Die Bundestagsabgeordneten nehmen an der Sitzung des Bundestages im Plenarsaal teil. | dpa

Deutscher Diversity Tag Wie vielfältig ist der Bundestag?

Stand: 18.05.2021 11:52 Uhr

Wenig Frauen, wenig Menschen mit Migrationsgeschichte, wenig Muslime, wenig Menschen mit Behinderung - wie sieht es aus mit der Vielfalt im Bundestag? Viele Abgeordnete wünschen sich mehr davon.

Von Uwe Jahn, ARD-Hauptstadtstudio

Heute ist Tag der Diversität. Es geht also darum, wie vielfältig wir sind. Und darum, dass bei dieser Frage manche allzu leicht vergessen werden: Ist beispielsweise der Deutsche Bundestag so divers wie die Menschen im Land?

Uwe Jahn ARD-Hauptstadtstudio

Nein, sagen mehrere Abgeordnete auf Nachfrage. Zum Beispiel Cansel Kiziltepe (SPD-Abgeordnete mit Migrationsgeschichte), Sven Lehmann (homosexueller Grünen-Politiker) und Amira Mohamed Ali (Muslima von der Linkspartei). Der Bundestag sei wenig divers - zu wenig, finden sie übereinstimmend.

Ausnahmen links und rechts

Die Zahlen geben den dreien recht. Verglichen mit den Anteilen in der Bevölkerung gibt es im Bundestag zu wenig Frauen, zu wenig Menschen mit Migrationsgeschichte, zu wenig Muslime, zu wenig Menschen mit Behinderung, zu wenig Junge, zu wenig ganz Alte.

Allerdings ist das nicht bei allen Fraktionen gleich. Links im Plenum ist es eher bunter. Aber auch weiter rechts gibt es Ausnahmen. So lebt AfD-Fraktionschefin Alice Weidel mit einer Frau und Kindern zusammen. Aber auf eine Anfrage zum Thema Diversität hat ihre Fraktion nicht geantwortet.

"Ein ganz wichtiges Signal"

Und dann gibt es, gut sichtbar für alle, den Präsidenten des Bundestages, Wolfgang Schäuble: Schäuble ist Rollstuhlfahrer. Lehmann von den Grünen sagt, er habe sich daran längst gewöhnt. Er nehme Schäuble "als Präsidenten wahr" und mittlerweile "gar nicht mehr sein Handicap". Es sei "genau richtig und wichtig, dass er Bundestagspräsident ist, weil die Sichtbarkeit von Vielfalt - und da gehört eben auch eine körperliche Beeinträchtigung dazu - so prominent im Bundestag vertreten ist, das ist ein ganz wichtiges Signal."

Wolfgang Schäuble | dpa

Bundestagspräsident Schäuble stehe für die"Sichtbarkeit von Vielfalt", sagt der Grünen-Politiker Lehmann. Bild: dpa

Ein Signal ist auch, dass Lehmann offen und erkennbar für queere Menschen eintritt: Er ist schwul und weiß, wovon er spricht. Zwar gibt es noch ein gutes Dutzend mehr queere Menschen im Parlament, aber sie sind deutlich unterrepräsentiert.

Wenige Nicht-Akademiker im Parlament

Das gilt auch für Menschen muslimischen Glaubens wie Mohamed Ali. Die Fraktionsvorsitzende der Linkspartei hat Jura studiert. Der Akademikeranteil im Bundestag sei insgesamt "sehr sehr hoch", sagt sie. "Aber wir haben relativ wenig Menschen aus nicht akademischen Berufen. Sie halte es für wichtig, "dass da eine größere Repräsentanz da wäre".

Dass Mohamed Ali nun mal anders heißt als Meier, Müller oder Schulze und dass sie Muslima ist - das spiele in ihrer Partei keine Rolle: Es müsse dort "auch gar nicht großartig thematisiert werden", sondern sei eine Selbstverständlichkeit. "Was ich mir wünsche und ich glaube, das wünschen sich auch viele, dass es überhaupt nicht auffällt. Dass es etwas Normales ist."

"Nicht in die Schublade stecken"

Vielfalt als Normalität. Das will auch die Abgeordnete Kiziltepe von der SPD. Sie ist geborene Berlinerin und ganz bewusst Finanzpolitikerin geworden. "Ich glaube, dass wir auch in Deutschland Normalität erreichen, wenn wir als diverse Menschen eben in verschiedenen Bereichen auch aktiv sind und nicht immer in die Schublade gesteckt werden und Zuständigkeiten zugewiesen bekommen wie zum Beispiel die Migrationspolitik."

Der Frauenanteil im deutschen Bundestag liegt gegenwärtig bei 31 Prozent. Kiziltepe fordert Parität, also Halbe-Halbe. Ungefähr so wie im richtigen Leben.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 18. Mai 2021 um 09:05 Uhr.

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Moderation 18.05.2021 • 20:42 Uhr

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