Der Auspuff eines Diesel-Fahrzeugs | Bildquelle: dpa

Luftverschmutzung Der Diesel kann auch sauber

Stand: 10.01.2018 16:55 Uhr

Die Verkaufszahlen für Diesel-Autos sinken wegen der jüngsten Skandale. Doch die Technologie ist besser als ihr Ruf. Zumindest dann, wenn die Hersteller ihre Möglichkeiten nutzen.

Von Sandra Stalinski, tagesschau.de

Der Ruf des Diesels ist ramponiert. Seit im September 2015 die Abgasmanipulationen bei VW bekannt wurden, hat das Vertrauen in den Dieselmotor mehr und mehr gelitten. Kunden, die sich für einen Diesel entschieden hatten, in dem Glauben, damit umweltbewusster zu fahren, fühlten sich betrogen.

Einbruch bei Verkaufszahlen

Insbesondere die Angst vor Fahrverboten schlug sich nach und nach auch in den Verkaufszahlen nieder. Wenn auch zunächst noch moderat. Im Jahr 2016 lag der Anteil der Dieselfahrzeuge an allen Neuzulassungen in Deutschland mit 45,9 Prozent erstmals etwas deutlicher unter dem Anteil der Benziner (51,9). Im Jahr 2017 sanken die Dieselneuzulassungen schließlich auf 38,8 Prozent - ein Abstand von beinahe zehn Prozentpunkten im Vergleich zu den Jahren vor Bekanntwerden des Dieselskandals.

Den Imageschaden beim Diesel haben sich die Automobilhersteller selbst zuzuschreiben. Während die vermeintlich umweltfreundlicheren Diesel staatlich stark subventioniert wurden und werden, wurde bei den Abgasmessungen kräftig manipuliert. So überschreiten ältere Diesel, die in Labormessungen die Abgasnormen Euro-5 und Euro-6 erfüllten, diese im realen Betrieb auf der Straße zum Teil um ein Vielfaches.

Der Diesel kann auch anders

Doch das gilt nicht für alle Diesel, wie eine aktuelle Messung der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW Saar) beweist. Forscher haben einen BMW 520d unter realen Bedingungen auf der Autobahn, der Landstraße und in der Stadt getestet und stellten dem Dieselfahrzeug ein exzellentes Zeugnis aus. Den aktuell gültigen Grenzwert von 168 mg Stickoxid pro Kilometer unterschreitet der getestete BMW deutlich: Seine Werte liegen im Schnitt bei 67,5 mg pro Kilometer.

Zur Erklärung: Die Grenzwerte der Abgasnormen gelten nur für Neuzulassungen. Autos, die bereits auf den Straßen fahren, sind davon nicht betroffen. Erst seit September 2017 wird ein eigener Grenzwert für den realen Betrieb auf der Straße (Real Drive Emmissions, kurz RDE) ausgewiesen. Der seither gültige Grenzwert Euro 6d-TEMP darf auf der Straße bei 168 mg pro Kilometer liegen, im Labor muss er deutlich darunter bleiben, bei 80mg/km. Der ab 2020 gültige Grenzwert der Abgasnorm Euro 6d liegt bei 120 mg/km. Bei der aktuellen Messung der HTW Saar wird auch dieser Grenzwert bereits deutlich unterschritten.

Grund für dieses gute Ergebnis ist laut Thomas Heinze eine Entstickungstechnologie (DeNox), die in den vergangenen Jahren von der Autoindustrie zur Serienreife gebracht wurde. Also eine Art Reinigungsverfahren, das BMW bereits einsetzt, das aber auch anderen Autoherstellern zur Verfügung steht, sagt Heinze, der die Messung an der HTW Saar durchgeführt hat. "Mit dieser Technologie ist der Diesel wieder zukunftsfähig", sagt er im Gespräch mit tagesschau.de.

Zu dicke Luft in mehr als 90 Städten?

Die Dieseltechnologie generell zu verteufeln, greift also zu kurz. Zwar werden nach wie vor gerade in Ballungszentren die Grenzwerte für die Schadstoffbelastung der Luft überschritten, woran insbesondere ältere Dieselfahrzeuge wegen ihres hohen Stickoxid-Ausstoßes einen starken Anteil haben. Die Deutsche Umwelthilfe geht sogar davon aus, dass es in weit mehr als den bisher bekannten 90 Städten gesundheitsschädliche Konzentrationen von Stickstoffdioxid gibt - und hat deshalb eine bundesweite Messaktion ins Leben gerufen.

Doch moderne Diesel können sehr viel besser sein als ihr derzeitiger Ruf, meint auch Lars Mönch vom Umweltbundesamt: "Das hier untersuchte Dieselfahrzeug ist hinsichtlich seiner Emissionswerte vorbildlich. Das heißt aber noch lange nicht, dass das auch für alle modernen Diesel gilt." Die Hersteller müssten diese Technologien eben auch breit einsetzen. Was allerdings sehr teuer ist und sich deshalb für die Hersteller oft nicht lohnt.

Emissionen: Diesel schlechter als Benziner

Und hinzu kommt: Gegenüber einem Benziner schneidet auch der modernste Diesel immer noch schlechter ab. "In Bezug auf seine realen Emissionen stößt der Diesel das zwei- bis dreifache eines Benziners aus", sagt Mönch gegenüber tagesschau.de. Die bessere Umweltbilanz hat der Diesel wiederum, was den Spritverbrauch betrifft und somit auch den CO2-Ausstoß pro gefahrenem Kilometer. Allerdings nur, wenn man exakt gleich schwere Autos mit gleicher Motorisierung vergleicht. Bislang waren die neu zugelassenen Diesel im Schnitt allerdings rund 400 Kilogramm schwerer und 27 PS stärker als Benziner. In der Praxis gab es also keinerlei positiven Umwelteffekt.

Wer sich also ein neues Auto mit Verbrennungsmotor kaufen will, sollte gut abwägen und die verschiedenen Faktoren berücksichtigen. Das Umweltbundesamt rät dazu, beim Kauf eines neuen Diesel darauf zu achten, dass er mindestens die Abgasnorm Euro 6d-TEMP erfüllt. Generell sollte auf einen geringen Spritverbrauch geachtet werden. Händler und Hersteller seien verpflichtet, entsprechende Informationen zu ihren Modellen zur Verfügung zu stellen. Car-Sharing und Bus und Bahn seien aber auch eine bedenkenswerte Alternative.

Umwelthilfe startet Mitmach-Aktion zur Luftreinheit
M. Heberlein, ARD Berlin
10.01.2018 14:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2017 um 17:06 Uhr.

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