In einem Karteikasten des Internationalen Suchdienstes des Roten Kreuzes sind Nachkriegszeit-Dokumente von ehemaligen Zwangsarbeitern und Verfolgten des NS-Regimes zu sehen. | Bildquelle: dpa

Anfragen bis 2021 möglich DRK stellt Weltkriegs-Suchdienst ein

Stand: 04.05.2020 12:29 Uhr

75 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges klärt der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes noch immer Schicksale von Vermissten auf. Doch die Suche nach verschollenen Angehörigen wird Ende 2023 eingestellt.

Der DRK-Suchdienst nach Vermissten des Zweiten Weltkriegs wird eingestellt. Angehörige sollten daher bis spätestens Ende kommenden Jahres eine Suchanfrage stellen, wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK) mitteilte. Ende 2023 werde der Suchdienst diese vom Bund finanzierte Aufgabe beenden. "Deshalb sollten Anfragen beim DRK-Suchdienst am Standort München in den nächsten anderthalb Jahren gestellt werden", erklärte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt.

Schicksal vermisster Angehöriger klären

Die Chance, dass auch nach so vielen Jahrzehnten Lebenswege nachvollzogen werden können, ist durchaus gegeben: Im vergangenen Jahr haben knapp 10.100 Menschen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg eine Anfrage gestellt, im Jahr davor waren es rund 9000 Menschen.

"Wir gehen davon aus, dass im Umfeld des 75. Jahrestages des Kriegsendes das Interesse an diesem Thema steigt und in vielen Familien das Bedürfnis wächst, das Schicksal vermisster Angehöriger abschließend zu klären", sagte Hasselfeldt. "Dieses Interesse wird aber aufgrund der demografischen Entwicklung wieder abflachen."

ARCHIV - 01.01.1962, Berlin: Mitarbeiter des DRK-Suchdienstes gleichen mit Menschen die nach Vermissten suchen im Rathaus Neukölln Bildlisten mit Fotos von Vermissten ab. | Bildquelle: dpa
galerie

Mitarbeiter des DRK-Suchdienstes in Berlin gleichen mit Menschen, die nach Vermissten suchen, Bildlisten mit Fotos von Vermissten ab.

Und Hasselfeldt erläutert weiter: "In 23 Prozent aller Fälle kann der DRK-Suchdienst Auskunft über den Verbleib eines vermissten Angehörigen geben, bei deutschen Kriegsgefangenen in der früheren Sowjetunion sind dies oft auch Angaben zu Sterbedatum und letztem Aufenthaltsort."

Neu zugängliche Informationen aus russischen Archiven klären dabei im zweiten Versuch auch manche bisher erfolglose Anfrage: Im Rahmen eines Datentransfers hat der Suchdienst seit 1992 rund sieben Millionen Akten und Karteikarten zu Kriegsgefangenen und Internierten erhalten.

Auch Anfragen von Flüchtlingen

Der Suchdienst fahndet aber nicht nur nach dem Verbleib von Wehrmachtsangehörigen, Kriegsgefangenen oder im Chaos verloren gegangenen Kindern, sondern hilft auch im Hier und Jetzt: So gingen 2019 fast 2.100 Anfragen von Flüchtlingen - etwa aus Syrien oder dem Irak - ein, die den Kontakt zu ihren Angehörigen verloren haben. Diese internationale Suche wird auch nach 2023 fortgesetzt. Außerdem führte der DRK-Suchdienst bundesweit insgesamt 21.000 Beratungen zur Familienzusammenführung durch.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Mai 2020 um 13:00 Uhr.

Darstellung: