Eine Polizistin der Spurensicherung steht in einer Cannabis-Plantage.

Alternativer Drogenbericht vorgestellt Richtig helfen, statt nur zu bestrafen

Stand: 18.05.2015 14:55 Uhr

Überholt und nicht mehr effektiv: Suchtexperten fordern in einem alternativen Drogen- und Suchtbericht - ein Umdenken der Politik. Ihnen zufolge führt der bisherige Weg nicht dazu, dass Drogenkonsum und Drogenkriminalität zurückgehen.

Von Andreas Reuter, HR, ARD-Hauptstadtstudio

Die Drogenpolitik der Verbote ist gescheitert, da waren sich alle auf dem Podium einig. Experten, Interessenvertreter, Betroffene. In drei Vierteln aller Drogendelikte, die 2014 festgestellt wurden, seien nur geringfügige Drogenmengen für den Eigenbedarf im Spiel gewesen, berichtete Professor Heino Stöver vom Institut für Suchtforschung an der Frankfurt University of Applied Sciences. Rund 180.000 Fälle also, die später vor Gericht wieder eingestellt wurden.

"Die Polizei arbeitet zum großen Teil für den Papierkorb. Das können wir uns aus vielerlei Gründen nicht mehr leisten. Einmal, weil es eine Unsumme von Geldern verschlingt, die wir besser für Prävention, Beratung und Behandlung einsetzen könnten. Aber es hat natürlich auch viele schlechte Kollateralschäden für den Einzelnen", sagt Stöver.

"Mit Schwäche bewusst spielen"

Dass schlechte Drogen konsumiert werden, weil auf dem Schwarzmarkt niemand die Qualität kontrolliert, dass sich mafiöse Strukturen ausbilden und Abhängige Verbrechen begehen, um das Geld für den astronomisch teuren Stoff zu beschaffen. Und dann eben doch im Gefängnis landen. Marco Jesse, der sich bei "JES" engagiert, dem Verband Junkies, Ehemalige und Substituierte, hat sich vorher zehn Jahre in der illegalen Drogenszene durchgeschlagen.

Er hat am eigenen Leib erfahren, wie es ist, als Drogenabhängiger verhaftet zu werden: "Über kurz oder lang setzt in aller Regel der Entzug ein", sagt Jesse. "Das heißt, es geht einem massiv körperlich schlecht. Mit dieser Schwäche wird natürlich auch ganz bewusst gespielt. Das weiß auch mein Gegenüber, dass mir die Zeit wegläuft, ihm nicht. 48 Stunden kann man in Polizeigewahrsam auch festgehalten werden. Und in 48 Stunden ist man auf jeden Fall irgendwann an dem Punkt, an dem man bereit ist, im Zweifelsfall jede Aussage zu unterschreiben. Hauptsache, es geht einen Schritt weiter."

Strafverfolgung verschlingt viel Geld

Strafverfolgung nütze niemandem und verschlinge viel Geld, sagt auch die Deutsche Aids-Hilfe. Zwang und Strafe führten jedenfalls nicht zu gesundheitsbewusstem Verhalten. Scheuklappen müssten abgelegt werden, der Staat müsse akzeptieren, dass manche Menschen eben Drogen konsumierten. Darum müsse Cannabis staatlich kontrolliert, aber legal abgegeben werden, so wie es Grüne und Linkspartei schon länger fordern, und neuerdings auch die FDP. 

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