Drogenfund in Hamburg | Bildquelle: dpa

BKA-Lagebericht Kokain wird größeres Problem

Stand: 08.09.2020 13:34 Uhr

Kokain ist in Deutschland offenbar keine "Elite-Droge" mehr. Laut BKA konsumieren vermehrt junge Menschen die Droge. Auch insgesamt nahm die Zahl der Drogen-Delikte zu, wie der Lagebericht der Ermittler zeigt.

Im vergangenen Jahr sind in Deutschland insgesamt 359.747 Drogendelikte registriert worden. Das sind 2,6 Prozent mehr als im Vorjahr, wie aus dem Lagebericht des Bundeskriminalamts (BKA) zur Rauschgiftkriminalität hervorgeht.

Münch: Keine "Elite-Droge"

Der mit Abstand größte Anstieg wurde bei Kokain-Delikten registriert. Die Zahl der erfassten Straftaten stieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als zwölf Prozent auf 20.107 Fälle. Man stelle fest, dass es sich bei Kokain nicht mehr um eine "Elite-Droge" handele, sagte BKA-Chef Holger Münch. Auch junge Menschen griffen vermehrt zu Kokain. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Daniela Ludwig (CSU) kündigte an, die Kokain-Prävention zu einem neuen Schwerpunkt ihrer Arbeit zu machen:

"Wir sprechen ständig über Alkohol oder Tabak, wir müssen die Scheu ablegen auch über illegale Drogen zu reden, gerade wenn ich mir die Entwicklung bei Kokain anschaue."

Die größte bislang in Deutschland sichergestellte Menge von Kokain hatte der Zoll im Juli 2019 bei einer Routinekontrolle im Hamburger Hafen entdeckt. In einem Container mit Sojabohnen, der aus Uruguay über Hamburg nach Belgien transportiert werden sollte, waren 4,5 Tonnen Kokain versteckt. Geschätzter Straßenverkaufswert: fast eine Milliarde Euro.

Keine Corona-Krise beim Drogenhandel

Obwohl der Drogenschmuggel durch Kuriere und der Straßenverkauf von Rauschgift in diesem Jahr durch Beschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie erschwert wurden, stellte die Polizei in den vergangenen Monaten laut Münch "keine Knappheit auf dem Markt" fest.

Rauschgift sei weiter hergestellt sowie per Luftfracht und auf dem Seeweg transportiert worden. Auch der Konsum sei wohl konstant geblieben. Die Drogenhändler hätten sich sehr schnell umgestellt: die Bestellung über Internet-Plattformen und der Versand kleinerer Mengen per Post - bevorzugt an Packstationen - hätten weiter zugenommen. "Die meisten Rauschgiftarten kommen aus dem Ausland", so Münch. Lediglich bei synthetischen Drogen werde ein Zuwachs in Deutschland registriert.

NRW als Umschlagsplatz

Dem Rauschgift-Lagebild zufolge kommt Deutschland - und insbesondere Nordrhein-Westfalen - eine bedeutende Funktion als Zwischenlager und Transitstaat für Chemikalien zu, die zur Rauschgiftherstellung in den Niederlanden bestimmt sind. NRW wird von den Betreibern niederländischer Drogenlabors nach Erkenntnissen der Polizei häufig auch als Müllkippe missbraucht.

Die Zahl der Straftaten durch Drogenhandel und -konsum stieg das neunte Jahr in Folge an. Das BKA geht davon aus, dass dies nicht nur das Ergebnis erfolgreicher Fahndung ist. Vielmehr sieht die Behörde in dem Anstieg auch einen Hinweis darauf, dass hierzulande mehr illegale Drogen konsumiert werden. Denn das Kontrollniveau war 2019 laut BKA-Chef Münch etwa so hoch wie im Jahr zuvor.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 08. September 2020 um 10:45 Uhr.

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