opfer-Anwältin

Stand: 14.01.2019 08:38 Uhr

Nachdem sie im NSU-Prozess Opfer vertreten hatte, wurde die Anwältin Basay-Yildiz bedroht. Die Spur führte zu hessischen Polizisten. Nun ist ein neues Schreiben aufgetaucht - wieder unterschrieben mit "NSU 2.0".

Die türkischstämmige Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz ist erneut bedroht worden. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" erhielt sie ein Drohfax, das mit "NSU 2.0" unterschrieben war. Mit diesen Worten endete bereits ein Schreiben, das die Juristin vor Monaten erreichte. Darin hatten Unbekannte gedroht, ihre mit Namen und Adresse genannte kleine Tochter "abzuschlachten".

Bei Ermittlungen war herausgekommen, dass ihre Meldeanschrift von einer Frankfurter Polizistin abgerufen worden war. Gegen sie und weitere Beamte wird ermittelt.

Drohfax nimmt Bezug auf Ermittlungen

In dem neuen Schreiben werden die Namen von Basay-Yildiz' Eltern, ihres Mannes und ihrer Tochter genannt. Sie alle sind unter ihrer Adresse gemeldet. "So etwas kann man nicht über die sozialen Netzwerke herausfinden", sagte die Anwältin der "SZ". "Mein Vater ist 79, der ist nicht auf Facebook oder sonst wo aktiv."

Dem Bericht zufolge wird in dem neuen Fax Bezug auf die Suspendierung der Beamten genommen, auch die Tochter der Anwältin wird erneut bedroht. "Dir hirntoten Scheißdöner ist offensichtlich nicht bewusst, was du unseren Polizeikollegen angetan hast!", heißt es demnach darin.

Die "SZ" berichtet, dass die Polizei Basay-Yildiz angeboten haben soll, für sie einen Waffenschein zu besorgen. "Ich soll mich bewaffnen? In Deutschland? Nur, um meiner Arbeit als Anwältin nachzugehen?", sagte die Juristin der Zeitung.

Anwältin vertrat NSU-Opfer

Seit der Anzeige der Anwältin im August 2018 ermittelte die Polizei. Dabei fand sie heraus, dass Hintergrundwissen über die Anwältin aus dem polizeilichen Informationssystem eines Computers einer Beamtin des 1. Reviers in Frankfurt am Main abgefragt worden war. Im Zuge der weiteren Ermittlungen wurde eine mutmaßlich rechtsextreme Chatgruppe in der Frankfurter Polizei aufgedeckt. Sechs Beamte wurden vom Dienst suspendiert. Bisher machten sie keine Angaben.

Basay-Yildiz hatte im Prozess um den rechtsterroristischen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) Opfer vertreten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 14. Januar 2019 um 06:00 Uhr.

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