Großraumbüro | Bildquelle: picture alliance / dpa

DGB-Studie zur Arbeit Hoher Druck, hohe Identifikation

Stand: 22.11.2018 16:18 Uhr

Die meisten Beschäftigten haben laut einer DGB-Studie Probleme mit ihren Arbeitsbedingungen, identifizieren sich aber mit dem, was sie tun - insbesondere, wenn sie mit Menschen arbeiten.

Laut dem DGB-Index "Gute Arbeit 2018" bestimmen Hetze und Zeitdruck den Arbeitsalltag von Millionen Arbeitnehmern in Deutschland. Beschäftigte, die besonders viel mit Kunden, Patienten oder etwa als Erzieherinnen mit Kindern zu tun haben, werden zudem oft durch Konflikte belastet, die sie dann vielfach auch noch mit in den Feierabend nehmen.

Dem DGB-Index zufolge sieht sich jeder Zweite in einem interaktiven Beruf nicht angemessen entlohnt. Als zentrale Stressfaktoren nannten die Befragten zu knappe Zeitvorgaben (47 Prozent), hohen Dokumentationsaufwand, zu wenig Personal und zu hohe Erwartungen der Kundschaft.

So fühlen sich bundesweit 52 Prozent der Beschäftigten sehr oft oder oft bei der Arbeit gehetzt und unter Zeitdruck, wie die repräsentative Umfrage ergab. Fast jede und jeder Dritte klagt darüber, dass sehr oft oder oft verschiedene Anforderung an sie oder ihn gestellt werden, die schwer miteinander zu vereinbaren sind.

Eine Bedienung trägt in einem Lokal ein Tablett mit Bier. | Bildquelle: dpa
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Viele Servicekräfte klagen darüber, herablassend behandelt zu werden.

Oft psychische Probleme

Von den Beschäftigten, die sehr oft mit Kundschaft, Patienten, Klienten und anderen Menschen zu tun haben, muss nach eigenen Angaben mehr als jeder Dritte sehr oft oder oft die eigenen Gefühle bei der Arbeit verbergen. Fast jeder Fünfte muss oft Konflikte oder Streitigkeiten mit den Menschen durchstehen, mit denen die Betroffenen arbeiten. Eine herablassende Behandlung durch andere erlebt mehr als jeder Zehnte sehr oft oder oft.

Allerdings sind 74 Prozent der Befragten der Meinung, dass ihre Arbeit in hohem Maß gesellschaftlich nützlich sei. Unter Beschäftigten mit wenig oder keinem Kundschaftskontakt beträgt der Anteil demgegenüber nur 57 Prozent. Aber fast vier von fünf dieser "interaktiv Beschäftigten" klagen laut der Befragung darüber, dass die besonderen Anforderungen ihrer Arbeit beim Einkommen gar nicht oder nur in geringem Maße berücksichtigt würden.

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und ver.di-Chef Frank Bsirske | Bildquelle: dpa
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Der DGB-Vorsitzende Hoffmann und ver.di-Chef Bsirske stellten die Studie vor.

Gewerkschaften fordern Reduzierung der Belastungen

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann und ver.di-Chef Frank Bsirske forderten, den besonderen Belastungen in sozialen und interaktiven Berufen mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Nur wenn sich die Arbeitsbedingungen verbesserten, werde es gelingen, den Fachkräftemangel zu reduzieren, sagte Bsirske.

Der DGB lässt seit 2007 jedes Jahr einmal Beschäftigte zu ihren Arbeitsbedingungen befragen. In diesem Jahr wurden mehr als 8000 Arbeitnehmer angesprochen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2018 um 15:00 Uhr.

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