Ein Mann blättert in der Zentralen Namenskartei des Internationalen Suchdienstes (ITS) des Roten Kreuzes in einem Karteikasten. | Bildquelle: picture alliance/dpa

Steigende Nachfrage Suche nach Weltkriegs-Vermissten geht weiter

Stand: 26.08.2020 13:39 Uhr

Auch 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs werden noch Nachforschungen zu Vermissten durchgeführt - Tendenz steigend. Der DRK-Suchdienst setzt deshalb - anders als zunächst geplant - seine Arbeit fort.

Der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zu Weltkriegsanfragen läuft weiter. Der Dienst, der vom Bundesinnenministerium finanziert wird, werde bis 2025 fortgeführt und nicht wie zunächst geplant 2023 beendet. Das gab DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt bekannt.

Die Anträge zu Weltkriegsvermissten seien zuletzt sogar noch gestiegen. Für dieses Jahr rechnet das DRK mit rund 11.000 Anfragen, im Jahr zuvor waren es etwa 10.000 gewesen. Das Fortführen der Weltkriegssuche sei daher ein "hervorragendes Zeichen der Humanität", so Hasselfeldt.

75-Jahr-Gedenken sorgt für erhöhte Nachfrage

Der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Markus Kerber, betonte, dass das gesellschaftliche Interesse an den Schicksalen von Weltkriegsvermissten weiterhin hoch sei. Das habe sich noch einmal verstärkt gezeigt in diesem Jahr - rund um das 75-Jahr-Gedenken des Kriegsendes. "Familien haben ein langes, sich über Generationen erstreckendes Gedächtnis", betonte Kerber. Daher sei das Verlangen, die familiäre Historie auszuarbeiten, sehr groß.

Der DRK-Suchdienst sucht seit mehr als 70 Jahren im Auftrag der Bundesregierung nach Vermissten des Zweiten Weltkriegs. Darüber hinaus fahndet er auch nach Menschen, die infolge aktueller bewaffneter Konflikte und Katastrophen von ihren Angehörigen getrennt wurden.

Rückgang der Suchanfragen blieb aus

Im Mai hatten DRK und Bundesinnenministerium angekündigt, die Suche nach Weltkriegsvermissten 2023 einzustellen, weil man zuletzt von einem Rückgang der Suchanfragen ausging. Dies rief Widerstand aus der Politik hervor. Auch der Bund der Vertriebenen hatte sich für eine Fortsetzung stark gemacht.

Die Suche Vermisster aktueller Konflikte und Katastrophen werde auch nach 2025 weitergeführt, betonte Hasselfeldt. Hierzu gab es im vergangenen Jahr rund 2100 Anfragen. Das Ministerium finanziert den gesamten DRK-Suchdienst mit zuletzt insgesamt elf Millionen Euro pro Jahr, wobei etwa 15 bis 20 Prozent auf die Weltkriegsanfragen entfallen.

Über dieses Thema berichtete DAS! am 02. August 2020 um 18:45 Uhr.

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