Schwangere bei der Blutentnahme

Umstrittener Test jetzt auf dem Markt 70 Kliniken bieten Bluttest auf Downsyndrom

Stand: 20.08.2012 16:05 Uhr

Der viel diskutierte vorgeburtliche Bluttest auf das Downsyndrom ist jetzt auf dem Markt. Der "Praena-Test" sei in mehr als 70 Praxen und Kliniken in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz verfügbar, teilte der Hersteller LifeCodexx in Konstanz mit.

Der als risikolos geltende Test sei "ausschließlich schwangeren Frauen zugänglich, die sich in der 12. Schwangerschaftswoche oder darüber befinden und die ein erhöhtes Risiko für Trisomie 21 beim ungeborenen Kind tragen". Dies betrifft vor allem ältere Schwangere. Laut Hersteller soll der Bluttest 1249 Euro kosten.

Stichwort

Menschen mit Downsyndrom haben einen Erbgutabschnitt zu viel. Das Chromosom 21 liegt bei ihnen dreifach, statt nur zweifach vor. Daher kommt auch die Bezeichnung Trisomie (Verdreifachung) 21.

Auf fast 700 Geburten kommt nach Angaben des Arbeitskreises Downsyndrom etwa ein Kind mit Trisomie 21. Charakteristisch sind körperliche Auffälligkeiten und eine verminderte Intelligenz. Typische organische Probleme sind Herzfehler, die Anfälligkeit für Infekte und Schwerhörigkeit.

Wissenschaftlich beschrieben hat die Besonderheiten von Menschen mit Trisomie 21 erstmals der englische Neurologe John Langdon-Down (1828-1896) im Jahr 1866.

Quelle: dpa

Blut abnehmen, statt Fruchtblasenpunktion

LifeCodexx hatte den Bluttest nach eigenen Angaben von 2009 bis 2012 unter anderem in Zusammenarbeit mit führenden pränataldiagnostischen Zentren und Kliniken in Deutschland und der Schweiz entwickelt. Der Test ermöglicht die Erkennung des Downsyndroms ohne Eingriff in den Mutterleib.

Bislang testeten Ärzte mit einer Fruchtblasenpunktion, die medizinische Probleme bis hin zur Frühgeburt verursachen kann. Nach Einschätzung des Unternehmens kann der neue Test die Zahl der eingriffsbedingten Fehlgeburten "deutlich reduzieren und allein in Deutschland bis zu 700 Kindern das Leben retten, die jährlich durch Komplikationen bei invasiven Untersuchungen sterben".

Unternehmensvorstand Michael Lutz kündigte zur Markteinführung zudem an: "In naher Zukunft wird der 'Praena-Test' auch weitere chromosomale Veränderungen wie Trisomie 13 und 18 feststellen können."

Scharfe Kritik von Behindertenverbänden

Insbesondere Behindertenverbände, Ethiker und die Kirchen hatten bereits im Vorfeld vor einer "Selektion" von Menschen mit Downsyndrom gewarnt.

Unter anderem der Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, Hubert Hüppe, hatte ein Verbot des Bluttests gefordert. Er stützte sich bei seiner Argumentation auf ein Rechtsgutachten, wonach der Test mit geltendem Recht - wie der Menschenwürde - nicht vereinbar sei. Zudem fürchteten Gegner einen Anstieg von Abtreibungen.

Test-Verbot juristisch nicht möglich

Nach Angaben des Stuttgarter Sozialministeriums hatte das zuständige Land Baden-Württemberg als Sitz des Herstellers den Test nicht verboten, weil dafür die rechtlichen Voraussetzungen nach dem Gendiagnostikgesetz nicht gegeben seien.

Die ursprünglich für Juli geplante Markteinführung des Tests hatte sich jedoch verzögert, da das Unternehmen dem Regierungspräsidium Freiburg nachträglich Fragen zum Medizinprodukterecht beantworten musste. Die Behörde gab Ende Juli grünes Licht. Eine Prüfung des Produkts durch das Präsidium sei damit nicht verbunden, hieß es damals. Anders als im Arzneimittelrecht gebe es für die Einführung von Medizinprodukten kein besonderes Zulassungsverfahren.

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