Frank-Walter Steinmeier spricht auf einem Rednerpult. | Bildquelle: dpa

DGB-Bundeskongress Arbeit wird nicht weniger, aber anders

Stand: 13.05.2018 13:43 Uhr

Wie sieht die Arbeit der Zukunft aus? Darum geht es auf dem mehrtägigen DGB-Bundeskongress, bei dem die Delegierten über den Kurs des Gewerkschaftsbundes in den kommenden vier Jahren bestimmen.

Von Birgit Schmeitzner, ARD-Hauptstadtstudio

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte in seiner Rede zu Beginn des Kongresses, die Digitalisierung bringe viel Gutes mit sich, verunsichere aber auch die Menschen. Und das in einer Zeit großer Umbrüche, in der es zunehmend Verunsicherung gebe, einen Rückzug ins Nationale, Populismus. Steinmeier zufolge müsse man aufpassen, dass aus Zukunftsangst keine Demokratie-Skepsis werde.

Daraus zieht der Bundespräsident den Schluss, dass die gesamte Gesellschaft Verantwortung übernehmen müsse. "Technologie mag unser Leben verändern, aber den Rahmen setzen wir", sagte er in seiner Rede. "Ich bin davon überzeugt: Wir brauchen eine Ethik der Digitalisierung."

Der Bundespräsident sieht hier sowohl die Gewerkschaften, als auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Die Gewerkschaften deshalb, weil sie traditionell diejenigen schützen, "die allein ohne Schutz sind". Es gehe darum, die hart erkämpften Arbeitnehmerrechte - faire Löhne, Begrenzung der Arbeitszeit, Mitbestimmung, Streikrecht - zu verteidigen und der modernen, digitalen Arbeitswelt anzupassen.

Zuschauer hören einer Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zu. | Bildquelle: dpa
galerie

Bei seiner Rede warnte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor einer "Polarisierung der Arbeitswelt".

"Verantwortung für Mitarbeiter übernehmen"

An die Arbeitgeber appellierte Steinmeier, Verantwortung für ihre Mitarbeiter übernehmen. Der Arbeitsalltag werde flexibler und moderner, müsse dabei aber fair und gesund bleiben. "Eltern können etwa früher nach Hause gehen, um mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Dafür klappen sie dann nach der Gutenachtgeschichte den Laptop wieder auf. Immer häufiger wird auf Anwesenheit verzichtet, aber umso mehr Erreichbarkeit gefordert." Das verursache auch Stress, und das hätten die Gewerkschaften auch erkannt.

Automatisierung und Digitalisierung bedeuten Steinmeier zufolge nicht, dass die Arbeit ausgehen wird. Die Frage sei eher: Wie sieht sie künftig aus? Der Bundespräsident sieht die Gefahr, dass die Spaltung in der Gesellschaft größer wird, dass hochqualifizierte und flexible Arbeitnehmer immer mehr verdienen und die weniger qualifizierten und mobilen Bürger immer weniger.

Mit der Folge, dass der soziale Zusammenhalt brüchig wird, und die Sorgen der Menschen in politischen Protest münden. Um hier entgegenzuwirken, brauche es angemessene Anerkennung und angemessene Bezahlung für alle. Aber auch die Bereitschaft der Arbeitnehmer, sich stetig weiterzubilden.

DGB-Bundeskongress über die Zukunft der Arbeitswelt
tagesschau 20:00 Uhr, Griet von Petersdorff, ARD Berlin

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Steinmeier gegen bedingungsloses Grundeinkommen

Der Bundespräsident mahnt, die Zukunft der Verteilung von Arbeit, von Qualifizierung und sozialer Sicherung ernsthaft zu diskutieren. Die Idee des "bedingungslosen Grundeinkommens" sieht er hier als wenig hilfreich an. Dieses Modell, sagt Steinmeier, sei ihm "viel zu defensiv" und "käme einer Kapitulation gleich".

"Ich sehe jedenfalls keine Verlockung darin, Sozialpartnerschaft und tradierte Formen der Gehaltsfindung für gescheitert zu erklären, und dem Staat diese Aufgaben mit der Zahlung eines bedingungslosen Grundeinkommens aufzubürden." Der Bundespräsident plädiert dafür, die Selbstbestimmung durch Arbeit zu erneuern und zu bestärken.

Das DGB-Logo leuchtet über Zuhörern. | Bildquelle: dpa
galerie

Während des mehrtägigen Bundeskongresses wird die DGB-Spitze neu gewählt. Außerdem sprechen viele Spitzenpolitiker zu den Delegierten. Am Dienstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet.

"Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit"

Der DGB-Kongress tagt bis zum kommenden Donnerstag. Neben dem digitalen Wandel geht es unter anderem darum, wie man die Einhaltung des Mindestlohnes kontrollieren kann. Zudem geht es um Steuergerechtigkeit und um die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern. Das Motto in diesem Jahr lautet "Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit".

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann sagte in seiner Rede, die Menschen hätten ein feines Gespür für Ungerechtigkeiten. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen sinke nicht, es gebe viele Arbeitnehmer in prekären Verhältnissen. Auf der anderen Seite gebe es Unternehmen, die "keine oder nur lächerlich wenig Steuern zahlen".

Hoffmann sprach von berechtigten Sorgen vieler Arbeitnehmer, von der Angst vor sozialem Absturz und einem würdelosen Alter. Diese Sorgen seien nicht neu, betonte Hoffmann, sie seien schon lange vor den Flüchtlingen da gewesen, die 2015 nach Deutschland gekommen seien. Der DGB-Chef ist davon überzeugt, dass "gute Arbeit", Tarifverträge und Mitbestimmung Menschen weniger anfällig für Populismus machen. So erschwere man "den Rechten und Ewiggestrigen ihr schmutziges Geschäft".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Mai 2018 um 13:15 Uhr.

Darstellung: