Eine Frau sitzt im Homeoffice vor einem Laptop. | dpa

DKV-Report Deutsche sind träge wie seit Jahren nicht

Stand: 11.10.2021 16:54 Uhr

Zu viel Stress, zu langes Sitzen: Nur noch jeder neunte Bürger hat laut eines Reports der Krankenversicherung DKV und der Sporthochschule Köln einen gesunden Lebensstil - ein neuer Tiefstand.

Die Deutschen verbringen zu viel Zeit im Sitzen, werden immer träger und können Stress nicht ausreichend bewältigen. Das geht aus einem Report der Krankenversicherung DKV und der Sporthochschule Köln hervor. Nur noch jeder neunte Bürger führe einen "rundum gesunden" Lebensstil mit Blick auf Ernährung, körperliche Aktivität, Rauchen, Alkoholkonsum und Stresslevel, heißt es darin. Das ist ein Tiefstand seit 2010.

"Die Deutschen bleiben träge, sie werden immer träger", bilanzierte Studienleiter Ingo Froböse von der Sporthochschule Köln. Im Schnitt sitzen Deutsche pro Werktag laut Bericht inzwischen 8,5 Stunden - eine Stunde mehr als noch 2018. Junge Erwachsene (18 bis 29 Jahre) sitzen sogar noch länger. Bei ihnen sind es mittlerweile rund 10,5 Stunden - zumeist während der Arbeit am Computer. Im Vergleich: 2018 hockten sie im Schnitt noch acht Stunden und 41 Minuten auf Stuhl oder Sofa.

Stresslevel gestiegen

Und nicht nur in puncto Aktivität hat die Corona-Pandemie Spuren hinterlassen. Auch der Umgang mit Stress hat sich verschlechtert. Rund 60 Prozent der Befragten fühlen sich gestresst, beziehungsweise finden keine wirksamen Ausgleichsstrategien. Nur noch 40 Prozent gelingt der Stressabbau - vor drei Jahren waren dies noch 57 Prozent.

Das sei das bisher höchste gemessene Stressniveau, mahnte Sportwissenschaftler Froböse. "Die Mehrheit schafft es nicht, ihre Akkus wieder aufzuladen." Frauen seien im Vergleich zu Männern belasteter, erläuterte Froböse mit Hinweis auf Arbeitsbelastung mit Kinderbetreuung und Homeschooling.

Weniger körperliche Aktivität

Zugleich habe Inaktivität zugenommen. Nach den Ergebnissen der Befragung sind rund 70 Prozent der Bürgerinnen und Bürger nach den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO mehr als 300 Minuten pro Woche körperlich aktiv - 2010 waren es noch 83 Prozent.

Elf Prozent stuft die Befragung als "Minimalisten" ein, die gerade mal 150 bis 300 Minuten in Bewegung sind. Fast jeder fünfte Deutsche unterschreitet sogar 150 Minuten körperliche Aktivität. Diese inaktive Gruppe mache ihm große Sorgen, unterstrich Froböse.

Ernährung: Frauen haben bessere Werte als Männer

Bei der Ernährung ist weiterhin knapp die Hälfte gesund unterwegs. Als Richtschnur gelten dabei die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Frauen kommen auf bessere Werte als Männer.

Mit Blick auf den Speiseplan zeigt sich eine deutliche Lücke zwischen Süddeutschland und dem Rest des Landes. Während in Sachsen-Anhalt 57 Prozent der Befragten angaben, auf gesunde Lebensmittel zu achten, bildet Baden-Württemberg mit 40 Prozent das Schlusslicht.

Sachsen leben am gesündesten

Beim Gesamt-Vergleich der Bundesländer ist Sachsen Spitzenreiter in puncto gesunder Lebensstil. Dort erreichen 18 Prozent der Befragten und damit fast jeder Fünfte alle Normen. Das Schlusslicht bildet Nordrhein-Westfalen mit sieben Prozent. Es liegt damit weit unter dem Bundesdurchschnitt von elf Prozent. In Berlin und Brandenburg leben die meisten körperlich aktiven Bürger.

Zum sechsten Mal wurde für den DKV-Report das Gesundheits- und Bewegungsverhalten der Deutschen untersucht. Befragt wurden zwischen Ende März und Anfang Mai insgesamt 2800 Menschen.

Über dieses Thema berichtete BR24 Rundschau am 11. Oktober 2021 um 18:30 Uhr.