Großraumbüro | Bildquelle: a (Weiss)

DKV-Studie zur Gesundheit Die Bewegungsmuffel

Stand: 30.07.2018 13:30 Uhr

Die Deutschen leben zu ungesund: Statt mit Bewegung Rückenschmerzen, Übergewicht oder Bluthochdruck zu bekämpfen, sitzen sie zu viel. Eine neue Studie zeigt auch: Die meisten schätzen sich anders ein.

Die Deutschen werden immer mehr zu Bewegungsmuffeln. Laut einer Studie der Krankenversicherung DKV erreichen nur noch 43 Prozent der Befragten das empfohlene Mindestmaß an körperlicher Aktivität. Der Trend der vergangenen Jahren sei rückläufig. 2010 hätten noch 60 Prozent der Bundesbürger genügend Bewegung bekommen.

"Es ist ein trauriges Ergebnis", sagt Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln, der die Untersuchung leitete. Für den Report wurden fast 2900 Deutsche interviewt. Dabei ging es nicht nur um Bewegung, sondern auch um Gesundheit, Ernährung, Alkohol, Rauchen, Stress, Lärmempfindlichkeit, Einsamkeit und Regeneration.

Zehn Minuten Sport am Tag sollten sein

Mehr als die Hälfte der Befragten (61 Prozent) stuft ihren Gesundheitszustand als gut oder sehr gut ein. Das steht jedoch in einem Missverhältnis zur Zahl der Menschen, die nach Einschätzung der Experten tatsächlich von sich behaupten können, rundum gesund zu leben. Lediglich neun Prozent haben demnach genügend Bewegung, rauchen nicht, ernähren sich passend, trinken wenig Alkohol und haben einen gesunden Umgang mit Stress. Der Wert sei ein neuer Tiefpunkt.

Als ein Hauptproblem machen die Forscher mangelnde Bewegung aus. Als Maßstab legen sie dafür die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO an. Erwachsene sollten demnach pro Woche mindestens 150 Minuten moderater Aktivität - zum Beispiel zügiges Gehen - oder 75 Minuten intensiver Aktivität nachgehen, etwa Joggen. Das schaffen mit 43 Prozent aber weniger als die Hälfte. Jeder Zehnte gab in der Befragung an, überhaupt keiner körperlichen Aktivität nachzugehen, die länger als zehn Minuten am Stück andauert.

Eine Frau joggt in einem Park | Bildquelle: dpa
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75 Minuten Joggen pro Woche empfehlen die Gesundheitsexperten.

Eine brennende Zigarette | Bildquelle: dpa
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Nur noch 21 Prozent der Bundesbürger greifen zur Zigarette.

Ein Volk der Vielsitzer

Froböse führt das Bewegungsdefizit auf zwei Entwicklungen zurück: Zum einen werde heute weniger körperliche Arbeit verrichtet, zum anderen habe auch der Sport in der Freizeit nachgelassen. Fast 80 Prozent der Befragten machen außerhalb des Jobs nicht genug, um das Mindestmaß zu schaffen. Sie gehen etwa nicht häufig genug zu Fuß oder fahren lieber Auto statt Fahrrad.

Hinzu kommt, dass die Deutschen viel sitzen. Auf fast acht Stunden summieren sich im Durchschnitt die Sitzzeiten an Werktagen - bei der Arbeit, aber auch am Fernseher, am Computer oder im Auto. Viel zu selten werden Belastung und Stress durch körperliche Aktivität ausgeglichen.

Gut: Immer weniger Raucher

Aber es gibt auch erfreuliche Botschaften: Die Zahl der Raucher geht weiter zurück. Nur noch 21 Prozent greifen demnach zur Zigarette. Und immerhin 82 Prozent trinken laut Umfrage gar nicht oder nur gelegentlich Alkohol. Auffällig dabei aber: Je mehr die Befragten verdienen, desto häufiger heben sie das Glas.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Juli 2018 um 09:00 Uhr.

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