Ein Zapfhahn an einer Tankstelle mit der Aufschrift Diesel | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX/Shu

Hardware für Pkw Weg für Diesel-Nachrüstung frei

Stand: 28.12.2018 05:19 Uhr

Die Hersteller von Hardwarenachrüst-Sätzen für ältere Diesel-Pkw sind seit Monaten bereit. Nun stellt das Verkehrsministerium auch die nötige Richtlinie bereit. Die Autobauer verfolgen unterschiedliche Strategien.

Von Arne Meyer-Fünffinger und Josef Streule, BR

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat offenbar Wort gehalten. Noch in diesem Jahr werde sein Haus die notwendigen technischen Vorschriften für die Hardwarenachrüstung von älteren Diesel-Pkw vorstellen, "so dass die Nachrüster und die Entwickler ihrer Produkte vorlegen können", sagte der CSU-Politiker am 20. November im Deutschen Bundestag.

In den vergangenen Wochen erstellte das Bundesverkehrsministerium in Zusammenarbeit mit dem Kraftfahrtbundesamt und dem TÜV Nord die entsprechende Richtlinie. In dem 30-seitigen Papier, das BR Recherche und dem "Spiegel" vorliegt, wird von den Nachrüstern unter anderem eine Garantie verlangt, dass das nachträglich eingebaute technische System zur Abgasreinigung bei Diesel-Pkw der Schadstoffklassen Euro 4 und 5 "bis Minimaltemperaturen von -7 Grad (...) wirksam und funktionsfähig" ist.

Nachrüster müssen Dauerhaltbarkeit garantieren

Die entsprechend spezialisierten Unternehmen müssen zudem zusichern, dass für ihre Anlagen "eine Kilometerleistung von 100.000 km oder eine Lebensdauer von bis zu fünf Jahren (...) gewährleistet ist". Außerdem darf der Pkw nach der Nachrüstung nicht lauter sein als vorher.

In der neuen Richtlinie festgeschrieben ist auch, dass der NOx-Ausstoß nachgerüsteter Diesel-Fahrzeuge dieser Schadstoffklassen nicht über dem Grenzwert von 270 Milligramm pro Kilometer liegen darf. Auf diesen Wert hatte sich die Große Koalition bereits im Rahmen ihres im Oktober verabschiedeten Diesel-Konzepts geeinigt. "Dieser Wert muss im Realbetrieb eingehalten werden", so das Bundesverkehrsministerium damals.

Autokonzerne gehen unterschiedlich vor

Mit der Automobilindustrie rang Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv um die Hardwarenachrüstung für ältere Diesel-Pkw. Anfang November erklärten sich Daimler und der Volkswagen-Konzern bereit, Diesel-Besitzern in Städten mit einer besonders hohen Schadstoffbelastung der Luft bis zu 3.000 Euro für die Nachrüstmaßnahme auszuzahlen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer | Bildquelle: REUTERS
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Scheuer verhandelte intensiv mit den Autobauern.

BMW lehnt eine Hardwarenachrüstung weiterhin ab. Der Konzern teilte allerdings mit, Kunden "mit Maßnahmen zur Sicherung ihrer Mobilität im Umfang von bis zu 3.000 Euro" zu unterstützen. Welche das sein werden, steht nach eigenen Angaben noch nicht fest.

Daimler geht aktuell beim Thema Nachrüstung voran. Die Stuttgarter tauschten sich im November bei einem Workshop in der Konzernzentrale mit Nachrüstern aus, außerdem beschäftigt sich eine firmeninterne Arbeitsgruppe mit Fragen rund um den Komplex.

"Wir möchten bis Anfang 2019 für Klarheit sorgen, welche Hardware-Lösungen  für unsere Kunden überhaupt angeboten werden können und zu welchem Zeitpunkt", so ein Konzernsprecher. Deswegen stelle Daimler Nachrüst-Firmen die "technischen Informationen zu unseren Fahrzeugen zur Verfügung, die diese benötigen, um zu entscheiden, für welche Baureihen sie Hardware-Lösungen entwickeln und anbieten".

VW: Können Hardwarenachrüster nicht unterstützen

Bei Volkswagen klingt das anders, dort ist man inzwischen wieder skeptisch. Auf eine BR-Anfrage, in welchem Rahmen VW mit den Nachrüstern kooperiere, antwortete ein Unternehmenssprecher, VW könne "die Entwicklungen der Hardware-Nachrüster aus haftungsrechtlichen Gründen nicht unterstützen".

Dunkle Wolken über VW-Logo | Bildquelle: dpa
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VW unterstützt die Hardware-Nachrüster "aus haftungsrechtlichen Gründen" nicht.

Zudem sei der Konzern davon überzeugt, "dass Nachrüstungen nicht die richtige Lösung sind", er zweifele "an der Dauerhaltbarkeit". Die Anbieter der Systeme müssten dem Kraftfahrtbundesamt "eigenverantwortlich die technische Machbarkeit nachweisen und die Gewährleistung übernehmen".

Unverständnis bei Nachrüst-Unternehmen

"Was die Bekanntgabe von recht simplen Fahrwiderstandswerten mit haftungsrechtlichen Gründen zu tun hat, ist für mich nicht nachvollziehbar. Wir werden unsere Systeme natürlich eigenverantwortlich durch das Kraftfahrtbundesamt zulassen und auch die geforderte Gewährleistung übernehmen", so Martin Pley vom Nachrüst-Unternehmen Dr.Pley SCR Technology GmbH mit Sitz in Bamberg.

Nach Pleys Darstellung ist sein Unternehmen in der Lage, mit den von ihm entwickelten Nachrüstsystemen "die NOx Emissionen von EURO-5-Fahrzeugen in einen Bereich zu reduzieren, die dem aktuellen Emissionsniveau von EURO 6dTEMP Fahrzeugen entspricht und das auch mit der geforderten Dauerhaltbarkeit".

Richtlinie wird veröffentlicht

Die Bundesregierung will die jetzt fertiggestellte Richtlinie in den nächsten Tagen veröffentlichen. Auf dieser Basis können die Nachrüster dann beim Kraftfahrtbundesamt einen Antrag auf eine Allgemeine Betriebserlaubnis für ihre jeweiligen Anlagen stellen.

In der Regel werden das Systeme mit SCR-Katalysator sein. Dieser reinigt die Abgase mit Hilfe einer Harnstofflösung, besser bekannt unter dem Markennamen "Ad Blue".

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Version dieses Artikels stand "...,dass der NOx-Ausstoß nachgerüsteter Diesel-Fahrzeuge nicht über dem Grenzwert von 270 Mikrogramm pro Kilometer liegen darf". Statt "Mikrogramm" musste es "Milligramm" heißen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen. Er ist korrigiert.

Der Diesel-Auslaufmodell oder noch lange unverzichtbar?
Arne Meyer-Fünffinger, ARD Berlin
28.12.2018 05:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Dezember 2018 um 05:21 Uhr.

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