Ein digitaler Impfpass ist auf einem Smartphone zu sehen. | REUTERS

Digitaler Impfpass Impfzentren starten Feldversuch

Stand: 27.05.2021 14:35 Uhr

Pünktlich zu den Sommerferien soll er fertig sein: der digitale Impfnachweis. Die EU hat sich bereits auf ein einheitliches Zertifikat geeinigt. Nun geht die Anwendung in den ersten deutschen Impfzentren in eine Erprobungsphase.

In einigen Impfzentren gibt es neben einem Aufkleber für das gelbe Impfheft künftig auch einen digitalen Impfnachweis, den "CovPass". "Wir wollen sehen, wie die Abläufe laufen. Funktioniert es technisch? Läuft es aber auch in den Prozessen?", sagte der Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium, Gottfried Ludewig, bei einem Besuch im Impfzentrum Potsdam. Das Zentrum ist Teil des bundesweiten Feldversuches, bei dem der digitale Impfpass getestet werden soll. Ludewig versicherte, dass die Einführung im Zeitplan liege.

Bundesgesundheitsminister Spahn hatte versprochen, dass der Impfpass bis Ende Juni - also bis zum Beginn der Hauptreisezeit - angeboten werden soll. Die EU-Mitgliedsstaaten und das EU-Parlament hatten sich vergangene Woche auf ein einheitliches Impfzertifikat geeinigt, das zum 1. Juli eingeführt werden soll.

Digitaler Nachweis auch für bereits Geimpfte

Künftig sollen Bürgerinnen und Bürger ihren Impfnachweis mit einer App einscannen können. Einen entsprechenden Code gibt es dann überall dort, wo geimpft wird. Auch die zuvor bereits Geimpften sollen das Zertifikat - in Papierform zum Abscannen - von ihrer Praxis oder ihrem Impfzentrum zugeschickt bekommen. Alternativ können sie sich unter Vorlage ihres analogen Impfpasses in Apotheken oder Arztpraxen den digitalen Nachweis besorgen.

Auch nach der Einführung des "CovPass" behält der analoge Impfnachweis seine Gültigkeit. Reisende, die in der EU nicht den Nachweis per App erbringen wollen, können alternativ den ausgedruckten Code mit sich führen.

Maßnahmen gegen Fälschungsversuche

Ludewig trat Befürchtungen entgegen, bei dem Verfahren könnten massenhaft gefälschte Impfausweise in gültige digitale Zertifikate umgewandelt werden. Denn in den Impfzentren und Arztpraxen werde registriert, ob jemand tatsächlich geimpft worden sei. Und in den Apotheken könnten die gelben Impfbücher auf eine Fälschung hin überprüft werden.

Das Vorstandsmitglied der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg, Holger Rostek, zeigte sich erfreut über den Start der Feldtests. Der Impfpass müsse praxistauglich sein und auch in Hausarztpraxen funktionieren, sagte Rostek. "Wir wollen impfen und kein Bürokratiemonster haben."

Der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber hatte zuvor kritisiert, dass das Gesundheitsministerium ihn nicht in die Entwicklung der Anwendung einbezogen habe. "Die Bundesregierung ist eigentlich dazu verpflichtet, uns frühzeitig zu beteiligen", sagte Kelber dem "Handelsblatt". Es sei daher unverständlich, dass seiner Behörde bislang noch nicht alle notwendigen Details zu dem Projekt vorlägen. "Datenschutz am Anfang zu berücksichtigen, ist billiger und geht schneller, als am Ende darauf zu stoßen, dass bei der Entwicklung an einer Stelle falsch abgebogen wurde", so Kelber.

Den versprochenen Start der Anwendung hält der Bundesdatenschutzbeauftragte auch deshalb für unrealistisch. "Grundsätzlich ist der Datenschutz nicht der entscheidende zeitkritische Faktor, wenn die Technik von Beginn an richtig aufgesetzt wird", sagte er. Nachbesserungen seien zum Teil auch im laufenden Betrieb möglich. Der Gesundheitsminister müsse sich aber an Recht und Gesetz halten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Mai 2021 um 20:00 Uhr.