Blutprobe Down-Syndrom Trisomie 21

Diskussion über Früherkennung von Trisomie 21 Selektion durch Bluttest?

Stand: 22.03.2019 16:35 Uhr

Ein Bluttest bei Schwangeren kann Aufschluss geben, ob das Kind mit dem Genfehler Trisomie 21 geboren wird. Dieser Test sei illegal und diene zur Selektion von Menschen, sagt der Behindertenbeauftrage Hüppe. Die Vorsitzende des Gesundheitssausschusses, Reimann, will Frauen den Test aber nicht vorenthalten.

Von Stanislaus Kossakowski, BR, ARD-Hauptstadtstudio

Für den Regierungsbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, ist der Fall klar: Der vorgeburtliche Bluttest zur Erkennung des Down-Syndroms, der schon bald in Deutschland auf den Markt kommen soll, ist illegal. Er diene zur Selektion von Menschen mit Down-Syndrom und nicht zu therapeutischen Zwecken. "Er diskriminiert Menschen mit Behinderung, indem er ihnen letztendlich das Lebensrecht nimmt", urteilt Hüppe.

Ein weiterer Schritt zur "Rasterfahndung nach Menschen mit Behinderung" sei das, sagt Hüppe und verweist an den von ihm beauftragten Rechtsgutachter Klaus Ferdinand Gärditz von der Universität Bonn. "Dieser Test würde gegen das in Artikel 3 des Grundgesetzes verankerte Verbot, Menschen mit Behinderung wegen dieser Behinderung zu benachteiligen, verstoßen", so Gärditz.

In Deutschland sei Gendiagnostik am Menschen nur zu medizinischen Zwecken erlaubt, betont der Rechtswissenschaftler. Da das Down-Syndrom, auch Trisomie 21 genannt, als unheilbar gilt, diene der Bluttest als Informationsgrundlage für die Entscheidung darüber, ob der ungeborene Mensch abgetrieben wird.

"Die weitreichendste, nachgerade existenzielle Benachteiligung besteht darin, einem Menschen mit Behinderung das Lebensrecht abzusprechen, indem man ihn im Embryonalstadium ausselektiert." Genau das sei aber das Ergebnis des in Rede stehenden Tests, ergänzt Gärditz.

Der Staat muss Leben schützen

Eine Mutter hält ihr Kind mit Down-Syndrom auf dem Arm.
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Der Bluttest zur Erkennung von Trisomie 21 sei eine Rasterfahndung nach Menschen mit Behinderung, sagt der Regierungsbeauftragten für die Belange behinderter Menschen.

Schon jetzt würden neun von zehn Eltern ihr Kind abtreiben, wenn bei ihrem Kind das Down-Syndrom festgestellt wird, berichtet Gärditz. In seinem Gutachten leitet er eine Pflicht des Staates her, sich schützend vor das Leben von Menschen mit Behinderung zu stellen und kommt dabei zu dem Schluss, dass der "Schutz von Menschen mit Behinderung vor ihrer Geburt am besten durch Nichtwissen über die Behinderung gewährleistet wird". Niemand habe einen Anspruch auf vollständige genetische Aufklärung.

Die Vorsitzende des Bundestags-Gesundheitsausschusses, Carola Reimann von der SPD, sieht das anders. Sie könne gut nachvollziehen, dass werdende Eltern Gewissheit wollen. Der Test dürfe den Frauen daher nicht vorenthalten werden, sagte Reimann dem WDR: "Die Frau muss im Mittelpunkt der Schwangerschaft stehen. Und sie muss auch die Entscheidung darüber haben, ob sie sich das zutraut, so ein Kind auszutragen und weiter zu betreuen. Es gehört zur Wahrheit dazu, dass ein solches Kind mehr Engagement der Eltern braucht, als jedes andere Kind." Zudem sei der Bluttest weit schonender als die risikoreiche Fruchtwasseruntersuchung.

"Wir bleiben Außenseiter"

Eine Aussortierung vor der Geburt sei nicht in Ordnung, mahnt hingegen der Berufsschauspieler mit Down-Syndrom, Sebastian Urbanski. Er war bei der Präsentation des Gutachtens in Berlin dabei. "Das zeigt nur, dass wir Außenseiter bleiben, und das wollen wir alle nicht. Wir sind verdammt nochmal alle Menschen", sagt Urbanski. Zu dem umstrittenen Test bereitet zurzeit auch der deutsche Ethikrat eine Stellungnahme vor.

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